Erfolg für Matrosen

ILO-Seearbeitskonvention kann in Kraft treten

Von Jörn Boewe, junge Welt, 22. Aug. 2012

Die Internationale Seearbeitskonvention (Maritime Labour Convention – MLC) wird geltendes Völkerrecht. Wie die ILO am Montag in Genf bekanntgab, haben mit Rußland und den Philippen jetzt 30 Staaten das 2006 ausgehandelte Abkommen ratifiziert. Damit tritt es nach weiteren zwölf Monaten, im August 2013 in Kraft.

Das MLC sieht erweiterte Kontrollrechte und -pflichten für staatliche Behörden hinsichtlich der sozialen Bedingungen an Bord von Seeschiffen vor. So sollen Hafenstaaten künftig u. a. die Einhaltung von Tarifverträgen überprüfen.

Das Recht der Inspektoren der Internationalen Transportarbeiterföderation (ITF), Schiffe zu begehen, besteht mit dem MLC weiter. Man verspreche sich allerdings »mehr detaillierte Prüfungen, falls es Hinweise gibt, daß Schiffe globale Arbeitsrechtsstandards nicht einhalten« sowie eine verstärkte Handhabe zur »Festsetzung von Schiffen in ernsten Fällen«, erklärte die ITF in London.

»Wir sind froh, daß das MLC endlich auf dem Weg ist«, kommentierte ITF-Inspektor Bernd Losch am Dienstag in Berlin im Gespräch mit jW. Allerdings sei es »enttäuschend, daß unsere Regierung da so hinterherhängt«. Deutschland hat das Abkommen bislang nicht ratifiziert. Es gilt aber als sicher, daß dies im Zuge der im Herbst anstehenden Novellierung des deutschen Seearbeitsrechts geschieht

»Oder das Schiff bleibt liegen«

Erfolg der »MS Deutschland«-Besatzung: Rückenwind im Kampf gegen Ausflaggung. Ein Gespräch mit Karl-Heinz Biesold

Interview: Jörn Boewe, junge Welt, 1. Aug. 2012

Karl-Heinz Biesold ist Schiffahrtsexperte beim Bundesvorstand der Gewerkschaft ver.di und Mitglied der Tarifkommission der Internationalen Transportarbeiterföderation (ITF)

Am Montag gab die Reederei Deilmann bekannt, daß sie auf die geplante Ausflaggung der »MS Deutschland« verzichten will. Wie bewerten Sie diese Entscheidung?

Der Hauptgrund ist mit Sicherheit der öffentliche Druck und daß die Besatzung ganz klar gesagt hat: Wir fahren nicht unter maltesischer Flagge und unterschreiben nicht solche Verträge. Weiterlesen