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	<title>Erneuerbare Energien | Journalistenbüro work in progress</title>
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	<description>Hier bloggen die freien Journalisten Jörn Boewe und Johannes Schulten</description>
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		<title>Windkraft ohne Wertschöpfung?</title>
		<link>https://work-in-progress-journalisten.de/windkraft-ohne-wertschoepfung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[work in progress]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Feb 2026 17:39:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Presse]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ostdeutschland produziert so viel Windstrom wie kaum eine Region – doch die Industrie bleibt aus. Zementiert die Energiewende alte Machtverhältnisse? Von Jörn Boewe, Ostdeutsche Allgemeine Zeitung, 24. Feb. 2026 Wer im Frühling durch Brandenburg fährt, sieht sie schon von Weitem: &#8230; <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/windkraft-ohne-wertschoepfung/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ostdeutschland produziert so viel Windstrom wie kaum eine Region – doch die Industrie bleibt aus. Zementiert die Energiewende alte Machtverhältnisse?</strong></p>
<p><a href="https://ostdeutscheallgemeine.com/article/warum-der-osten-kaum-von-der-stromindustrie-profitiert-und-was-markus-soeder-dafuer-kann-10020750" target="_blank" rel="noopener"><em>Von Jörn Boewe, Ostdeutsche Allgemeine Zeitung, 24. Feb. 2026</em></a></p>
<p>Wer im Frühling durch Brandenburg fährt, sieht sie schon von Weitem: die weißen Riesen, die über den Rapsfeldern kreisen wie eine neue Art von Landschaftstier. An der Ostseeküste stehen sie im Wasser, als hätten sie dort Wurzeln geschlagen. In Sachsen-Anhalt ziehen sich die Türme bis an den Horizont. Rotorblatt an Rotorblatt, Trasse an Trasse. Die Energiewende hat hier eine Adresse, eine Silhouette, eine Geräuschkulisse.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Der Osten Deutschlands ist längst eine der produktivsten Stromfabriken des Landes. Sachsen-Anhalt zählt zu den führenden Onshore-Standorten, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern speisen gewaltige Mengen Windstrom ins Netz. Die Kilowattstunden entstehen hier – zuverlässig, massenhaft, wetterabhängig – und doch im System beherrschbar.</p>
<p>Dennoch steht über diesen Landschaften eine Frage, die sich nicht wegdrehen lässt wie ein Rotor im Wind: Wo bleibt die neue Industrie?</p>
<p><span id="more-2231"></span></p>
<h2 class="text-black pt-4 text-[20px] leading-[30px] font-bold font-libreFranklin">Der ökonomische Aufbruch bleibt aus</h2>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Der Strom fließt. Aber er bleibt nicht. Er rauscht durch Umspannwerke und Hochspannungsleitungen Richtung Westen und Süden, in gewachsene Produktionscluster, in Chemieparks, Automobilwerke, Maschinenbauzentren. Dorthin, wo seit Jahrzehnten industrielle Wertschöpfung verdichtet ist – und wo stabile, einheitliche Strompreise gelten, unabhängig davon, ob vor der Haustür ein Windrad steht oder nicht. Zurück bleiben im Norden und Osten Pachteinnahmen für Landwirte, Wartungsverträge, Gewerbesteuer. Das ist nicht nichts. Aber es ist auch nicht die große industrielle Erzählung, die Regionen dauerhaft verändert.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Gleichzeitig trägt der Osten eine andere Last. Nach <a href="https://www.verivox.de/strom-gas/nachrichten/heizen-strom-autofahren-energiekosten-belasten-ostdeutsche-haushalte-besonders-stark-1120877/">Berechnungen des Vergleichsportals Verivox</a> lag die kaufkraftbereinigte Energiekostenbelastung ostdeutscher Haushalte im Jahr 2024 rund 22 Prozent über dem westdeutschen Niveau. Nicht, weil Stromtarife systematisch höher wären – die Unterschiede verlaufen eher zwischen Netzgebieten, entlang von Konzessionsabgaben und zwischen Stadt und Land. Entscheidend ist das Verhältnis: niedrigere Einkommen, ähnliche Energieausgaben. Die Kilowattstunde frisst im Osten einen größeren Teil des Budgets.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Das mag kein Skandal im eigentlichen Sinne des Wortes sein. Aber es ist ein politisches Gefühl. Eine Region produziert saubere Energie – und zahlt relativ mehr dafür. Sie sieht die Rotoren vor dem Küchenfenster und merkt doch wenig von einem ökonomischen Aufbruch.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Wind weht nicht dort, wo Industrie historisch gewachsen ist. Er weht an Küsten, über Ebenen, in dünn besiedelten Räumen. Die Energiewende verschiebt damit die Geografie der Erzeugung. Aber sie verschiebt nicht automatisch die Geografie der Wertschöpfung. Auf dem Strommarkt ist jede Kilowattstunde gleich – ortsunabhängig handelbar, einheitlich bepreist. Physikalisch stimmt das nur bedingt. Strom muss transportiert, Netze müssen verstärkt, Engpässe gemanagt werden. Doch das Marktdesign behandelt ihn wie ein homogenes Gut.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Für eine exportorientierte Volkswirtschaft ist das mehr als eine regionale Befindlichkeit. Energiepreise, Versorgungssicherheit, Netzstabilität – sie entscheiden über Wettbewerbsfähigkeit. Wenn die neue Energiegeografie nicht mit aktiver Industriepolitik gekoppelt wird, entsteht eine paradoxe Dynamik: Die Regionen, die den Umbau physisch tragen, bleiben ökonomisch schwächer. Die industriellen Kerne sichern ihre Vorteile. Die Transformation würde bestehende Strukturen zementieren, statt neue zu schaffen.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Deshalb flammt immer wieder die Debatte über getrennte Strompreiszonen auf. Günstigere Preise dort, wo viel erneuerbarer Strom produziert wird; höhere Preise in Verbrauchszentren. In anderen europäischen Ländern existieren solche Modelle. Regionale Preissignale können Knappheiten sichtbar machen und Investitionen lenken. Doch sie sind kein Zauberstab. Unternehmen kalkulieren über Jahrzehnte. Sie fragen nach Netzanschlüssen, Genehmigungsdauern, Fachkräften, Lieferketten, regulatorischer Verlässlichkeit. Ein Preisunterschied von wenigen Cent pro Kilowattstunde ersetzt keine funktionierende Infrastruktur.</p>
<h2 class="text-black pt-4 text-[20px] leading-[30px] font-bold font-libreFranklin">Bayern will 1.000 neue Windräder bauen bis 2030</h2>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Besonders deutlich wird die Asymmetrie im politischen Schlagabtausch. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) fordert regelmäßig günstige Energie für den Industriestandort – und stellte sich über Jahre gegen einen beschleunigten Ausbau der Windkraft im eigenen Bundesland. Strenge Abstandsregeln wie die 10H-Regel bremsten den Ausbau, während die Industrie von stabilen, einheitlichen Strompreisen profitierte. In dieser Konstellation wirkt Söder wie ein politischer Winddieb: nicht, weil er Strom stiehlt, sondern weil er von erneuerbarer Erzeugung anderswo profitiert, ohne vergleichbare Ausbauanstrengungen zu leisten.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Nun kündigt Bayern einen Kurswechsel an. Bis 2030 sollen bis zu 1.000 neue Windräder entstehen, Genehmigungen beschleunigt werden. Der späte Ausbauwille ist industriepolitisch rational: Wer wettbewerbsfähige Strompreise sichern will, kann sich eine dauerhafte Abhängigkeit vom Wind anderer Regionen nicht leisten. Doch selbst dieser Schwenk ändert nichts am strukturellen Kernproblem. Solange erneuerbare Energie vor allem über einheitliche Marktmechanismen verteilt wird, bleibt die Frage offen, wo Wertschöpfung tatsächlich entsteht – und wer am Ende vom Wind profitiert.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Am Markt ist Strom eine standardisierte Ware. Die eigentlichen Multiplikatoreffekte entstehen nicht im Windpark, sondern in der Fabrikhalle. Dort, wo Energie in chemische Prozesse, in Stahl, in Kunststoffe, in Rechenzentren, in neue Wertschöpfungsketten übersetzt wird. Eine Region, die Strom exportiert, bleibt Infrastrukturraum. Eine Region, die Strom in Produkte, Moleküle und industrielle Fertigung verwandelt, wird Produktionsraum.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Die strategische Frage lautet also: Wo entstehen aus erneuerbarer Energie industrielle Cluster?</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Ein Blick nach Zeitz in Sachsen-Anhalt zeigt, dass es mehr sein kann als Theorie. Dort betreibt ein Werk der Südzucker AG eine 10-Megawatt-Power-to-Heat-Anlage. Elektrischer Dampf ersetzt fossile Prozesswärme. Perspektivisch wird ein BioEnergyHub diskutiert – mit Biomasse, CO₂-Nutzung, weiterer Elektrifizierung. Hier wird Strom nicht nur eingespeist, sondern in industrielle Prozesse eingebettet. Der Wind bleibt nicht abstrakt, er wird zu Dampf, zu Produkt, zu Wertschöpfung.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Doch aus Gesprächen mit betrieblichen Akteuren wird klar: Die Technik ist selten das Hauptproblem. Turbinen, Elektrolyseure, Wärmepumpen – sie sind verfügbar. Die größere Hürde ist die Investitionslogik. Industrielle Anlagen werden über Jahrzehnte abgeschrieben. Elektrifizierung bedeutet Kapitalbindung, neue Lastprofile, oft höhere Anschlussleistungen. Unternehmen brauchen langfristige Netz- und Planungssicherheit. Transformation scheitert selten am Ingenieurwissen. Sie scheitert an Unsicherheit.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Für Hochtemperaturprozesse kommen Wasserstoff und Power-to-X-Verfahren ins Spiel – also die Umwandlung von Strom in synthetische Kraftstoffe oder chemische Grundstoffe. Die PCK-Raffinerie im brandenburgischen Schwedt steht exemplarisch für diese Weggabelung. In unmittelbarer Nähe großer Windregionen könnte aus einem fossilen Raffineriestandort eine Plattform für grünen Wasserstoff entstehen. Technologisch ist vieles möglich. Aber die entscheidende Frage lautet: Werden diese Technologien in regionale Produktionsketten eingebettet? Oder bleibt auch hier der Strom vor allem Durchgangsware?</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Windparks und Trassen sind sichtbare Zeichen der Transformation. Sie verändern Landschaften, Identitäten, Heimatbilder. Wenn jedoch die industrielle Wertschöpfung anderswo entsteht, entsteht eine Schieflage in der Wahrnehmung: Die Eingriffe sind lokal, die Gewinne verteilen sich überregional. Das ist kein Argument gegen Windkraft. Es ist ein Argument gegen eine blinde Marktgläubigkeit.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Die industrielle Transformation entscheidet sich nicht im Höchstspannungsnetz allein, sondern in den Mittel- und Niederspannungsnetzen vor Ort. Unternehmen, die elektrifizieren oder Elektrolyse einsetzen wollen, brauchen höhere Anschlussleistungen. Genau hier entstehen Verzögerungen. Genehmigungen ziehen sich, Netzverstärkungen fehlen, Kapazitäten sind ausgelastet.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Die Summen, um die es geht, sind enorm. Einer <a href="https://www.agora-energiewende.de/aktuelles/wie-die-milliardenluecke-beim-ausbau-von-strom-und-waermenetzen-geschlossen-werden-kann?">Untersuchung</a> zufolge beläuft sich der Investitionsbedarf für Strom- und Wärmenetze bis 2045 auf rund 627 Milliarden Euro. Ein erheblicher Teil entfällt auf Verteilnetze in der Fläche – also genau dort, wo neue industrielle Verbraucher entstehen könnten. Gleichzeitig tragen die Kommunen eine Rekordverschuldung von rund 171 Milliarden Euro. Bis 2035 wird zusätzliches Eigenkapital von rund 68 Milliarden Euro benötigt.</p>
<h2 class="text-black pt-4 text-[20px] leading-[30px] font-bold font-libreFranklin">Windenergie ist ein Standortvorteil – eigentlich</h2>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Während über große Nord-Süd-Trassen gestritten wird, bleibt die Ebene unterfinanziert, auf der sich entscheidet, ob ein Mittelständler seine Produktion elektrifizieren kann oder nicht. Verzögerte Netzanschlüsse bedeuten verschobene Investitionen – und verschobene Arbeitsplätze. Infrastrukturtempo ist Industriepolitik in Beton und Kupfer gegossen.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Wenn kommunale Netzbetreiber die nötigen Investitionen nicht stemmen können, entsteht kein verlässliches Umfeld für energieintensive Zukunftsbranchen. Wer industrielle Elektrifizierung will, muss die öffentliche Investitionsfähigkeit in der Fläche stärken – durch Kapitalzuführungen, Kreditgarantien oder neue Finanzierungsinstrumente. Sonst bleibt die Energiewende eine beeindruckende Kulisse ohne ökonomischen Kern.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Für die Lausitz, für Brandenburg, für Sachsen-Anhalt, für die Küstenregionen stellt sich damit eine Richtungsfrage. Wollen sie Energie liefern – oder industrielle Cluster rund um elektrische Produktion und grüne Moleküle entwickeln? Die geografische Konzentration erneuerbarer Erzeugung ist kein Nachteil. Sie ist ein Standortfaktor. Aber nur, wenn Politik ihn aktiv nutzt.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Industriepolitik heißt dabei nicht, einzelne Gewinner auszuwählen oder Subventionen auf Dauer zu stellen. Es heißt, Energieinfrastruktur, Kapitalzugang und Ansiedlungsstrategie strategisch zu verzahnen. Es heißt, aus Wind nicht nur Strom zu machen, sondern Struktur.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Sonst bleibt ein Bild, das schwer auszuhalten ist: Offshore-Anlagen vor der Ostsee, Windparks in Sachsen-Anhalt, Leitungen durch Brandenburg – und industrielle Wertschöpfung anderswo. Die Energiewende ist gestaltbar. Als reines Marktprojekt verwaltet sie Infrastruktur. Als Industrieprojekt verschiebt sie wirtschaftliche Kräfteverhältnisse.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Ob der Nordosten Infrastrukturraum bleibt oder zum industriellen Zentrum einer elektrifizierten Produktion wird, entscheidet sich nicht im Windpark. Es entscheidet sich in Investitionsplänen, Netzanschlüssen, politischen Prioritäten. Und letztlich in der Antwort auf eine einfache Frage: Wem soll die neue Energie dienen – und wer darf sie nicht nur nutzen, sondern auch in Wertschöpfung verwandeln, statt dauerhaft vom Wind anderer zu leben?</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Rückenwind für Mitbestimmung</title>
		<link>https://work-in-progress-journalisten.de/rueckenwind-fuer-mitbestimmung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 Mar 2015 07:39:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Presse]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Enercon wollte einem Betriebsratsvorsitzenden kündigen, weil er sich für Leiharbeiter eingesetzt hat. Dafür gab es jetzt vom Arbeitsgericht Magdeburg eine Abfuhr. Eine wichtige Etappe im Kampf um gewerkschaftliche Strukturen in Deutschlands Windenergiebranche Von Jörn Boewe und Johannes Schulten, Magazin MItbestimmung, &#8230; <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/rueckenwind-fuer-mitbestimmung/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="TextEditor">
<p><strong>Enercon wollte einem Betriebsratsvorsitzenden kündigen, weil er sich für Leiharbeiter eingesetzt hat. Dafür gab es jetzt vom Arbeitsgericht Magdeburg eine Abfuhr. Eine wichtige Etappe im Kampf um gewerkschaftliche Strukturen in Deutschlands Windenergiebranche</strong></p>
<p><a href="http://boeckler.de/53514_53557.htm" target="_blank"><em>Von Jörn Boewe und Johannes Schulten, Magazin MItbestimmung, 03/2015</em></a></p>
<p><a href="http://work-in-progress-journalisten.de/workinprogress/wp-content/uploads/2015/03/nils2013.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-653" src="http://work-in-progress-journalisten.de/workinprogress/wp-content/uploads/2015/03/nils2013.jpg" alt="nils2013" width="4608" height="3072" srcset="https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2015/03/nils2013.jpg 4608w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2015/03/nils2013-300x200.jpg 300w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2015/03/nils2013-1024x683.jpg 1024w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2015/03/nils2013-450x300.jpg 450w" sizes="(max-width: 4608px) 100vw, 4608px" /></a>Es war ein langer Kampf. Ein Dreivierteljahr lang musste sich Nils-Holger Böttger gegen den Versuch seines Arbeitgebers wehren, ihm zu kündigen, ihn als Betriebsratsvorsitzenden abzusetzen und aus dem Betrieb zu drängen. Aber Böttger ist Ausdauersportler, Triathlet, er kann durchhalten. „Jetzt“, sagt der hochgewachsene Windkraftanlagenmonteur nach der Urteilsverkündung, „haben wir es endlich schriftlich, dass die deutschen Gesetze auch in der Windkraftbranche gelten.“<span id="more-646"></span><br />
Böttger ist Betriebsratsvorsitzender der Windenergieanlagen Service GmbH Ost, einer von Hunderten Tochterfirmen von Deutschlands größtem Windkraftanlagenbauer Enercon. Weil er sich für die Rechte von Leiharbeitern einsetzte, hatte ihm Enercon im Juni 2014 gekündigt. Am 11. Februar erklärte das Arbeitsgericht Magdeburg die Kündigung für unwirksam.</p>
<p>Böttger hatte darauf gedrungen, dass Leiharbeiter eine vorgeschriebene Sicherheitsschulung regulär als Arbeitszeit bezahlt bekommen – eine Selbstverständlichkeit, sollte man meinen. Nicht so bei Enercon: Nach dem Willen von Verleihfirma und Auftraggeber sollten sie den Lehrgang unentgeltlich am Wochenende absolvieren. Böttger intervenierte bei seinem Arbeitgeber, sprach mit der Leiharbeitsfirma – umsonst. Nachdem er die Belegschaft in einer Rundmail über den Vorgang informierte, erhielt er den blauen Brief. Begründung: Böttger habe seine Kompetenzen überschritten und sich geschäftsschädigend verhalten. Weil das Betriebsratsgremium die Zustimmung zur Kündigung geschlossen verweigerte, zog Enercon vor das Arbeitsgericht Magdeburg. Das wies den Windkraftanlagenbauer jetzt in die Schranken.</p>
<p>„Das Gericht hat klargemacht, dass die Meinungsfreiheit ein Grundrecht ist, das nicht am Betriebstor endet“, kommentiert Daniel Weidmann, einer der beiden Rechtsanwälte Böttgers, die Entscheidung. Anfang März hat die Enercon-Geschäftsführung den Richterspruch akzeptiert, und erklärt, keine Revision anzustreben.</p>
<p><strong>DER WIND HAT SICH GEDREHT</strong></p>
<p>Keine Frage: Enercon hat Pionierarbeit geleistet für die Energiewende und die Zukunftsbranche Windkraftindustrie insgesamt. Was den Respekt gegenüber Arbeitnehmerrechten betrifft, herrschen im Unternehmen jedoch eher vordemokratische Zustände. Betriebsräte gab es bis Ende 2013 nur vereinzelt in wenigen Tochterunternehmen, Tarifverträge sind unbekannt. Seit den späten 90ern gibt es immer wieder Berichte über Anfeindungen gegen gewerkschaftlich engagierte Mitarbeiter und Betriebsräte bis hin zu Kündigungen. Das Unternehmen gehört keinem Arbeitgeberverband an, und trotz seines wirtschaftlichen Erfolgs zahlt es deutlich unter Tarifniveau.</p>
<p><a href="http://work-in-progress-journalisten.de/workinprogress/wp-content/uploads/2015/03/MD1.jpg"><img decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-648" src="http://work-in-progress-journalisten.de/workinprogress/wp-content/uploads/2015/03/MD1.jpg" alt="MD1" width="3888" height="2592" srcset="https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2015/03/MD1.jpg 3888w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2015/03/MD1-300x200.jpg 300w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2015/03/MD1-1024x683.jpg 1024w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2015/03/MD1-450x300.jpg 450w" sizes="(max-width: 3888px) 100vw, 3888px" /></a>Seit etwa zwei Jahren wenden sich Enercon-Beschäftigte aus dem ganzen Bundesgebiet verstärkt an die IG Metall und bitten um Unterstützung bei der Gründung von Betriebsräten. Die Gewerkschaft begann im Herbst 2013, mit einer groß angelegten Organizing-Kampagne die Wahl von Betriebsräten in verschiedenen Enercon-Tochtergesellschaften einzuleiten und zu unterstützen. Bis einschließlich August 2014 wurden 14 Betriebsratsgremien neu gewählt.</p>
<p><a href="http://work-in-progress-journalisten.de/workinprogress/wp-content/uploads/2015/03/GZO.jpg"><img decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-650" src="http://work-in-progress-journalisten.de/workinprogress/wp-content/uploads/2015/03/GZO.jpg" alt="GZO" width="4608" height="3072" srcset="https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2015/03/GZO.jpg 4608w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2015/03/GZO-300x200.jpg 300w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2015/03/GZO-1024x683.jpg 1024w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2015/03/GZO-450x300.jpg 450w" sizes="(max-width: 4608px) 100vw, 4608px" /></a>Seither ist das Klima im Unternehmen noch rauer geworden. Die meisten der neu gewählten Betriebsräte stehen unter erheblichem Druck. Gewerkschaftlich engagierte Kollegen werden abgemahnt und eingeschüchtert. In der Enercon-Tochter Gusszentrum Ostfriesland in Georgsheil bei Aurich wurden gleich zehn von zwölf Kandidaten der IG-Metall-nahen Betriebsratsliste strafversetzt. Für die Kollegen bedeutet das eine Herabstufung mit finanziellen Einbußen. Seit Januar müssen sie mit dem Schneidbrenner vor der Halle arbeiten – bei Wind und Wetter. Um sie herum wurde ein „Sichtschutz“ errichtet, der sie vom Rest der Belegschaft abtrennt. „Wir sind da völlig isoliert“, berichtet ein Betroffener.</p>
<p><strong>WER IST ENERCON?</strong></p>
<p>Warum fährt das Unternehmen diesen gewerkschafts- und mitbestimmungsfeindlichen Kurs? Die Entwicklung des Windkraftanlagenbauers Enercon ist eine Erfolgsgeschichte. Sie begann 1984 in einer Garage im Auricher Stadtteil Extum. Zusammen mit zwei Gleichgesinnten konstruierte der Ingenieur Aloys Wobben damals seine ersten Windräder mit Elektrogeneratoren. Heute ist Enercon Marktführer in Deutschland, gehört international zu den drei wichtigsten Windkraftanlagenbauern. Weltweit beschäftigt das Unternehmen rund 13 000 Mitarbeiter, davon 11 000 in Deutschland. Produziert wird vor allem in Aurich und Magdeburg. Wobben, der einstige Garagenunternehmer, ist mittlerweile im Ruhestand und mit einem geschätzten Privatvermögen von 5,6 Milliarden Euro der reichste Mann Niedersachsens.</p>
<p>Mehrere Hundert Firmen weltweit gehören zur Enercon-Gruppe, den Kern bilden rund 45 GmbHs in Deutschland, die alle formal unabhängig und über verschiedene Holdings verflochten sind. Die meisten haben weniger als 500 Beschäftigte und müssen deshalb weder Aufsichtsräte bilden noch unterliegen sie der Unternehmensmitbestimmung. Alleiniger Gesellschafter des Gesamtkonstrukts ist laut Selbstdarstellung des Unternehmens die Aloys-Wobben-Stiftung, in die der Firmengründer seine Anteile eingebracht hat.</p>
<p>Vielleicht ist die elitär-arrogante Haltung, die die Unternehmensleitung zur Schau stellt, ein Erbteil des alten Wobben, der vielen als eigenbrötlerischer Tüftler galt, der sich von niemandem hineinreden lassen wollte. „Enercon ist ja erst seit zehn Jahren ein Weltunternehmen, vorher war alles überschaubar“, erzählt Helge Mannott, 27, der bis 2012 als technischer Angestellter bei Enercon Service Deutschland in Aurich gearbeitet hat. „Wobben hat eine ganze Generation von Mitarbeitern geprägt, die jetzt in mittleren und hohen Führungspositionen sitzen.“ Das mittlere Management bei Enercon besteht fast vollständig aus Leuten der ersten Stunde. Viele Abteilungsleiter haben als Facharbeiter angefangen und sind der Firma zutiefst verpflichtet.</p>
<p><strong>DIE BRANCHE IM FOKUS</strong></p>
<p>Daran hat sich bis heute wenig geändert. Nur lassen es sich die Beschäftigten nicht mehr so einfach gefallen. Die Zeiten, in denen es ausreichte, ein paar versprengte Gewerkschafter herauszuwerfen, um den Laden wieder unter Kontrolle zu bringen, sind definitiv vorbei. Auch deshalb markiert das Verfahren vor dem Arbeitsgericht einen Wendepunkt. Wer die Augen aufgemacht hat, konnte zur Verhandlungseröffnung am 21. Januar in Magdeburg eine beeindruckende Demonstration von „Enerconisten“ unter den Fahnen der IG Metall erleben. Gut 200 Beschäftigte aus etlichen Tochterfirmen hatten sich vor dem Justizgebäude versammelt, um ihrem bedrohten Kollegen den Rücken zu stärken – überwiegend Betriebsräte, die 2013 und 2014 gewählt wurden. In ihren Redebeiträgen, auf ihren Transparenten, in ihrem ganzen Auftreten wurde deutlich: Das sind nicht mehr dieselben Leute wie vor ein, zwei Jahren.<br />
<a href="http://work-in-progress-journalisten.de/workinprogress/wp-content/uploads/2015/03/16338095091_781bcc9a00_o.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-651" src="http://work-in-progress-journalisten.de/workinprogress/wp-content/uploads/2015/03/16338095091_781bcc9a00_o.jpg" alt="16338095091_781bcc9a00_o" width="3888" height="2592" srcset="https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2015/03/16338095091_781bcc9a00_o.jpg 3888w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2015/03/16338095091_781bcc9a00_o-300x200.jpg 300w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2015/03/16338095091_781bcc9a00_o-1024x683.jpg 1024w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2015/03/16338095091_781bcc9a00_o-450x300.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 3888px) 100vw, 3888px" /></a>Für die IG Metall ist Enercon von strategischer Bedeutung, weiß IG-Metall-Vorstand Irene Schulz, die zuständig ist für den Fachbereich Mitglieder und Erschließung. Mittelfristig geht es darum, in der Branche Tarifverträge durchzusetzen, damit Entgelte sowie Arbeits- und Leistungsbedingungen sich verbessern und zugleich ein Rahmen für faire Wettbewerbsbedingungen in der Windkraftindustrie insgesamt etabliert wird. „Deshalb fordere ich Enercon auf, mit uns in den Dialog einzutreten, anstatt auf Abgrenzung zu setzen“, betont Schulz. Bekommt man jetzt beim Marktführer nicht den Fuß in die Tür, droht der deutsche Windkraftanlagenbau auf Jahre hinaus eine weitgehend deregulierte Branche zu bleiben.</p>
<p><strong>ÖFFENTLICHE FÖRDERMITTEL KÜNFTIG ALS HEBEL?</strong></p>
<p>Auch die Politik trägt eine Mitverantwortung dafür, dass die Geschäftsführung sich bislang wenig um Betriebsverfassungsgesetz und soziale Verantwortung schert. Enercon wäre heute kein erfolgreicher internationaler Konzern und Firmengründer Wobben nicht auf Platz 16 der Liste der reichsten Deutschen, wenn der Staat nicht den Markt für Windkraftanlagen geschaffen hätte. Dies beginnt bei der EEG-Umlage, jener Kostenbeteiligung, die die große Masse der Stromkunden zahlt, um den Preis für grünen Strom zu stützen, und hört bei Investitionszuschüssen, günstigen Finanzierungen für Windparks und Bürgschaften der öffentlichen Hand noch lange nicht auf. In Sachsen-Anhalt wurden nach Auskunft der Landesregierung seit der Jahrtausendwende Investitionen in die Windenergie mit mindestens 14 Millionen Euro gefördert. Größter Produzent im Land ist mit Abstand Enercon mit rund 5000 Beschäftigten in Magdeburg. Dass das Unternehmen Gewerkschaftsrechte und Betriebsverfassung missachtet, spielte bei der Vergabe öffentlicher Fördermittel bislang keine Rolle.</p>
<p>Einer, der das ändern will, ist DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell. Er sitzt im Verwaltungsrat der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Die staatliche Bankengruppe ist einer der wichtigsten Finanziers für das expandierende Auslandsgeschäft von Enercon. Die KfW-Tochter IPEX gewährt in großem Stil Darlehen für die Finanzierung von Windparks – zuletzt einen 65-Millionen-Euro-Kredit für den kanadischen „Vents du Kempt“ im vergangenen Jahr.</p>
<p>Für Körzell ist es „mehr als bedenklich, wenn ein weltbekanntes Unternehmen, das offensichtlich gegen Mitbestimmungsrechte verstößt, von Förderinstrumenten der KfW-Gruppe profitiert“. Eigentlich verfügt die KfW mit ihren Ethikrichtlinien über klare Bedingungen für Kreditvergaben. Doch kommen diese nur bei Förderungen außerhalb der OECD zum Einsatz. Körzell will sich nun im Verwaltungsrat dafür einsetzen, auch innerhalb Deutschlands die Einhaltung von Mitbestimmungsrechten zu einer Bedingung von Kreditvergaben zu machen.</p>
<p>Dabei geht es ihm nicht nur um Enercon. „Auch der Ruf der KfW ist in Gefahr“, so Körzell. Die Bankengruppe hat sich in der Vergangenheit sehr um ein nachhaltiges Image bemüht. Die Zusammenarbeit mit Windenergieunternehmen wie Enercon passt da gut ins Bild. In der Herbst-Winter-Ausgabe des KfW-Hausmagazins „Chancen“ posierte ein Enercon-Regionalleiter auf dem Titelblatt. Für Körzell macht sich die KfW damit „vollkommen unglaubwürdig“. Denn: „Nachhaltigkeit bedeutet auch Innovation und Beteiligung der Mitarbeiter. Das ist mehr, als einfach Windkraftwerke zu finanzieren.“ In die gleiche Richtung diskutiert man mittlerweile in Magdeburg: SPD und Linke im Landtag wollen die Vergabe von Fördermitteln künftig an die Akzeptanz von Betriebsräten knüpfen.</p>
<p><strong>ERFOLGVERSPRECHENDE BEHARRLICHKEIT</strong></p>
<p>Die „Enerconisten“ wissen, dass sie einen wichtigen Beitrag zur Energiewende des Industriestaats Deutschland leisten. Die meisten würden wohl dem Monteur Kai Hofmann, Betriebsratsvorsitzender der WEA Service Süd/Ost GmbH, zustimmen, wenn er sagt: „Ich arbeite gern bei Enercon und würde meinen Arbeitsplatz nicht eintauschen.“ Diese Mitarbeiter sind Enercons wichtigstes Kapital. Sie sind motiviert, hoch qualifiziert und wissen, was sie tun. Sie wollen in ihrem Unternehmen beteiligt werden, denn, wie es Hofmann ausdrückt: „Jetzt ist die Zeit reif für Mitbestimmung. Wir sind keine Garagenfirma mehr, wir sind ein global agierendes Unternehmen.“</p>
<p>Und so versuchen die IG-Metaller, der Unternehmensleitung klarzumachen, dass ein Kursschwenk hin zu einer Kultur der Mitbestimmung nicht zuletzt für das Unternehmen selbst eine kluge Entscheidung wäre. Enercon könnte „zeigen, was Federführung heißt, wenn es darum geht, wirtschaftlichen Erfolg mit sozialer Verantwortung und Innovation zu verbinden“, sagt IG-Metall-Vorstand Irene Schulz. „Erfolgreiche Mitbestimmung für beide Seiten ist möglich. Das stellen Arbeitgeberverbände und IG Metall, das stellen Betriebsräte und Geschäftsführungen in der Metall- und Elektroindustrie täglich unter Beweis.“ Aber klar ist auch: Ohne Druck bewegt sich gar nichts. Der Windkraftanlagenbauer wird seine Haltung zu Mitbestimmung und Gewerkschaften nur ändern, wenn eine organisierte Belegschaft für ihre Interessen einsteht.</p>
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		<title>Die Wende schaffen</title>
		<link>https://work-in-progress-journalisten.de/die-wende-schaffen/</link>
		
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		<pubDate>Fri, 01 Aug 2014 11:03:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>&#8222;Die Wende schaffen&#8220; ist der Titel unserer am Mittwoch in der taz veröffentlichten Geschichte über den Berliner Ökoaktivisten Hartwig Berger. Berger, ein  Urgestein der Berliner Alternativen Liste, unterstützt in diesen Tagen unter der unglaublich heißen andalusischen Sonne gemeinsam mit seiner &#8230; <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/die-wende-schaffen/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>&#8222;Die Wende schaffen&#8220; ist der Titel unserer am Mittwoch in der <a href="http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=bt&amp;dig=2014%2F07%2F30%2Fa0132&amp;cHash=647a21aa7f7f272db407aded8927e5d" target="_blank"><i>taz</i></a> veröffentlichten Geschichte über den Berliner Ökoaktivisten Hartwig Berger. Berger, ein  Urgestein der Berliner Alternativen Liste, unterstützt in diesen Tagen unter der unglaublich heißen andalusischen Sonne gemeinsam mit seiner Kollegin Elisabeth Herrera eine kleine Landgemeinde in der Nähe von Cádiz beim Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit. Junge Leute sollen einkommensschwache Haushalte und Kleinbetriebe beraten, wie sie mit teurer Energie effizienter umgehen können, denn: &#8222;Energiearmut ist hier ein Riesenproblem&#8220;, sagt Berger.<span id="more-196"></span></p>
<p>Eine kleine Überraschung für uns: Bergers wichtigste Verbündete für sein Projekt sind &#8211; neben der Gemeinde und der Gewerkschaft Comisiones Obreras (CCOO) &#8211; die Leute vom Movimiento 15-M und der neuen Linkspartei Podemos. &#8222;Die Podemos-Leute wissen, worum es geht&#8220;, sagt der Berliner. Nach der ersten Verwunderung fanden wir die Allianz im Grunde völlig logisch. Und vielleicht kann Bergers Plan genau deshalb aufgehen. &#8222;Die jungen Leute, mit denen er sein Vorhaben umsetzt&#8220;, schreiben wir in der <i>taz</i>, &#8222;sind die Nachkommen jener anarchistischen Campesinos, mit denen der junge FU-Soziologe Anfang der 70er Jahre Freundschaft schloss, als die Franco-Diktatur in Agonie lag und das Land vor einem rasanten Modernisierungssprung stand, den sich damals noch niemand ausmalen konnte. Ihre Großeltern haben eine Niederlage erlitten, aber die Enkel sind motiviert, gut ausgebildet und haben Pläne. Es sind kleine Pläne im Moment. Aber sie wissen, worum es geht.&#8220;</p>
<p><a href="https://www.dropbox.com/s/we1odz05ba5ubc9/30jul2014-taz.pdf" target="_blank"><i>&gt;&gt;&gt; Artikel als pdf &gt;&gt;&gt; </i></a></p>
<p><i><a href="http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=bt&amp;dig=2014%2F07%2F30%2Fa0132&amp;cHash=647a21aa7f7f272db407aded8927e5d" target="_blank">&gt;&gt;&gt; als Online-Artikel auf taz.de &gt;&gt;&gt;</a> </i></p>
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		<title>Iván hat noch Glück gehabt</title>
		<link>https://work-in-progress-journalisten.de/ivan-hat-noch-glueck-gehabt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Jun 2014 13:09:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Presse]]></category>
		<category><![CDATA[Erneuerbare Energien]]></category>
		<category><![CDATA[Reportage]]></category>
		<category><![CDATA[Solarindustrie]]></category>
		<category><![CDATA[Spanien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Viele junge Leute aus EU-Krisenstaaten wollten in Deutschland einen Beruf erlernen. Doch das Förderprogramm „MobiPro-EU“ zog auch windige Geschäftemacher an. Wo es funktionierte, lag das vor allem am Einsatz engagierter Menschen Von Jörn Boewe und Johannes Schulten, ver.di publik 04/2014 &#8230; <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/ivan-hat-noch-glueck-gehabt/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Viele junge Leute aus EU-Krisenstaaten wollten in Deutschland einen Beruf erlernen. Doch das Förderprogramm „MobiPro-EU“ zog auch windige Geschäftemacher an. Wo es funktionierte, lag das vor allem am Einsatz engagierter Menschen</b></p>
<p><i>Von Jörn Boewe und Johannes Schulten, ver.di publik 04/2014</i></p>
<p>Früh um sieben kommt Iván P. in die Werkstatt in Berlin-Tegel, zieht seinen Overall an, fährt zur Baustelle und montiert Heizungen und Rohre. Um 16 Uhr haben seine Kollegen Feierabend, für den 22-jährigen Spanier gibt es dann nur eine kurze Pause. Von 17 bis 21 Uhr sitzt er in der Volkshochschule und lernt deutsche Grammatik und Vokabeln. 3 000 Kilometer von zu Hause entfernt macht er eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik.<br /><a name='more'></a><br />„Es ist schwer, in Spanien Arbeit zu finden“, sagt Iván. In seinem Heimatort Paterna de Rivera in Südwest-Andalusien liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei 75 Prozent. Im Rathaus erfuhr er, dass deutsche Unternehmen Auszubildende suchen und die Regierung in Berlin die Reisekosten, den Sprachkurs und einen Zuschuss zum Lebensunterhalt finanziert. Im Oktober 2013 brach er auf, gemeinsam mit 14 anderen jungen Leuten aus seinem Dorf. Nach einem Praktikum begann er im Februar dieses Jahres mit der Berufsausbildung.</p>
<p><b>Ministerium vom Andrang überwältigt</b></p>
<p>„MobiPro-EU“ heißt das Programm, mit dem Iván und seine Freunde nach Deutschland kamen. Im Februar 2013 wurde es unter der damaligen Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen, CDU, aufgenommen. Jungen Leuten aus EU-Krisenstaaten sollte eine Berufsausbildung in Deutschland ermöglicht werden – in „Mangel- und Engpassberufen“, wie es offiziell hieß. Doch nun, nach 14 Monaten, ist schon wieder Schluss, jedenfalls fürs Erste: „Seit dem 8. April 2014 werden keine neuen Anträge mehr für das Jahr 2014 angenommen“, heißt es auf der Internetseite www.the-jobofmylife.de.</p>
<p>Beim Ministerium und der zuständigen Behörde, der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit (ZAV), heftet man sich den Abbruch als Erfolg ans Revers. Das überwältigende Interesse zeige doch, dass man richtig lag, heißt es. Von Februar bis Dezember 2013 hatten 4 000 junge Menschen Anträge gestellt, allein in den ersten drei Monaten 2014 bewarben sich 5 000. „Das war viel mehr, als zu erwarten war“, sagt ZAV-Sprecherin Beate Raabe.</p>
<p>Über dieses Erstaunen kann man sich wundern, wie über einiges an dem Programm. Obwohl die meisten Interessierten aus Spanien und Portugal kommen, gibt es die Internetseite nur in Deutsch und Englisch. Und offenbar hatte niemand daran gedacht, dass man junge Ausbildungswillige, die als Fremde in unser Land kommen, bei der Wohnungssuche unterstützen müsste.</p>
<p>Doch Iván P. hatte Glück: „Compañero Thomas“, erzählt er, der Betriebsratsvorsitzende seines Ausbildungsbetriebs, half ihm bei der Suche. Zusammen mit zwei anderen jungen Männern aus seinem Dorf wohnt Iván jetzt in einer Wohngemeinschaft. Von den 15, die sie am Anfang waren, sind nur noch sieben übriggeblieben. Die anderen fanden in Berlin keine Wohnung zu einer erschwinglichen Miete.</p>
<p><b>Teure Baracken</b></p>
<p>Andere Ausbildungswillige gerieten an windige Geschäftemacher. In Rostock wandten sich Ende Februar zwei Dutzend junge Leute aus Spanien und Osteuropa an die IHK und Arbeitsagentur. Ihr Bildungsträger kassiere zwar das Fördergeld, schrieben sie, doch Unterricht und Vermittlung seien schlecht. Untergebracht waren sie zu sechst in düsteren, kaum beheizbaren Räumen. Für einen Schlafplatz im Doppelstockbett hatte man ihnen 362 Euro monatlich abgenommen. „Das war nur eine Baracke, das hat mich auf die Palme gebracht“, sagt Rostocks IHK-Präsident Claus Madsen, der selbst vor 20 Jahren als junger Mann „nur mit einem Koffer in der Hand“ aus Dänemark nach Deutschland gekommen ist.</p>
<p>Oder in Thüringen: Dort hatten sich Anfang Oktober drei junge Spanier an das „Welcome Center Thuringia“ in Erfurt gewandt, eine gerade erst von der Landesregierung gegründete Anlaufstelle für Migranten. Auch sie waren mit der Aussicht auf Ausbildungsplätze angeworben worden. 500, höchstens 1 000 Euro müssten sie mitbringen, dann würden die Zuschüsse aus „MobiPro“ fließen, hatte man ihnen versprochen. Jetzt arbeiteten sie als Praktikanten bei einer Gartenbaufirma, Ausbildungsplätze und Förderung waren nicht in Sicht. Untergebracht hatte man sie „in Baracken und mit relativ hohen Mietkosten“, wie sich Andreas Knuhr, der Leiter des Welcome Centers, erinnert. Die drei blieben nicht die einzigen. „Schließlich standen wir mit 128 Spanierinnen und Spaniern da.“</p>
<p><b>Ein Geschäft für private Anbieter</b></p>
<p>Von einem Riesengeschäft für private Anbieter spricht ein Insider. Arbeitsvermittler, gut vernetzt mit Bildungsträgern, warben Jugendliche im Ausland an, immer mit dem Hinweis auf das bald fließende Fördergeld. Dann wurde kassiert: 600 Euro Reisekostenpauschale, 2 000 Euro für den Sprachkurs, überhöhte Mieten für billige Absteigen, 1 200 Euro Vermittlungsgebühren von den Ausbildungsbetrieben und nochmal Prozente von den Azubis. Kontrolliert hat niemand. „Wenn jemand einen Vertrag mit einem privaten Anbieter<br />schließt, haben wir damit nichts zu tun“, sagt ZAV-Sprecherin Raabe. Seit 2002 brauchen private Arbeitsvermittler keine behördliche Erlaubnis mehr, um tätig zu werden, erfährt man bei der Arbeitsagentur in Nürnberg. Beim Ministerium gibt es keine Pläne, das zu ändern.</p>
<p>Wo das Programm funktionierte, war das oft dem Engagement beherzter Menschen zu verdanken: Andreas Knuhr und seinem Team, die in Erfurt unbürokratisch Überbrückungsgeld auszahlten, dem dänischem Einwanderer Madsen, der sich in Rostock dahinterklemmte, anständige Ausbildungsplätze für die Jugendlichen zu finden, und „Compañero Thomas“, der Iván und seinen Freunden Carlos und Antonio in Berlin eine Wohnung besorgte.</p>
<p>Iván P. wälzt in der Berufsschule indessen Fachbücher über Klimatechnik. Was er in Berlin lernt, könnte er in Andalusien gut gebrauchen, wo zwar weniger geheizt wird als hier, dafür aber umso mehr gekühlt. Voraussetzung ist, dass die spanische Wirtschaft sich erholt. „Ich könnte mir aber auch vorstellen hierzubleiben“, sagt Iván. Seine Freundin aus Paterna würde gern nach Berlin kommen und eine Lehre in einer Bäckerei beginnen. Einen Antrag bei „MobiPro“ hat sie gestellt, glücklicherweise noch vor dem Förderstopp am 8. April. „Wir hoffen, dass es klappt“, sagt Iván. Alle förderfähigen Anträge, die vor diesem Termin gestellt wurden, würden wahrscheinlich bewilligt, heißt es aus dem Ministerium.</p><p>The post <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/ivan-hat-noch-glueck-gehabt/">Iván hat noch Glück gehabt</a> first appeared on <a href="https://work-in-progress-journalisten.de">Journalistenbüro work in progress</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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