»Wer wollte leugnen, dass die kultur- und anerkennungstheoretischen Zugänge zu Macht- und Herrschaftsfragen eine Bereicherung des kapitalismuskritischen Diskurses darstellen. Viel stärker als es ausschließlich polit-ökonomisch orientierte Ansätze konnten, haben sie „verborgene Mechanismen“ und Dimensionen von Unterdrückung, Abwertung und Ausschluss freigelegt. Und völlig zu Recht haben sie auf die Emanzipationsinteressen von Frauen, Immigrantinnen, Immigranten, People of Color sowie Angehörigen der LGBTQ-Communities als unverzichtbare Bestandteile linker Politik verwiesen«, sagt Hans-Jürgen Urban vom geschäftsführenden Vorstand der IG Metall in einem kontrovers diskutierten Interview, das Johannes Schulten für den Freitag geführt hat. »Das Problem beginnt, wenn vergessen wird, dass sich all diese Aufgaben auch heute noch in kapitalistischen Gesellschaften stellen, dass dieser Kapitalismus sie funktionalisiert und dass deshalb die in der modernen Linken so beliebte Entsorgung von Kapitalismus- und Klassenfragen analytisch und strategisch in die Irre führt.«