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	<title>Energie | Journalistenbüro work in progress</title>
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	<description>Hier bloggen die freien Journalisten Jörn Boewe und Johannes Schulten</description>
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		<title>Der Ölpreis und die Klassenfrage</title>
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		<dc:creator><![CDATA[work in progress]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 07 Mar 2026 18:01:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Presse]]></category>
		<category><![CDATA[Top Stories]]></category>
		<category><![CDATA[der Freitag]]></category>
		<category><![CDATA[Energie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Ökonomie des Ölpreises: Wie Konzerne jetzt Rekord-Profite auf unsere Kosten machen Benzin, Heizen und Strom: Durch den Iran-Krieg wird alles teurer. Auch Flüssiggas verkaufen Energiekonzerne in Europa gerade zu teils doppelt so hohen Preisen, wie sie für die Beschaffung &#8230; <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/der-oelpreis-und-die-klassenfrage/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1 class="bc-article-intro__title u-hyphens"><span class="bo-badge--fplus">Die Ökonomie des Ölpreises: Wie Konzerne jetzt Rekord-Profite auf unsere Kosten machen </span></h1>
<p class="bc-article-intro__text u-hyphens"><strong>Benzin, Heizen und Strom: Durch den Iran-Krieg wird alles teurer. Auch Flüssiggas verkaufen Energiekonzerne in Europa gerade zu teils doppelt so hohen Preisen, wie sie für die Beschaffung bezahlen. Wie diese Ungerechtigkeit funktioniert</strong></p>
<p><a href="https://www.freitag.de/autoren/joern-boewe/oekonomie-des-oelpreises-wie-konzerne-durch-den-iran-krieg-rekord-profite-machen#comments" target="_blank" rel="noopener"><em>Von Jörn Boewe, der Freitag, 5. März 2026</em></a></p>
<div class="bv-grid-float bv-grid-float--right bo-article-aside">
<p>Geopolitische Konflikte beginnen selten an Orten, die nach Alltag aussehen. Sie beginnen in diplomatischen Krisen, militärischen Drohungen und <a class="bo-link" href="https://www.freitag.de/autoren/the-guardian/4-fakten-zur-strasse-von-hormus-wird-der-wichtigste-seeweg-der-welt-geschlossen" rel="noopener">strategischen Meerengen</a>. Doch ihre wirtschaftlichen Folgen lassen sich erstaunlich leicht finden. Man muss nur auf den Preis schauen, der an der Tankstelle aufleuchtet.</p>
<h2>Wie eine zusätzliche Steuer</h2>
<p>Steigt der Ölpreis, verändert sich nicht nur die Lage auf den Weltmärkten. Er verändert auch die Verteilung von Einkommen innerhalb einer Gesellschaft. Energie gehört zu den grundlegenden Kosten des Lebens – für Haushalte ebenso wie für <a class="bo-link" href="https://www.freitag.de/autoren/sebastian-baehr/warum-besucht-merz-halle-die-ostdeutsche-chemie-industrie-steckt-in-der-krise" rel="noopener">Unternehmen</a>. Wenn Energie teurer wird, wirkt das wie eine zusätzliche Steuer.</p>
<p>Diese Steuer ist allerdings keine, über die Parlamente abstimmen. Sie entsteht aus <a class="bo-link" href="https://www.freitag.de/autoren/wolfgang-michal/die-neue-geopolitik-wiederkehr-einer-weltsicht-des-wahns" rel="noopener">geopolitischen</a> Konflikten, Marktreaktionen und globalen Lieferketten. Und sie trifft nicht alle gleich.</p>
<p><span id="more-2233"></span></p>
<p>Das lässt sich immer wieder beobachten, wenn Energiepreise abrupt steigen. Haushalte mit <a class="bo-link" href="https://www.freitag.de/autoren/sebastian-baehr/butterwegge-ueber-neuberechung-von-armut-bundesamt-vernebelt-die-realitaet" rel="noopener">niedrigen Einkommen</a> geben einen deutlich größeren Anteil ihres Budgets für Heizen, Strom oder Mobilität aus als wohlhabendere Haushalte. Wenn Energie teurer wird, verlieren sie deshalb relativ mehr Kaufkraft. Für Unternehmen hingegen sind steigende Energiekosten oft nur ein Faktor unter mehreren – und in vielen Fällen lassen sie sich zumindest teilweise über höhere Preise weitergeben. Manche verdienen sogar daran.</p>
</div>
<h2>Die sozialen Auswirkungen der Abhängigkeit von fossiler Energie</h2>
<p>Der Ölpreis wirkt deshalb nicht nur als wirtschaftlicher Indikator. Er wirkt auch als sozialer Mechanismus. <a class="bo-link" href="https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/donald-trump-verfolgt-im-iran-mehr-als-nur-ein-ziel-er-will-china-schwaechen" rel="noopener">Geopolitische Spannungen</a> im Nahen Osten, Konflikte um Seewege oder Fördergebiete übersetzen sich über Energiepreise in eine Verschiebung der Einkommensverhältnisse innerhalb einer Gesellschaft.</p>
<p>Dass Energiepreise solche sozialen Wirkungen entfalten können, liegt auch daran, wie stark moderne Volkswirtschaften weiterhin <a class="bo-link" href="https://www.freitag.de/autoren/nick-reimer/deshalb-ist-das-neue-heizungsgesetz-auch-machtpolitisch-dumm" rel="noopener">von fossilen Energien abhängig</a> sind. Trotz aller Fortschritte bei erneuerbaren Energien bleibt Öl ein zentraler Rohstoff – für Verkehr, Industrie, Landwirtschaft und große Teile der globalen Logistik.</p>
<p>Gerade Europa zeigt, wie schwer sich diese Abhängigkeit auflösen lässt. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 galt Energiepolitik plötzlich als sicherheitspolitische Frage. Pipelinegas aus Russland wurde in kurzer Zeit durch <a class="bo-link" href="https://www.freitag.de/autoren/kathrin-hartmann/texanischer-aktivist-besucht-ruegen-john-beards-kampf-gegen-oel-und-gasindustrie" rel="noopener">Flüssiggas aus den USA</a>, Katar oder Westafrika ersetzt. Neue LNG-Terminals entstanden, Lieferketten wurden neu organisiert.</p>
<h2>Durch die Folgen des Kriegs in der Ukraine ist ein noch empfindlicheres System aus Abhängigkeiten entstanden</h2>
<p>Doch diese Neuordnung hat die grundlegende Logik der Energieversorgung nicht verändert. Sie hat sie lediglich verschoben. An die Stelle einer geopolitischen Abhängigkeit ist eine stärkere Einbindung in den globalen Energiemarkt getreten – und damit auch eine neue politische Bindung an <a class="bo-link" href="https://www.freitag.de/autoren/ingar-solty/gas-geld-militaer-europa-erschrickt-wie-abhaengig-von-den-usa-es-ist" rel="noopener">die Vereinigten Staaten als wichtigsten LNG-Lieferanten</a> sowie an autoritäre Golfmonarchien, deren Energieexporte für Europa wieder strategische Bedeutung gewonnen haben. Diversifizierung bedeutet in diesem Fall weniger Unabhängigkeit als eine Neuverteilung der Abhängigkeiten.</p>
<p>Konflikte im Nahen Osten zeigen immer wieder, wie empfindlich dieses System reagiert. Schon die Aussicht auf mögliche Störungen der Ölversorgung treibt die Preise nach oben. Besonders sensibel ist dabei die Straße von Hormus, jene Meerenge zwischen Iran und <a class="bo-link" href="https://www.freitag.de/autoren/torsten-woehlert/usa-iran-die-trump-regierung-hat-sich-unter-handlungsdruck-gesetzt" rel="noopener">Oman</a>, durch die ein erheblicher Teil des weltweit gehandelten Erdöls transportiert wird.</p>
<p>Ölpreise steigen dabei oft nicht, weil tatsächlich weniger Öl geliefert wird. Sie steigen, weil Märkte Risiken vorwegnehmen. Die Furcht vor einer Störung wird selbst zum Preistreiber. Für Haushalte und Unternehmen macht das keinen Unterschied: Sie zahlen den Preis trotzdem.</p>
<h2>Energieunternehmen verkaufen ihr Flüssiggas in Europa gerade zu Preisen, die doppelt so hoch sind wie ihre Beschaffungs- und Lieferkosten</h2>
<p>Die wirtschaftlichen Folgen solcher Preissprünge werden oft als nationale Herausforderung beschrieben. Regierungen sprechen von „Belastungen für die Wirtschaft“ oder von „Kosten für die Volkswirtschaft“. Doch dieser Blick verdeckt <a class="bo-link" href="https://www.freitag.de/autoren/stephan-hebel/merz-vs-linke-zukunftskampf-um-deutschlands-wirtschaftspolitik" rel="noopener">eine entscheidende Frage</a>: Wie werden diese Kosten innerhalb einer Gesellschaft verteilt?</p>
<p>Denn Energiepreisschocks treffen unterschiedliche Gruppen sehr unterschiedlich. Während Haushalte und energieintensive Industrien unter steigenden Preisen leiden, entstehen auf den Energiemärkten gleichzeitig neue Krisengewinne.</p>
<p>Große Öl- und Gaskonzerne sowie Händler von Flüssiggas profitieren davon, dass geopolitische Risiken unmittelbar in höhere Preise übersetzt werden. Wie die <a class="bo-link bo-link--external" href="https://www.nytimes.com/2026/03/04/business/energy-environment/natural-gas-prices-lng-shell-exxon-war-iran.html" target="_blank" rel="noopener"><em>New York Times</em></a> berichtet, können westliche Energieunternehmen ihr Flüssiggas derzeit in Europa teilweise zu Preisen verkaufen, die etwa doppelt so hoch liegen wie ihre Beschaffungs- und Lieferkosten.</p>
<h2>Energiekonzerne steigern ihre Profite, viele Haushalte verlieren Kaufkraft</h2>
<p>Flüssiggas wird zu vergleichsweise stabilen Förderkosten produziert, auf dem Weltmarkt aber zu Preisen gehandelt, die stark auf geopolitische Spannungen reagieren. Steigt das Risiko in einer Region, steigt der Preis weltweit. Für Energiehändler und Produzenten können solche Situationen deshalb zu sogenannten „Windfall Profits“ führen – <a class="bo-link" href="https://www.freitag.de/autoren/sebastianpuschner/uebergewinnsteuer-in-krisenzeiten-andere-laender-machen-es-vor" rel="noopener">unerwarteten Zusatzgewinnen</a>, die allein aus geopolitischer Unsicherheit entstehen. Energiekrisen erzeugen so eine paradoxe Situation: Während viele Haushalte Kaufkraft verlieren und Industrien unter Kostensteigerungen leiden, steigen in Teilen der Energiebranche gleichzeitig Umsatz und Gewinn.</p>
<p>In diesem Sinn sind Energiekrisen selten nur wirtschaftliche Krisen. Sie sind Verteilungskrisen. Steigen Öl- oder Gaspreise, erhöht sich der Anteil des Einkommens, den viele Menschen für Heizen, Strom oder Mobilität aufbringen müssen. <a class="bo-link" href="https://www.freitag.de/autoren/nhildebrandt/studie-von-isabella-weber-inflation-macht-arme-aermer-die-reichen-kassieren-ab" rel="noopener">Besonders stark betrifft das Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen</a>. Wer einen größeren Teil seines Budgets für Grundkosten ausgibt, spürt Preissteigerungen unmittelbarer.</p>
<p>Das war bereits während der Energiekrise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine zu beobachten. Steigende Gaspreise lösten nicht nur eine wirtschaftliche Debatte aus, sondern auch <a class="bo-link" href="https://www.freitag.de/autoren/nelli-tuegel/energiekrise-und-inflation-warum-die-deutsche-regierung-mit-so-zoegerlich-ist" rel="noopener">politische Konflikte</a> über Entlastungspakete, Preisbremsen und staatliche Hilfen. Hinter diesen Maßnahmen stand letztlich die gleiche Frage: Wer soll die Kosten der Energiekrise tragen – Staat, Unternehmen oder private Haushalte?</p>
<h2>Friedrich Merz und Lars Klingbeil sind an die USA gebunden</h2>
<p>Die politische Antwort auf diese Entwicklung bleibt widersprüchlich. Offiziell steht die Energiewende im Zentrum der Strategie: <a class="bo-link" href="https://www.freitag.de/autoren/nick-reimer/rettet-die-erneuerbaren-warum-katherina-reiches-netzpaket-so-ungeheuerlich-ist" rel="noopener">erneuerbare Energien</a> ausbauen, fossile Abhängigkeiten reduzieren, die Wirtschaft klimaneutral umbauen. In der Praxis jedoch wirkt die Energiepolitik oft wie eine Abfolge kurzfristiger Anpassungen an immer neue Krisen.</p>
<p>Auch die Bundesregierung unter Friedrich Merz (CDU) und <a class="bo-link" href="https://www.freitag.de/autoren/nick-reimer/klima-und-transformationsfonds-klingbeil-verkehrt-klimaschutz-ins-gegenteil" rel="noopener">Lars Klingbeil</a> (SPD) bewegt sich in diesem Spannungsfeld. Außenpolitisch bleibt Deutschland eng an die strategische Linie der Vereinigten Staaten gebunden, energiepolitisch dominiert ein Nebeneinander aus Marktvertrauen, industriepolitischen Förderprogrammen und sicherheitspolitischen Erwägungen. Eine konsistente langfristige Ordnung der Energieversorgung ist darin bislang schwer zu erkennen.</p>
<p>So entsteht eine Politik, die auf Stabilisierung statt auf klare Strukturentscheidungen setzt. Der Staat greift punktuell ein, organisiert neue Lieferketten, baut LNG-Infrastruktur auf und unterstützt industrielle Transformation – doch die grundlegende Logik globaler Energiemärkte bleibt weitgehend unangetastet.</p>
<h2>Welche neue Energieordnung Europa gerade aufbaut</h2>
<p>Die Folge ist eine Art energiepolitisches Durchwursteln: Krisen werden abgefedert, Abhängigkeiten verlagert, Risiken neu verteilt – aber selten grundlegend reduziert. Für Haushalte bedeutet das vor allem eines: temporäre Entlastungen bei gleichzeitig dauerhaft höheren Preisrisiken.</p>
<p>Der <a class="bo-link" href="https://www.freitag.de/autoren/michael-lueders/die-energiesanktionen-schaden-deutschland-mehr-als-russland" rel="noopener">abrupte Ausstieg aus russischem Pipelinegas</a> hat Europa stärker in den globalen Markt für Flüssiggas eingebunden. LNG wird auf einem weltweiten Markt gehandelt, auf dem europäische Abnehmer mit asiatischen Importeuren konkurrieren. Preise reagieren deshalb empfindlich auf Ereignisse in weit entfernten Regionen – von Hurrikans im Golf von Mexiko bis zu militärischen Spannungen im Nahen Osten.</p>
<h2>Die neue Ordnung ist flexibler als Pipelines à la Nord Stream – und krisenanfälliger</h2>
<p>Was als energiepolitische Diversifizierung gedacht war, hat damit auch eine neue Form der Abhängigkeit geschaffen: die stärkere Bindung an einen volatilen Weltmarkt. Konflikte wie der <a class="bo-link" href="https://www.freitag.de/autoren/johannes-varwick/us-hybris-donald-trump-bedient-die-legende-von-der-unersetzlichen-nation" rel="noopener">zwischen den USA und dem Iran</a> erinnern daran, wie schnell geopolitische Spannungen über diesen Markt in die europäischen Volkswirtschaften hineinwirken können.</p>
<p>Hinter dieser Entwicklung zeichnet sich eine tiefere strukturelle Veränderung ab. Europa baut derzeit eine neue Energieordnung auf – eine Ordnung, die weniger auf regionalen Lieferbeziehungen und langfristigen Pipelineverträgen beruht als auf globalen Energiemärkten. Flüssiggas wird weltweit gehandelt, Preise entstehen zunehmend auf volatilen Spotmärkten, und geopolitische Risiken werden sofort in Marktpreise übersetzt.</p>
<p>Diese Ordnung ist flexibler als <a class="bo-link" href="https://www.freitag.de/autoren/wolfgangmichal/gas-aus-russland-kommen-die-nord-stream-pipelines-zurueck" rel="noopener">die alte Pipelinearchitektur</a> – aber auch krisenanfälliger. Während frühere Energiesysteme stärker durch langfristige Verträge stabilisiert wurden, reagiert der globalisierte Energiemarkt empfindlich auf Konflikte, Handelsrouten und Finanzspekulation. Die Energieordnung des fossilen Spätkapitalismus wird dadurch nicht nur globaler, sondern auch instabiler.</p>
<h2>Wer die wirtschaftlichen Folgen internationaler Konflikte trägt</h2>
<p>Der Ölpreis ist deshalb mehr als eine wirtschaftliche Kennzahl. Er ist ein politischer Preis – ein Preis, der an den Schnittstellen von Geopolitik, Energiemärkten und gesellschaftlicher Verteilung entsteht.</p>
<p>Wenn Konflikte im Nahen Osten eskalieren, entscheidet sich ihre wirtschaftliche Bedeutung nicht nur in Ministerien oder an den Rohstoffbörsen. Sie entscheidet sich im Alltag: in <a class="bo-link" href="https://www.freitag.de/autoren/pep/der-unsichtbare-einer-von-vielen" rel="noopener">Heizkosten</a>, Transportpreisen und Lebensmitteln. Der Ölpreis ist deshalb auch ein sozialer Preis. Er bestimmt mit darüber, wer die wirtschaftlichen Folgen internationaler Konflikte trägt – und wer an ihnen verdient.</p>
<p>In einer Energieordnung, die immer stärker von globalen Märkten und geopolitischen Spannungen geprägt ist, wird diese Frage zur dauerhaften politischen Konfliktlinie. Wer über Energiepreise spricht, spricht deshalb nicht nur über Märkte oder Sicherheitspolitik. Er spricht über Macht – und über <a class="bo-link" href="https://www.freitag.de/autoren/sebastianpuschner/norbert-walter-borjans-lars-klingbeil-braucht-mut-und-gute-finanzexperten" rel="noopener">Verteilung</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Windkraft ohne Wertschöpfung?</title>
		<link>https://work-in-progress-journalisten.de/windkraft-ohne-wertschoepfung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[work in progress]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Feb 2026 17:39:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Presse]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ostdeutschland produziert so viel Windstrom wie kaum eine Region – doch die Industrie bleibt aus. Zementiert die Energiewende alte Machtverhältnisse? Von Jörn Boewe, Ostdeutsche Allgemeine Zeitung, 24. Feb. 2026 Wer im Frühling durch Brandenburg fährt, sieht sie schon von Weitem: &#8230; <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/windkraft-ohne-wertschoepfung/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ostdeutschland produziert so viel Windstrom wie kaum eine Region – doch die Industrie bleibt aus. Zementiert die Energiewende alte Machtverhältnisse?</strong></p>
<p><a href="https://ostdeutscheallgemeine.com/article/warum-der-osten-kaum-von-der-stromindustrie-profitiert-und-was-markus-soeder-dafuer-kann-10020750" target="_blank" rel="noopener"><em>Von Jörn Boewe, Ostdeutsche Allgemeine Zeitung, 24. Feb. 2026</em></a></p>
<p>Wer im Frühling durch Brandenburg fährt, sieht sie schon von Weitem: die weißen Riesen, die über den Rapsfeldern kreisen wie eine neue Art von Landschaftstier. An der Ostseeküste stehen sie im Wasser, als hätten sie dort Wurzeln geschlagen. In Sachsen-Anhalt ziehen sich die Türme bis an den Horizont. Rotorblatt an Rotorblatt, Trasse an Trasse. Die Energiewende hat hier eine Adresse, eine Silhouette, eine Geräuschkulisse.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Der Osten Deutschlands ist längst eine der produktivsten Stromfabriken des Landes. Sachsen-Anhalt zählt zu den führenden Onshore-Standorten, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern speisen gewaltige Mengen Windstrom ins Netz. Die Kilowattstunden entstehen hier – zuverlässig, massenhaft, wetterabhängig – und doch im System beherrschbar.</p>
<p>Dennoch steht über diesen Landschaften eine Frage, die sich nicht wegdrehen lässt wie ein Rotor im Wind: Wo bleibt die neue Industrie?</p>
<p><span id="more-2231"></span></p>
<h2 class="text-black pt-4 text-[20px] leading-[30px] font-bold font-libreFranklin">Der ökonomische Aufbruch bleibt aus</h2>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Der Strom fließt. Aber er bleibt nicht. Er rauscht durch Umspannwerke und Hochspannungsleitungen Richtung Westen und Süden, in gewachsene Produktionscluster, in Chemieparks, Automobilwerke, Maschinenbauzentren. Dorthin, wo seit Jahrzehnten industrielle Wertschöpfung verdichtet ist – und wo stabile, einheitliche Strompreise gelten, unabhängig davon, ob vor der Haustür ein Windrad steht oder nicht. Zurück bleiben im Norden und Osten Pachteinnahmen für Landwirte, Wartungsverträge, Gewerbesteuer. Das ist nicht nichts. Aber es ist auch nicht die große industrielle Erzählung, die Regionen dauerhaft verändert.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Gleichzeitig trägt der Osten eine andere Last. Nach <a href="https://www.verivox.de/strom-gas/nachrichten/heizen-strom-autofahren-energiekosten-belasten-ostdeutsche-haushalte-besonders-stark-1120877/">Berechnungen des Vergleichsportals Verivox</a> lag die kaufkraftbereinigte Energiekostenbelastung ostdeutscher Haushalte im Jahr 2024 rund 22 Prozent über dem westdeutschen Niveau. Nicht, weil Stromtarife systematisch höher wären – die Unterschiede verlaufen eher zwischen Netzgebieten, entlang von Konzessionsabgaben und zwischen Stadt und Land. Entscheidend ist das Verhältnis: niedrigere Einkommen, ähnliche Energieausgaben. Die Kilowattstunde frisst im Osten einen größeren Teil des Budgets.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Das mag kein Skandal im eigentlichen Sinne des Wortes sein. Aber es ist ein politisches Gefühl. Eine Region produziert saubere Energie – und zahlt relativ mehr dafür. Sie sieht die Rotoren vor dem Küchenfenster und merkt doch wenig von einem ökonomischen Aufbruch.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Wind weht nicht dort, wo Industrie historisch gewachsen ist. Er weht an Küsten, über Ebenen, in dünn besiedelten Räumen. Die Energiewende verschiebt damit die Geografie der Erzeugung. Aber sie verschiebt nicht automatisch die Geografie der Wertschöpfung. Auf dem Strommarkt ist jede Kilowattstunde gleich – ortsunabhängig handelbar, einheitlich bepreist. Physikalisch stimmt das nur bedingt. Strom muss transportiert, Netze müssen verstärkt, Engpässe gemanagt werden. Doch das Marktdesign behandelt ihn wie ein homogenes Gut.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Für eine exportorientierte Volkswirtschaft ist das mehr als eine regionale Befindlichkeit. Energiepreise, Versorgungssicherheit, Netzstabilität – sie entscheiden über Wettbewerbsfähigkeit. Wenn die neue Energiegeografie nicht mit aktiver Industriepolitik gekoppelt wird, entsteht eine paradoxe Dynamik: Die Regionen, die den Umbau physisch tragen, bleiben ökonomisch schwächer. Die industriellen Kerne sichern ihre Vorteile. Die Transformation würde bestehende Strukturen zementieren, statt neue zu schaffen.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Deshalb flammt immer wieder die Debatte über getrennte Strompreiszonen auf. Günstigere Preise dort, wo viel erneuerbarer Strom produziert wird; höhere Preise in Verbrauchszentren. In anderen europäischen Ländern existieren solche Modelle. Regionale Preissignale können Knappheiten sichtbar machen und Investitionen lenken. Doch sie sind kein Zauberstab. Unternehmen kalkulieren über Jahrzehnte. Sie fragen nach Netzanschlüssen, Genehmigungsdauern, Fachkräften, Lieferketten, regulatorischer Verlässlichkeit. Ein Preisunterschied von wenigen Cent pro Kilowattstunde ersetzt keine funktionierende Infrastruktur.</p>
<h2 class="text-black pt-4 text-[20px] leading-[30px] font-bold font-libreFranklin">Bayern will 1.000 neue Windräder bauen bis 2030</h2>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Besonders deutlich wird die Asymmetrie im politischen Schlagabtausch. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) fordert regelmäßig günstige Energie für den Industriestandort – und stellte sich über Jahre gegen einen beschleunigten Ausbau der Windkraft im eigenen Bundesland. Strenge Abstandsregeln wie die 10H-Regel bremsten den Ausbau, während die Industrie von stabilen, einheitlichen Strompreisen profitierte. In dieser Konstellation wirkt Söder wie ein politischer Winddieb: nicht, weil er Strom stiehlt, sondern weil er von erneuerbarer Erzeugung anderswo profitiert, ohne vergleichbare Ausbauanstrengungen zu leisten.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Nun kündigt Bayern einen Kurswechsel an. Bis 2030 sollen bis zu 1.000 neue Windräder entstehen, Genehmigungen beschleunigt werden. Der späte Ausbauwille ist industriepolitisch rational: Wer wettbewerbsfähige Strompreise sichern will, kann sich eine dauerhafte Abhängigkeit vom Wind anderer Regionen nicht leisten. Doch selbst dieser Schwenk ändert nichts am strukturellen Kernproblem. Solange erneuerbare Energie vor allem über einheitliche Marktmechanismen verteilt wird, bleibt die Frage offen, wo Wertschöpfung tatsächlich entsteht – und wer am Ende vom Wind profitiert.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Am Markt ist Strom eine standardisierte Ware. Die eigentlichen Multiplikatoreffekte entstehen nicht im Windpark, sondern in der Fabrikhalle. Dort, wo Energie in chemische Prozesse, in Stahl, in Kunststoffe, in Rechenzentren, in neue Wertschöpfungsketten übersetzt wird. Eine Region, die Strom exportiert, bleibt Infrastrukturraum. Eine Region, die Strom in Produkte, Moleküle und industrielle Fertigung verwandelt, wird Produktionsraum.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Die strategische Frage lautet also: Wo entstehen aus erneuerbarer Energie industrielle Cluster?</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Ein Blick nach Zeitz in Sachsen-Anhalt zeigt, dass es mehr sein kann als Theorie. Dort betreibt ein Werk der Südzucker AG eine 10-Megawatt-Power-to-Heat-Anlage. Elektrischer Dampf ersetzt fossile Prozesswärme. Perspektivisch wird ein BioEnergyHub diskutiert – mit Biomasse, CO₂-Nutzung, weiterer Elektrifizierung. Hier wird Strom nicht nur eingespeist, sondern in industrielle Prozesse eingebettet. Der Wind bleibt nicht abstrakt, er wird zu Dampf, zu Produkt, zu Wertschöpfung.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Doch aus Gesprächen mit betrieblichen Akteuren wird klar: Die Technik ist selten das Hauptproblem. Turbinen, Elektrolyseure, Wärmepumpen – sie sind verfügbar. Die größere Hürde ist die Investitionslogik. Industrielle Anlagen werden über Jahrzehnte abgeschrieben. Elektrifizierung bedeutet Kapitalbindung, neue Lastprofile, oft höhere Anschlussleistungen. Unternehmen brauchen langfristige Netz- und Planungssicherheit. Transformation scheitert selten am Ingenieurwissen. Sie scheitert an Unsicherheit.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Für Hochtemperaturprozesse kommen Wasserstoff und Power-to-X-Verfahren ins Spiel – also die Umwandlung von Strom in synthetische Kraftstoffe oder chemische Grundstoffe. Die PCK-Raffinerie im brandenburgischen Schwedt steht exemplarisch für diese Weggabelung. In unmittelbarer Nähe großer Windregionen könnte aus einem fossilen Raffineriestandort eine Plattform für grünen Wasserstoff entstehen. Technologisch ist vieles möglich. Aber die entscheidende Frage lautet: Werden diese Technologien in regionale Produktionsketten eingebettet? Oder bleibt auch hier der Strom vor allem Durchgangsware?</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Windparks und Trassen sind sichtbare Zeichen der Transformation. Sie verändern Landschaften, Identitäten, Heimatbilder. Wenn jedoch die industrielle Wertschöpfung anderswo entsteht, entsteht eine Schieflage in der Wahrnehmung: Die Eingriffe sind lokal, die Gewinne verteilen sich überregional. Das ist kein Argument gegen Windkraft. Es ist ein Argument gegen eine blinde Marktgläubigkeit.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Die industrielle Transformation entscheidet sich nicht im Höchstspannungsnetz allein, sondern in den Mittel- und Niederspannungsnetzen vor Ort. Unternehmen, die elektrifizieren oder Elektrolyse einsetzen wollen, brauchen höhere Anschlussleistungen. Genau hier entstehen Verzögerungen. Genehmigungen ziehen sich, Netzverstärkungen fehlen, Kapazitäten sind ausgelastet.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Die Summen, um die es geht, sind enorm. Einer <a href="https://www.agora-energiewende.de/aktuelles/wie-die-milliardenluecke-beim-ausbau-von-strom-und-waermenetzen-geschlossen-werden-kann?">Untersuchung</a> zufolge beläuft sich der Investitionsbedarf für Strom- und Wärmenetze bis 2045 auf rund 627 Milliarden Euro. Ein erheblicher Teil entfällt auf Verteilnetze in der Fläche – also genau dort, wo neue industrielle Verbraucher entstehen könnten. Gleichzeitig tragen die Kommunen eine Rekordverschuldung von rund 171 Milliarden Euro. Bis 2035 wird zusätzliches Eigenkapital von rund 68 Milliarden Euro benötigt.</p>
<h2 class="text-black pt-4 text-[20px] leading-[30px] font-bold font-libreFranklin">Windenergie ist ein Standortvorteil – eigentlich</h2>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Während über große Nord-Süd-Trassen gestritten wird, bleibt die Ebene unterfinanziert, auf der sich entscheidet, ob ein Mittelständler seine Produktion elektrifizieren kann oder nicht. Verzögerte Netzanschlüsse bedeuten verschobene Investitionen – und verschobene Arbeitsplätze. Infrastrukturtempo ist Industriepolitik in Beton und Kupfer gegossen.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Wenn kommunale Netzbetreiber die nötigen Investitionen nicht stemmen können, entsteht kein verlässliches Umfeld für energieintensive Zukunftsbranchen. Wer industrielle Elektrifizierung will, muss die öffentliche Investitionsfähigkeit in der Fläche stärken – durch Kapitalzuführungen, Kreditgarantien oder neue Finanzierungsinstrumente. Sonst bleibt die Energiewende eine beeindruckende Kulisse ohne ökonomischen Kern.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Für die Lausitz, für Brandenburg, für Sachsen-Anhalt, für die Küstenregionen stellt sich damit eine Richtungsfrage. Wollen sie Energie liefern – oder industrielle Cluster rund um elektrische Produktion und grüne Moleküle entwickeln? Die geografische Konzentration erneuerbarer Erzeugung ist kein Nachteil. Sie ist ein Standortfaktor. Aber nur, wenn Politik ihn aktiv nutzt.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Industriepolitik heißt dabei nicht, einzelne Gewinner auszuwählen oder Subventionen auf Dauer zu stellen. Es heißt, Energieinfrastruktur, Kapitalzugang und Ansiedlungsstrategie strategisch zu verzahnen. Es heißt, aus Wind nicht nur Strom zu machen, sondern Struktur.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Sonst bleibt ein Bild, das schwer auszuhalten ist: Offshore-Anlagen vor der Ostsee, Windparks in Sachsen-Anhalt, Leitungen durch Brandenburg – und industrielle Wertschöpfung anderswo. Die Energiewende ist gestaltbar. Als reines Marktprojekt verwaltet sie Infrastruktur. Als Industrieprojekt verschiebt sie wirtschaftliche Kräfteverhältnisse.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Ob der Nordosten Infrastrukturraum bleibt oder zum industriellen Zentrum einer elektrifizierten Produktion wird, entscheidet sich nicht im Windpark. Es entscheidet sich in Investitionsplänen, Netzanschlüssen, politischen Prioritäten. Und letztlich in der Antwort auf eine einfache Frage: Wem soll die neue Energie dienen – und wer darf sie nicht nur nutzen, sondern auch in Wertschöpfung verwandeln, statt dauerhaft vom Wind anderer zu leben?</p>
<p>&nbsp;</p><p>The post <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/windkraft-ohne-wertschoepfung/">Windkraft ohne Wertschöpfung?</a> first appeared on <a href="https://work-in-progress-journalisten.de">Journalistenbüro work in progress</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Die Ölraffinerie in Schwedt zeigt, Energiepolitik in Brandenburg ist Hegemonialpolitik</title>
		<link>https://work-in-progress-journalisten.de/die-oelraffinerie-in-schwedt-zeigt-energiepolitik-in-brandenburg-ist-hegemonialpolitik/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[work in progress]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 20 Feb 2026 17:32:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[our 2 cents]]></category>
		<category><![CDATA[der Freitag]]></category>
		<category><![CDATA[Energie]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ohne Öl in Schwedt kein Benzin für Ostdeutschland: Im April endet die US-Ausnahmegenehmigung, an der die Existenz der PCK-Raffinerie hängt. Die Bundesregierung muss handeln – ist aber von transatlantischer Sanktionsarchitektur abhängig Von Jörn Boewe, der Freitag 09/2026 &#8211; 20.02.2026 Ob &#8230; <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/die-oelraffinerie-in-schwedt-zeigt-energiepolitik-in-brandenburg-ist-hegemonialpolitik/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ohne Öl in Schwedt kein Benzin für Ostdeutschland: Im April endet die US-Ausnahmegenehmigung, an der die Existenz der PCK-Raffinerie hängt. Die Bundesregierung muss handeln – ist aber von transatlantischer Sanktionsarchitektur abhängig</strong></p>
<p><a href="https://www.freitag.de/autoren/joern-boewe/pck-in-schwedt-wie-sich-die-neue-weltordnung-weit-im-osten-brandenburgs-zeigt" target="_blank" rel="noopener"><em>Von Jörn Boewe, der Freitag 09/2026 &#8211; 20.02.2026</em></a></p>
<div class="bv-grid-float bv-grid-float--right bo-article-aside">
<p>Ob der Betrieb eines der wichtigsten Industriestandorte Brandenburgs dauerhaft gesichert ist, hängt nicht nur von Märkten und Lieferketten ab – sondern von politischen Entscheidungen jenseits Europas.</p>
<p>Der Ukrainekrieg hat Energie <a class="bo-link" href="https://www.freitag.de/autoren/wolfgang-michal/der-erste-krieg-der-energiewende" rel="noopener">vom wirtschaftlichen Bindemittel zum strategischen Machtinstrument</a> gemacht. An der Oder zeigt sich, wie eng Europas Energieordnung mit einem Hegemonialkonflikt verknüpft ist – und wie fragil der Anspruch „strategischer Autonomie“ bleibt.</p>
<p><span id="more-2229"></span></p>
<p>In Schwedt steht die PCK-Raffinerie, eine der größten in Deutschland. Sie versorgt weite Teile Ostdeutschlands mit Benzin, Diesel und Kerosin. Rund 11,5 Millionen Tonnen Rohöl kann die PCK jährlich verarbeiten. Tatsächlich lag die Auslastung zuletzt deutlich darunter – zeitweise nur bei 70 bis 80 Prozent der Kapazität. Ein erheblicher Teil der Kraftstoffe für <a class="bo-link" href="https://www.freitag.de/thema/berlin" rel="noopener">Berlin</a> und Brandenburg entsteht hier. Was auf den Straßen der Hauptstadtregion verfahren wird, beginnt an diesem Standort. Schwedt ist kein Randthema der Energiepolitik. Es ist Basisversorgung.</p>
</div>
<h2>Die US-Ausnahmeregelung bezüglich deutscher Rosneft-Töchter endet bisher am 29. April</h2>
<p>Seit 2022 steht diese Basis <a class="bo-link" href="https://www.freitag.de/autoren/lutz-herden/eu-oelembargo-schwedt-haftet-fuer-sanktionen" rel="noopener">unter politischem Vorbehalt</a>. Die Mehrheitsanteile des russischen Staatskonzerns Rosneft wurden unter Treuhandverwaltung gestellt. Russische Pipelineimporte über die „Druschba“-Trasse endeten. Stattdessen kommt das Rohöl heute über die Ostsee-Pipeline von Rostock sowie über Lieferungen aus <a class="bo-link" href="https://www.freitag.de/autoren/martin-leidenfrost/reise-durch-kasachstan-im-drittrussischsten-land-der-welt" rel="noopener">Kasachstan</a>, die über Polen weitergeleitet werden. Der Betrieb läuft – aber nicht mehr unter den alten Vorzeichen wirtschaftlicher Normalität.</p>
<p>Entscheidend ist nicht nur die neue Lieferlogistik. Entscheidend ist, dass die Handlungsfähigkeit der Raffinerie faktisch von einer Sanktionsarchitektur abhängt, die im transatlantischen Raum definiert wird. Eine befristete US-Ausnahmeregelung stellt derzeit sicher, dass Geschäfte im Zusammenhang mit den deutschen Rosneft-Töchtern nicht unter <a class="bo-link" href="https://www.freitag.de/autoren/lutz-herden/eu-gipfel-europa-kann-einen-staatsbankrott-der-ukraine-vorerst-nicht-auffangen" rel="noopener">verschärfte Sanktionen</a> fallen. Sie läuft am 29. April aus. Wird sie nicht verlängert, drohen erhebliche Einschränkungen bei Finanzierung, Versicherung und Handel – also genau in jenen Bereichen, die eine Raffinerie am Laufen halten.</p>
<p>Schwedt ist kein Schauplatz der Weltpolitik. Aber ein Ort, an dem sie wirkt.</p>
<p>Der Krieg in der Ukraine ist mehr als ein militärischer Konflikt. Er ist Teil eines Hegemonialkonflikts um die politische Ordnung in <a class="bo-link" href="https://www.freitag.de/autoren/wolfgang-michal/die-osteuropaforschung-ist-zurueck-auf-den-spuren-eines-forschungsgebietes" rel="noopener">Osteuropa</a>. Seit den 1990er Jahren hat sich der Integrationsraum der Europäischen Union Schritt für Schritt nach Osten erweitert. Mit dem Beitrittskandidatenstatus für die Ukraine und <a class="bo-link" href="https://www.freitag.de/autoren/martin-leidenfrost/transnistrien-es-wurde-gehoerig-kalt-als-im-januar-kein-gas-mehr-kam" rel="noopener">Moldau</a> setzt sich diese Bewegung fort.</p>
<h2>Russland und die EU-Osterweiterung</h2>
<p>Diese Erweiterungslogik folgt der Idee von Stabilität durch Integration. Staaten sollen über <a class="bo-link" href="https://www.freitag.de/autoren/nelli-tuegel/wiederaufbau-der-ukraine-das-land-der-unbegrenzten-moeglichkeiten" rel="noopener">Marktöffnung</a>, Rechtsangleichung und institutionelle Einbindung dauerhaft im europäischen Raum verankert werden. Völkerrechtlich ist das legitim. Politisch ist es Ausdruck einer Ordnungsvorstellung.</p>
<p>Russland interpretiert denselben Prozess als strategische Einengung seines sicherheitspolitischen Handlungsspielraums. Diese Wahrnehmung rechtfertigt keinen Angriffskrieg. Sie erklärt aber, warum <a class="bo-link" href="https://www.freitag.de/autoren/velten-schaefer/wer-wirklich-frieden-will-muss-sogar-putin-vermenschlichen" rel="noopener">Integration und Sicherheit im östlichen Europa</a> nicht neutral nebeneinanderstehen, sondern machtpolitisch aufgeladen sind.</p>
<p>Zwei Ordnungsmodelle überlagern sich im selben Raum. Die EU denkt Integration – bislang ohne institutionelle Einbindung Russlands. Russland denkt Einfluss und Sicherheitszonen. In dieser Überlagerung entsteht der Hegemonialkonflikt – mit militärischer, wirtschaftlicher und energiepolitischer Dimension.</p>
<h2>Die Idee hinter Nord Stream 1 und 2</h2>
<p>Über Jahrzehnte galt Energie als Bindemittel zwischen Russland und Westeuropa. <a class="bo-link" href="https://www.freitag.de/autoren/michael-lueders/die-energiesanktionen-schaden-deutschland-mehr-als-russland" rel="noopener">Pipelinegas</a>, langfristige Lieferverträge, gegenseitige Abhängigkeit – das war die Logik wirtschaftlicher Verflechtung. Nord Stream 1 und Nord Stream 2 standen für diese Idee direkter Anbindung.</p>
<p>Mit dem Angriff auf die Ukraine zerbrach diese Interdependenz. Energie wurde vom Integrationsinstrument zum strategischen Hebel. Europa kappte russische Importe, Russland drosselte Lieferungen, Pipelines wurden politisch und <a class="bo-link" href="https://www.freitag.de/autoren/wolfgang-michal/serhii-k-nicht-der-erste-mutmassliche-drahtzieher-der-nord-stream-anschlaege" rel="noopener">physisch beschädigt</a>. Die Entkopplung wurde zum Ziel.</p>
<p>Oft wird dieser Bruch als klimapolitischer Fortschritt erzählt. Tatsächlich wurde ein großer Teil des russischen Pipelinegases durch verflüssigtes Erdgas ersetzt, vor allem aus den USA. Fortschritt? Fehlanzeige: Unter Berücksichtigung der Methanemissionen <a class="bo-link" href="https://www.freitag.de/autoren/kathrin-hartmann/texanischer-aktivist-besucht-ruegen-john-beards-kampf-gegen-oel-und-gasindustrie" rel="noopener">entlang der Förder- und Lieferkette</a> liegt die Klimabilanz von US-Fracking-LNG in Studien teilweise auf Kohleniveau. Der hohe Energieaufwand für Verflüssigung und Transport verschlechtert die Gesamtbilanz erheblich.</p>
<h2>Ob die EU ihre Sanktionspolitik durchsetzen kann, hängt von einem transatlantischen Ordnungsrahmen ab</h2>
<p>Hinzu kommt ein industriepolitischer Aspekt, der vor dem Krieg diskutiert wurde: Nord Stream 2 war <a class="bo-link" href="https://www.freitag.de/autoren/wolfgangmichal/weitermachen-wo-willy-brandt-aufgehoert-hat" rel="noopener">perspektivisch für den Transport von Wasserstoff umrüstbar</a>. Die bestehende Infrastruktur wurde von Fachleuten als Brücke in eine klimaneutrale Zukunft diskutiert. Mit dem geopolitischen Bruch ist diese Option politisch erledigt.</p>
<p>Energie war Brücke. Heute ist sie Hebel.</p>
<p>Seit 2022 wird in Europa häufiger von „strategischer Autonomie“ gesprochen. Gemeint ist die Fähigkeit, <a class="bo-link" href="https://www.freitag.de/autoren/eric-bonse/gegen-trumps-handelskrieg-wie-europa-sich-von-den-usa-unabhaengig-machen-kann" rel="noopener">außen- und sicherheitspolitische Entscheidungen eigenständig zu treffen</a> und ihre Folgen selbst zu tragen.</p>
<p>Im Hegemonialkonflikt um Osteuropa zeigt sich jedoch eine strukturelle Asymmetrie. Die EU beschließt ihre Sanktionspakete selbst. Doch deren Durchsetzungskraft <a class="bo-link" href="https://www.freitag.de/autoren/wimalasena/das-narrativ-von-der-regelbasierten-weltordnung-war-teilweise-falsch" rel="noopener">hängt von einem transatlantischen Ordnungsrahmen ab</a>, dessen zentrale Hebel – Finanzsystem, Sekundärsanktionen, Lizenzregime – außerhalb Europas liegen.</p>
<h2>Was auf die Bundesregierung bezüglich Schwedt zukommt</h2>
<p>Schwedt ist ein konkreter Ausdruck dieser Struktur. Der Standort ist politisch auf Entkopplung ausgerichtet, doch seine Stabilität hängt an Entscheidungen, die nicht in Berlin oder Brüssel fallen. Das Problem ist nicht, dass <a class="bo-link" href="https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/der-deutsche-diskurs-ueber-den-ukrainekrieg-ist-von-fehlwahrnehmungen-gepraegt" rel="noopener">strategische Autonomie</a> unvollständig wäre. Das Problem ist, dass kaum sichtbar wird, wie sie unter den aktuellen politischen Bedingungen überhaupt eingelöst werden soll.</p>
<p>In den kommenden Wochen wird die Bundesregierung handeln müssen. Eine Verlängerung der US-Ausnahmeregelung wäre die pragmatischste Lösung – sie sicherte den laufenden Betrieb, verlängerte aber die strukturelle Abhängigkeit.</p>
<h2><strong>Berlin und Brüssel bekräftigen ihre Erweiterungspolitik – aber welche Sicherheitsarchitektur soll daraus entstehen?</strong></h2>
<p>Ein Verkauf der Rosneft-Anteile wird seit Monaten sondiert, ist bislang jedoch nicht gelungen. Eine formale Enteignung oder Überführung in staatliches Eigentum würde Klarheit schaffen, könnte milliardenschwere Entschädigungsforderungen nach sich ziehen und <a class="bo-link" href="https://www.freitag.de/autoren/wolfgang-michal/die-neue-geopolitik-wiederkehr-einer-weltsicht-des-wahns" rel="noopener">geopolitische</a> Gegenreaktionen provozieren.</p>
<p>Keine dieser Optionen ist rein technisch. Jede ist eine Positionierung im Hegemonialkonflikt.</p>
<p>Deutschland und die EU haben sich klar positioniert. Sie unterstützen die Ukraine militärisch, verschärfen die <a class="bo-link" href="https://www.freitag.de/autoren/ingar-solty/russland-sanktionen-sind-voelliger-schuss-ins-knie" rel="noopener">Sanktionspolitik</a> aktiv und bekräftigen die Erweiterungsperspektive. Das ist eine politische Entscheidung. Unklar bleibt, welche Sicherheitsarchitektur daraus entstehen soll.</p>
<p>Eine tragfähige europäische Ordnung kann weder gegen Russland noch über die Köpfe Osteuropas hinweg entworfen werden. Die Ukraine, <a class="bo-link" href="https://www.freitag.de/autoren/the-guardian/polen-schild-und-schwert-des-westlichen-vorpostens-im-osten" rel="noopener">Polen</a> und die baltischen Staaten formulieren eigene sicherheitspolitische Präferenzen. Ihre Integrationsentscheidungen sind Ausdruck souveräner Entscheidungen. Zugleich entsteht Stabilität in einem geteilten Raum nicht durch dauerhaften Ausschluss.</p>
<h2>Hegemonialkonflikte verlaufen durch Eigentumsverhältnisse, Lieferverträge – und Tankfüllungen</h2>
<p>Eine solche Ordnung müsste politisch verhandelt und institutionell abgesichert werden. Historisch war die <a class="bo-link" href="https://www.freitag.de/autoren/jan-opielka/die-grenzen-in-europa-sind-unverletzlich-verkuendet-die-ksze-schlussakte-1975" rel="noopener">KSZE</a> – später OSZE – der Versuch, rivalisierende Machtblöcke in ein Regelwerk einzubinden, das Konfrontation nicht aufhob, aber berechenbarer machte. Eine erneuerte europäische Sicherheitskonferenz, die territoriale Integrität, militärische Transparenz, Energieabhängigkeiten und wirtschaftliche Interdependenzen gemeinsam verhandelt, wäre kein Zeichen von Nachgiebigkeit, sondern Ausdruck strategischer Eigenständigkeit.</p>
<p>Ohne diese Perspektive bleibt Energiepolitik reaktiv. Sie verwaltet den Ausnahmezustand, statt Ordnung zu schaffen. Schwedt zeigt, dass Hegemonialkonflikte nicht nur an <a class="bo-link" href="https://www.freitag.de/autoren/velten-schaefer/was-passiert-an-der-ukraine-front-wie-man-mapping-und-clips-richtig-deutet" rel="noopener">Frontlinien</a> entschieden werden. Sie verlaufen durch Eigentumsverhältnisse, Lieferverträge und Tankfüllungen.</p>
<p>In Schwedt entscheidet sich nicht die Weltordnung. Aber man kann dort sehen, <a class="bo-link" href="https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/julian-nida-ruemelin-fuer-eine-neue-entspannungspolitik-in-der-multipolaren-welt" rel="noopener">wie sie funktioniert</a>.</p><p>The post <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/die-oelraffinerie-in-schwedt-zeigt-energiepolitik-in-brandenburg-ist-hegemonialpolitik/">Die Ölraffinerie in Schwedt zeigt, Energiepolitik in Brandenburg ist Hegemonialpolitik</a> first appeared on <a href="https://work-in-progress-journalisten.de">Journalistenbüro work in progress</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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