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	<title>junge Welt | Journalistenbüro work in progress</title>
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	<description>Hier bloggen die freien Journalisten Jörn Boewe und Johannes Schulten</description>
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		<title>Eine &#8222;Think-Bank&#8220; für unsere ehemalige gewerkschaftliche Jugendbildungsstätte Berlin-Konradshöhe</title>
		<link>https://work-in-progress-journalisten.de/eine-think-bank-fuer-unsere-ehemalige-gewerkschaftliche-jugendbildungsstaette-berlin-konradshoehe/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[work in progress]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 18 Jun 2023 08:51:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Notizbuch]]></category>
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					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><iframe style="border: none; overflow: hidden;" src="https://www.facebook.com/plugins/post.php?href=https%3A%2F%2Fwww.facebook.com%2FRETTETKonradshoehe%2Fposts%2Fpfbid0YkZYm4QTkpBbhEMku6YfJbMLm62XZ6ctp49npZQg85yDjGLZDqu2pYyx1nCv4hDYl&amp;show_text=true&amp;width=500" width="500" height="781" frameborder="0" scrolling="no" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></p><p>The post <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/eine-think-bank-fuer-unsere-ehemalige-gewerkschaftliche-jugendbildungsstaette-berlin-konradshoehe/">Eine „Think-Bank“ für unsere ehemalige gewerkschaftliche Jugendbildungsstätte Berlin-Konradshöhe</a> first appeared on <a href="https://work-in-progress-journalisten.de">Journalistenbüro work in progress</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
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		<title>Aus Erfahrung klüger</title>
		<link>https://work-in-progress-journalisten.de/aus-erfahrung-klueger/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Johannes]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Aug 2018 10:15:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[our 2 cents]]></category>
		<category><![CDATA[Gewerkschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>&#8222;Die IG Metall macht keine halben Sachen. Und sie lernt aus Erfahrungen. Das zeigt das Buch »Aufrecht gehen«, in dem die ersten drei Jahre des »Gemeinsamen Erschließungsprojekts« (GEP) in Baden-Württemberg ausgewertet werden. (&#8230;) Mit dem im VSA-Verlag erschienenen Buch wird &#8230; <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/aus-erfahrung-klueger/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div id="js_3tb" class="_5pbx userContent _3576" data-ft="{&quot;tn&quot;:&quot;K&quot;}">
<p>&#8222;Die IG Metall macht keine halben Sachen. Und sie lernt aus Erfahrungen. Das zeigt das Buch »Aufrecht gehen«, in dem die ersten drei Jahre des »Gemeinsamen Erschließungsprojekts« (GEP) in Baden-Württemberg ausgewertet werden. (&#8230;)</p>
<p>Mit dem im VSA-Verlag erschienenen Buch wird eine erste Zwischenbilanz gezogen. Und das auf eine Art, die interessanter ist als in gewerkschaftlichen Publikationen oft üblich. Besonders die Reportagen aus zehn Betrieben, vom Daimler-Werk bis zu einem der Holzverarbeitung, geben einen guten Einblick in die konkreten Erfahrungen.&#8220;</p>
<p>Daniel Behruzi bespricht in der <em><a href="https://www.jungewelt.de/artikel/338310.organizing-der-gewerkschaften-aus-erfahrung-kl%C3%BCger.html">jungen Welt</a></em> das von der IG Metall-Baden-Württemberg herausgegebene Buch »<a href="https://www.vsa-verlag.de/nc/buecher/detail/artikel/aufrecht-gehen/">aufrecht gehen &#8211; wie Beschäftige durch Organizing zu ihrem Recht kommen«</a>, an dem auch wir beteiligt waren.</p>
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		<title>»Beschäftigte werden ›vom Algorithmus‹ gefeuert«</title>
		<link>https://work-in-progress-journalisten.de/beschaeftigte-werden-vom-algorithmus-gefeuert/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[work in progress]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 18 Jun 2017 16:09:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Presse]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitszeit]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Gewerkschaft]]></category>
		<category><![CDATA[junge Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Prekarität]]></category>
		<category><![CDATA[Strategie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Uber, Airbnb und Co.: Der »Plattform-Kapitalismus« ruiniert Sozialstaat und Arbeitswelt. Ein Gespräch mit Steven Hill Interview: Jörn Boewe, junge Welt, 16. Juni 2017 Uber, Airbnb, Lieferando – immer mehr Unternehmen bieten die Vermittlung »selbständiger« Arbeit über das Internet an. Wie &#8230; <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/beschaeftigte-werden-vom-algorithmus-gefeuert/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Uber, Airbnb und Co.: Der »Plattform-Kapitalismus« ruiniert Sozialstaat und Arbeitswelt. Ein Gespräch mit Steven Hill</strong></p>
<p><em>I<a href="https://www.jungewelt.de/artikel/312512.besch%C3%A4ftigte-werden-vom-algorithmus-gefeuert.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">nterview: Jörn Boewe, junge Welt, 16. Juni 2017</a></em></p>
<p><strong>Uber, Airbnb, Lieferando – immer mehr Unternehmen bieten die Vermittlung »selbständiger« Arbeit über das Internet an. Wie relevant ist dieser »Plattform-Kapitalismus« in Deutschland?</strong></p>
<p>Die Bundesregierung geht von deutlich unter einer Million Beschäftigter aus. Es ist aber offensichtlich, dass sie die Bedeutung des Phänomens herunterspielt. Das ist zum Teil ein Problem völlig veralteter Erhebungsmethoden. Viele Leute, die eine reguläre Teilzeitstelle haben, ergänzen mittlerweile ihr Einkommen durch über Plattformen vermittelte prekäre Beschäftigung. Bei den großen Befragungen des Statistischen Bundesamtes oder des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung wird nach dem Hauptarbeitsverhältnis gefragt sowie, ob jemand eine Zweit- oder Nebentätigkeit ausübt. Informationen über den Charakter dieser Nebentätigkeit werden dabei aber nicht erhoben.<span id="more-1150"></span></p>
<p><strong>Was bedeutet diese Entwicklung für den Sozialstaat?</strong></p>
<p>Dem Staat und den Sozialversicherungen entgehen dadurch Einnahmen in Milliardenhöhe. Das Unternehmen Upwork aus San Francisco im Silicon Valley – ich lebe dort – beschäftigt 250 Personen in einem regulären Angestelltenverhältnis. Diese 250 Angestellten verwalten zehn Millionen Freelancer weltweit. Darunter befinden sich Leute in Deutschland, die 60 Euro die Stunde verdienen, aber auch Beschäftigte in Indien oder den Philippinen mit einem Stundenlohn von zwei Euro. Das sind hochqualifizierte Softwareentwickler, Webdesigner, Ingenieure und Architekten. Die deutschen Statistiker haben keine Ahnung, wie viele Leute Upwork in Deutschland beschäftigt. Aber es ist über die Internetplattform von Upwork selbst einfach herauszufinden – es sind mehr als 18.000. Und von solchen Plattformen gibt es mittlerweile Dutzende.</p>
<p><strong>Kann man das Gesamtausmaß ungefähr abschätzen?</strong></p>
<p>Die IG Metall geht davon aus, dass in Deutschland jetzt schon mindestens eine Million Beschäftigte Einkommen aus Arbeit über diese Art von Plattformen erzielen. Andere schätzen die Zahl eher auf zwei Millionen. Ich halte diese Zahlen immer noch für eher konservativ. Man kann davon ausgehen, dass in dieser Grauzone der Plattform-Beschäftigung etwa vier Milliarden Euro Einkünfte am deutschen Staat und seinem Sozialver­sicherungssystem vorbei erzielt werden. Die Firmen melden das schlicht nicht beim Staat an, denn sie haben ihre Sitze in den USA, in Russland oder sonstwo in der Welt.</p>
<p><strong>Und welche Folgen hat das für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?</strong></p>
<p>Die Unternehmen haben das Bestreben, genau zu kontrollieren, wie ihre Auftragnehmer arbeiten. Und sie haben die technischen Möglichkeiten, buchstäblich jeden Mausklick und jede Tastaturaktivität zu protokollieren und auszuwerten. Die Technik wird benutzt, um die Arbeitsleistung zu überwachen und Ratings über die Beschäftigten zu erstellen. Wer sich in einem solchen System als »Under­performer« erweist, hat schlechte Karten. Viele Beschäftigte werden heute nicht mehr von der Personalabteilung, sondern »vom Algorithmus« gefeuert.</p>
<p><strong>Der Staat scheint nicht in der Lage oder nicht willens, diese Firmen zu kontrollieren.</strong></p>
<p>In Berlin wurde 2014 ein Gesetz erlassen, das es verbietet, komplette Wohnungen über Airbnb zu vermieten. Doch seither ist die Zahl der Leute, die genau das tun, um 45 Prozent gestiegen. Deutlicher kann sich die Hilflosigkeit einer Regierung nicht manifestieren. Jedes Hotel, jede Pension muss in Berlin Steuern zahlen. Doch Airbnb sagt im Wesentlichen: »Wir sind kein Hotelbetrieb, wir sind nur ein Technologieunternehmen. Wir vermitteln nur das Geschäft zwischen Vermieter und Mieter.« Das Problem ist dasselbe in allen Großstädten. Wenn die Kommunalverwaltung die Daten der Vermieter einfordert, verweist Airbnb schlicht auf deren Recht auf Privatsphäre.</p>
<p>Es braucht hier neue Regeln. Die Öffentlichkeit muss sich solche Daten von den Unternehmen zurückerobern. Dazu muss auch der Staat den Firmen klarmachen: »Entweder ihr rückt die Daten raus, oder wir machen euch dicht.«</p>
<hr />
<div id="Infobox" class="Infobox Narrow">
<p>Steven Hill ist ein US-amerikanischer Kolumnist und Autor. Beim Knaur-Verlag erschien kürzlich sein Buch »Die Startup-Illusion: Wie die Internet-Ökonomie unseren Sozialstaat ruiniert«</p>
<p>Mit dem Thema beschäftigt sich auch die Fachtagung <a href="https://www.rosalux.de/veranstaltung/es_detail/EQXHJ/digitale-revolution-%E2%80%93-wer-sagt-wo%60s-langgeht/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">»Digitale Revolution – Wer sagt, wo’s langgeht?«</a>, die von der Rosa-Luxemburg-Stiftung, von ver.di und der IG Metall ausgerichtet wird: 17. Juni, 10 Uhr bis 16.30 Uhr, im DGB-Gewerkschaftshaus in Frankfurt am Main</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Verführerische Blase</title>
		<link>https://work-in-progress-journalisten.de/verfuehrerische-blase/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[work in progress]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Mar 2017 20:46:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Presse]]></category>
		<category><![CDATA[Bildungsarbeit]]></category>
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		<category><![CDATA[Gewerkschaftliche Jugendbildungsstätte Berlin-Konradshöhe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ver.di schließt die gewerkschaftliche Bildungseinrichtung Berlin-Konradshöhe Von Jörn Boewe, neues deutschland, 10. März 2017 Auf den ersten Blick sieht das Transparent vor dem Grundstück aus wie die Werbeplane eines Bauträgers. Aber noch werden hier, in der Stößerstr. 18 in Berlin-Konradshöhe, &#8230; <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/verfuehrerische-blase/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1>Ver.di schließt die gewerkschaftliche Bildungseinrichtung Berlin-Konradshöhe</h1>
<p><a href="https://www.neues-deutschland.de/artikel/1044299.verfuehrerische-blase.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><em>Von Jörn Boewe, neues deutschland, 10. März 2017</em></a></p>
<p>Auf den ersten Blick sieht das Transparent vor dem Grundstück aus wie die Werbeplane eines Bauträgers. Aber noch werden hier, in der Stößerstr. 18 in Berlin-Konradshöhe, keine Luxuswohnungen errichtet. »Hier verbauen wir uns unsere Zukunft« steht auf einem großen Transparent, und statt Bauherren sind »Ab-Bauherren« darauf verzeichnet: Frank Bsirske, Frank Werneke, Christoph Meister &#8211; alle drei Mitglieder im ver.di-Bundesvorstand &#8211; als Generalunternehmer firmiert die Immobilien- und Vermögensverwaltung von ver.di (IVG/VVG).</p>
<div id="attachment_1091" style="width: 650px" class="wp-caption aligncenter"><a href="http://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2017/03/33212678551_7baa2268c9_z.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-1091" class="size-full wp-image-1091" src="http://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2017/03/33212678551_7baa2268c9_z.jpg" alt="" width="640" height="427" srcset="https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2017/03/33212678551_7baa2268c9_z.jpg 640w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2017/03/33212678551_7baa2268c9_z-300x200.jpg 300w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2017/03/33212678551_7baa2268c9_z-450x300.jpg 450w" sizes="(max-width: 640px) 100vw, 640px" /></a><p id="caption-attachment-1091" class="wp-caption-text">Keine amtliche Bekanntmachung, aber auch kein Fake. Foto: Jörn Boewe</p></div>
<p><span id="more-1078"></span></p>
<div class="Content">
<div class="Image Big"> Natürlich ist es keine amtliche Bekanntmachung, die auf dem Gelände der ver.di-Jugendbildungsstätte Konradshöhe steht, aber ein »fake« ist es auch nicht. Nach 56 Jahren soll die gewerkschaftliche Bildungseinrichtung geschlossen werden. Nicht, weil es dort kein Interesse mehr an politischer Bildungsarbeit für junge Leute gäbe. Aber ver.di braucht Geld, und wie überall in Berlin explodieren in Konradshöhe die Grundstückspreise. Das direkt am Havelufer gelegene rund 5000 Quadratmeter große Areal ist ein Filetstück, auf dem schon bald hochpreisige Eigentumswohnungen entstehen könnten, wie sie in der Gegend seit ein paar Jahren überall gebaut werden.</div>
<p>Uli Dalibor, langjähriger Fachgruppenleiter Einzelhandel in der ver.di Bundesverwaltung und Vorsitzender des Fördervereins der Bildungsstätte ist fassungslos. »Dumm und ignorant« nennt er die Entscheidung. »Tausende Jugendliche aus dem Berliner Norden werden künftig keine Chance mehr haben, unsere Bildungsangebote wahrzunehmen. In Zeiten, wo Rassismus und Rechtspopulismus grassieren, ist das ein Desaster.« An die 1700 Jugendliche haben hier jedes Jahr Seminare belegt wie: »Rechte und Pflichten in der Ausbildung«, »Beziehungskisten und Gender«, »Entspannt durch die Prüfung« oder »Die Macht der Medien«. Hier trafen sich regelmäßig Schülervertreter aus der Plattenbausiedlung Märkisches Viertel, fanden Integrationskurse für jugendliche Geflüchtete statt. Noch im September trafen sich hier junge Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter aus Asien, Amerika und Europa, um ihre Forderungen für den diesjährigen Weltkongress der UNI Commerce Global Union vorzubereiten.</p>
<p>Für 65 000 DM hatte die Deutsche Angestelltengewerkschaft DAG das Grundstück am 26. Juni 1957 gekauft. Willy Brand, seinerzeit Regierender Bürgermeister von Westberlin, legte 1961 den Grundstein. Heute kann die ver.di-Vermögensverwaltung bei einem Verkauf ein Vielfaches dieses Preises erzielen. Von bis zu elf Millionen Euro ist die Rede &#8211; eine Zahl, die die Pressestelle des Bundesvorstands auf Nachfrage nicht kommentieren will und die trotz expandierender Immobilienblase deutlich übertrieben sein dürfte.</p>
<p>Offiziell ist der erwartete Erlös aus dem Grundstücksgeschäft natürlich nicht der Grund für die Schließung. Vielmehr weise das Gebäude »bauliche Mängel« auf, deren Beseitigung »mit einem erheblichen finanziellen Aufwand verbunden« wäre, so eine ver.di-Sprecherin. Konkrete Zahlen will sie nicht nennen. Die stehen allerdings in einem Gutachten, das die ver.di-Immobilienverwaltung 2011 in Auftrag gab: »Das Gebäude befindet sich in einem ausreichenden gebrauchsfähigen Gesamtzustand«, heißt es in der dem »nd« vorliegenden Expertise. Kurzfristig seien Reparaturen im Wert von 165 000 Euro nötig, mittelfristige Instandsetzungskosten beziffern die Ingenieure auf 720 000 Euro. Und tatsächlich wurden nach dem Gutachten die Arbeiten in Angriff genommen. 400 000 Euro hat ver.di bereits in die Sanierung investiert &#8211; fast die Hälfte des prognostizierten Bedarfs.</p>
<p>Die laufenden Kosten für den Betrieb der Bildungsstätte erwirtschaftet die Bildungsstätte selbst, betont Vereinsvorsitzender Dalibor. Ver.di trägt die Mietkosten von 100 000 Euro im Jahr, was praktisch heißt: die ver.di-Jugendbildungsstätte konnte Haus und Gelände mietfrei nutzen. Durch ihr vielfältiges Bildungsangebot akquirierte sie zusätzliche öffentliche Förderung durch das Land in Höhe von 180 000 Euro jährlich &#8211; Geld, das der ver.di-Jugendbildungsarbeit nun mit der Schließung verlorengeht.</p>
<p>Ungewiss ist auch die Zukunft für die zwölf Beschäftigten des Hauses. Ihre Arbeitsverhältnisse wurden zum 31. März gekündigt. Arbeitsrechtlichen Beistand &#8211; wie es für Gewerkschaftsmitglieder Standard ist &#8211; habe ihnen ver.di versagt, berichtet ein Mitarbeiter. Der Bundesvorstand der Dienstleistungsgewerkschaft schiebt dem »freien Träger« die Verantwortung zu: »Bei dem Haus in Konradshöhe handelt es sich nicht um eine Bildungsstätte von ver.di, sondern um eine im Besitz der IVG/VVG befindliche Immobilie, die vermietet wurde«, heißt es dort. »Es handelt sich um Angestellte des Vereins, nicht von ver.di.«</p>
<p>Das Vorgehen erinnert fatal an die Schließung der ver.di-Bildungsstätte im westfälischen Lage-Hörste vor zwei Jahren. Auch dort war mit einem angeblich enormen Investitionsbedarf argumentiert worden &#8211; auf dem Gewerkschaftstag wurde das Haus als »Bruchbude« bezeichnet. Drei bis vier Millionen müssten aufgebracht werden, um die behördlichen Brandschutzauflagen zu erfüllen &#8211; dies sei für die Gewerkschaft nicht zu stemmen. Das Haus wurde geschlossen und sollte zeitweilig als Flüchtlingsunterkunft genutzt werden. Presseberichten zufolge stellte sich plötzlich heraus, dass die Brandschutzmaßnahmen bis auf kleine Nachbesserungen doch ausreichend waren.</p>
<p>Der Deal kam dann aus anderen Gründen nicht zustande. Auf der leerstehenden Immobilie sitzt ver.di bis heute. Zu den damit verbundenen Kosten schweigt die Bundesverwaltung: »Wir geben grundsätzlich keine Auskünfte über Vermögenswerte und die Verwendung von Liegenschaften«, heißt es dort nur lapidar.</p>
</div>
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<p><!--more--></p><p>The post <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/verfuehrerische-blase/">Verführerische Blase</a> first appeared on <a href="https://work-in-progress-journalisten.de">Journalistenbüro work in progress</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
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		<title>Die Lieferketten organisieren</title>
		<link>https://work-in-progress-journalisten.de/die-lieferketten-organisieren/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[work in progress]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 20 Sep 2016 15:53:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Presse]]></category>
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		<category><![CDATA[Gewerkschaftliche Jugendbildungsstätte Berlin-Konradshöhe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>International vernetzt: Junge Gewerkschafter aus vier Kontinenten diskutierten in Berlin Antworten auf Strategien der globalen Handelskonzerne Von Jörn Boewe, junge Welt, 20. Sept. 2016 T-Shirts, die in Berlin oder New York über den Ladentisch gehen, werden in Vietnam, der Türkei &#8230; <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/die-lieferketten-organisieren/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>International vernetzt: Junge Gewerkschafter aus vier Kontinenten diskutierten in Berlin Antworten auf Strategien der globalen Handelskonzerne</strong><br />
<a href="https://www.jungewelt.de/artikel/294035.die-lieferketten-organisieren.html" target="_blank" rel="noopener"><em>Von Jörn Boewe, junge Welt, 20. Sept. 2016</em></a></p>
<p>T-Shirts, die in Berlin oder New York über den Ladentisch gehen, werden in Vietnam, der Türkei oder Kolumbien genäht. Die Arbeitsbedingungen dort sind oft katastrophal. Spätestens seit dem Einsturz des Rana-Plaza-Fabrikhochhauses im April 2013 in Bangladesch, bei dem mehr als tausend Beschäftigte getötet wurden, ist das Thema in der Öffentlichkeit. Doch nicht nur Modekonzerne sind international aufgestellt – alle großen Handelsunternehmen agieren längst über alle geographischen Grenzen hinweg.</p>
<p><img decoding="async" src="https://www.jungewelt.de/img/700/86714.jpg" /></p>
<p>Zusammenarbeit und Austausch der Beschäftigten tun also Not, und das geht nicht ohne Organisation. UNI Global Union ist der weltweit wichtigste Dachverband der Dienstleistungswerkschaften, und ihre Handelssektion UNI Commerce veranstaltete in der vergangenen Woche ein internationales Jugendcamp in der ver.di-Jugendbildungsstätte Berlin-Konradshöhe. Wer dabei an Ferienlager denkt, liegt falsch: Eher war es ein intensives Seminar für Nachwuchsführungskräfte der Arbeiterbewegung des 21. Jahrhunderts. Eine Woche lang diskutierten die rund 30 Teilnehmer­innen und Teilnehmer aus Asien, Amerika und Europa über die wichtigen Trends ihrer Branche wie Onlinehandel, Konzentrationsprozesse und Rationalisierung der Logistikketten. »Es geht um die längsten Öffnungszeiten, die niedrigsten Preise und die größten Verkaufsflächen«, brachte Uli Dalibor von ver.di die Sache auf den Punkt. »Und all das kostet Geld – Geld, das die Konzerne intern aufbringen wollen, indem sie die Löhne ihrer Beschäftigten herabdrücken.«<span id="more-1473"></span></p>
<p>Aber wie kann man effektiv etwas dagegen tun? Die Teilnehmer begannen zunächst mit einer Bestandsaufnahme: Wie sehen die Arbeitsbedingungen in verschiedenen Unternehmen, Ländern und Weltregionen aus? Das ehrgeizige Ziel der jungen Gewerkschafter: Bis zum nächsten UNI-Weltkongress im kommenden Jahr soll ein gemeinsamer internationaler Forderungskatalog stehen. Dass sie ernstzunehmende globale Akteure sind, haben internationale Gewerkschaftsorganisationen wie UNI und IndustriALL in den vergangenen Jahren nicht zuletzt mit dem Bangladesch-Abkommen nach der Rana-Plaza-Katastrophe bewiesen: Nicht allen, aber einem Großteil der dort involvierten Modekonzerne konnten handfeste und überprüfbare Vereinbarungen zur Verbesserung der Arbeits- und Sicherheitsstandards in den Textilfabriken der dritten Welt abgerungen werden.</p>
<p>»Für mich war das eine großartige Chance zu sehen, wie andere Organisationen in vergleichbaren Situationen arbeiten«, sagte die 30jährige Norika aus Sri Lanka. In der Hauptstadt Colombo organisiert die junge Postangestellte gewerkschaftliche Bildungsveranstaltungen für Supermarktbeschäftigte – ehrenamtlich in ihrer Freizeit. »Ein Treffen mit einer so breiten Beteiligung aus so unterschiedlichen Erdteilen – das habe ich noch nicht erlebt«, so Ryan (29), der in New York als »Education organizer« in einem »Workers center« arbeitet und Einzelhandelsangestellte in Abendkursen über ihre Rechte aufklärt. Meist seien das prekär Beschäftigte, die nie Kontakt zu Gewerkschaften hatten, geschweige denn je in den Genuss von Tarifverträgen gekommen sind. »Verglichen damit geht es uns in Schweden großartig«, meinte Josefin (25), LKW-Fahrerin bei einem Lebensmittelgroßhändler aus Vasteras bei Stockholm. »Aber es hat mich daran erinnert, dass wir uns nicht zurücklehnen dürfen.«</p>
<p>So wurde deutlich: Auch in Zeiten von Internet und »Social media« braucht man reale und nicht nur virtuelle Diskussionen, braucht man über Chats und Mailinglisten hinaus Gesprächsrunden, bei denen man sich von Angesicht zu Angesicht gegenübersitzt. Und man braucht Orte, an denen man sie führen kann. Um so bedauerlicher fanden die Teilnehmer aus aller Welt, dass ver.di beabsichtigt, die Jugendbildungsstätte Berlin-Konradshöhe zum Jahresende zu schließen. Einen politischen Beschluss dazu gibt es nicht, Medienberichten zufolge handelt es sich um eine nicht mal gewerkschaftsintern kommunizierte Entscheidung der ver.di-Immobilienverwaltung. Das Grundstück direkt am Havelufer gilt als attraktives Bauland für hochpreisige Eigentumswohnungen.</p><p>The post <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/die-lieferketten-organisieren/">Die Lieferketten organisieren</a> first appeared on <a href="https://work-in-progress-journalisten.de">Journalistenbüro work in progress</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Kaum noch Jobs für deutsche Seefahrer</title>
		<link>https://work-in-progress-journalisten.de/kaum-noch-jobs-fuer-deutsche-seefahrer/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 19 Dec 2015 12:14:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Presse]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Regierung lockert Vorschrift: Reeder müssen künftig noch weniger Fachpersonal aus der EU anheuern Von Jörn Boewe, junge Welt, 19. Dez. 2015 Der Seefahrerberuf stirbt aus in Deutschland und Westeuropa. Dass ihm nun ausgerechnet ein Verkehrsminister aus dem küstenfernsten Bundesland, der &#8230; <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/kaum-noch-jobs-fuer-deutsche-seefahrer/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Regierung lockert Vorschrift: Reeder müssen künftig noch weniger Fachpersonal aus der EU anheuern<br />
</strong></p>
<p><em><a href="https://www.jungewelt.de/2015/12-19/024.php" target="_blank">Von Jörn Boewe, junge Welt, 19. Dez. 2015<br />
</a></em><br />
Der Seefahrerberuf stirbt aus in Deutschland und Westeuropa. Dass ihm nun ausgerechnet ein Verkehrsminister aus dem küstenfernsten Bundesland, der Oberbayer Alexander Dobrindt (CSU), einen weiteren Stoß versetzt, ist nicht ohne Witz. Vergangene Woche verkündete der Minister, dass künftig deutlich weniger EU-Personal auf Schiffen vorgeschrieben sein wird.</p>
<div id="attachment_867" style="width: 3018px" class="wp-caption aligncenter"><a href="http://work-in-progress-journalisten.de/workinprogress/wp-content/uploads/2015/12/IMGP2396.jpg"><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-867" class="wp-image-867 size-full" src="http://work-in-progress-journalisten.de/workinprogress/wp-content/uploads/2015/12/IMGP2396.jpg" alt="IMGP2396" width="3008" height="2000" srcset="https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2015/12/IMGP2396.jpg 3008w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2015/12/IMGP2396-300x199.jpg 300w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2015/12/IMGP2396-1024x681.jpg 1024w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2015/12/IMGP2396-451x300.jpg 451w" sizes="(max-width: 3008px) 100vw, 3008px" /></a><p id="caption-attachment-867" class="wp-caption-text">Der ITF-Inspektor geht von Bord. Gewerkschaftssekretäre der Internationalen Transportarbeiterföderation wachen weltweit über die Einhaltung von Besetzungsvorschriften und Sozialstandards. Doch Tarifflucht und Ausflaggung konnten sie nicht verhindern. Rostock, Sept. 2014</p></div>
<p><span id="more-866"></span>Bislang schrieb die 2013 in Kraft getretene Schiffsbesetzungsverordnung vor, dass an Bord jener »Kauffahrteischiffe, die die Bundesflagge führen«, unter den »wachbefähigten Besatzungsmitgliedern« vier EU-Bürger sein müssen. Auch der Job des Schiffsmechanikers musste bislang vorrangig mit EU-Bürgern besetzt werden.</p>
<p>Damit soll nun Schluss sein. Statt vier müssen künftig nur noch zwei Posten mit Seeleuten aus der Europäischen Union besetzt werden, die Nationalitätenregelung zum Schiffsmechaniker, dem »Motorman«, soll komplett entfallen. Deutschlands Reeder haben damit einen Lobbyistensieg auf ganzer Linie errungen, den sie bei ihrem traditionellen »Reederessen« vor einer Woche in Hamburg in Anwesenheit des Bundesverkehrsministers gebührend feierten. »Zusage nach der Vorspeise« titelte das Branchenblatt Deutsche Verkehrszeitung.</p>
<p>Die Lockerung der Besetzungsvorschriften war nicht das einzige Weihnachtsgeschenk, das Dobrindt den Reedern mitgebracht hatte. Künftig müssen sie für ihre deutschen Besatzungsmitglieder keine Lohnsteuer mehr abführen. Darüber hinaus sollen ihnen die Sozialbeiträge komplett vom Staat erstattet werden. Schon jetzt gilt für Schiffahrtsunternehmen eine Vergünstigung: Sie dürfen 40 Prozent der Lohnsteuer einbehalten.</p>
<p>Die für die Seeschiffahrt zuständige Gewerkschaft ver.di reagierte diese Woche – mit einer Pressemitteilung. Von den überregionalen Medien wurde die weitgehend ignoriert. Kein Wunder: In der gemeinsam mit dem Verband deutscher Kapitäne und Schiffsoffiziere und der Vereinigung deutscher Schiffsingenieure unterzeichneten Erklärung wird weder die Rücknahme der angekündigten Entscheidungen verlangt noch dagegen protestiert. Ver.di fordert lediglich »eine Bindung der geplanten Maßnahmen an eine langfristige Arbeitsplatzgarantie zum Erhalt von Ausbildung und Beschäftigung in derzeit bestehendem Umfang«. Warum die Reeder das tun sollten, bleibt das Geheimnis der Verfasser. Schließlich wäre dann die Änderung der Verordnung für sie völlig nutzlos.</p>
<p>Insgesamt ist die Erklärung ein Paradebeispiel für die »einseitige Sozialpartnerschaft«, die immer noch die Politik eines Großteils der deutschen Gewerkschaftsbewegung bestimmt: So wird »festgestellt«, dass »nur zwei der Mitglieder des Maritimen Bündnisses für Ausbildung und Beschäftigung einer Änderung der Schiffsbesetzungsverordnung zugestimmt haben«. Das ist eine nette Umschreibung dafür, dass die Bundesregierung und der Verband Deutscher Reeder (VDR) das Bündnis de facto aufgekündigt haben. Das 2003 unter Einschluss von ver.di, VDR, Bundesregierung und norddeutschen Ländern geschlossene Bündnis sollte – so jedenfalls die Eigendarstellung – die Ausflaggung der deutschen Handelsflotte in Billigländer bremsen und nautisches Know-how sowie seemännische Arbeitsplätze in Deutschland langfristig sichern.</p>
<p>Inzwischen dürften sich die bei ver. di organisierten Seeleute eher fragen, ob das Ziel des Bündnisses nicht von Anfang an war, gewerkschaftlichen Widerstand gegen die Ausflaggung zu verhindern, indem man ver.di institutionell einbindet. Gut ein Jahrzehnt später haben sich die Reeder auf ganzer Linie durchgesetzt, und die Erosion der gewerkschaftlichen Basis ist durch die »Abwanderung« der Jobs so weit fortgeschritten, dass ernsthafter Widerstand gar nicht mehr möglich ist.</p>
<p>Seit 2012 ist die Zahl der Schiffe in der deutschen Handelsflotte um 17 Prozent auf 3.122 gesunken (Stand September 2015). Allein im laufenden Jahr ging sie netto um 117 Schiffe zurück. Dennoch hat die Bundesrepublik damit immer noch die viertgrößte Handelsflotte der Welt. Unter deutscher Flagge fährt aber nur noch ein Bruchteil: 350 Schiffe waren es Ende November, halb so viele wie zur Jahrtausendwende. Die Anzahl der deutschen Seeleute liegt nur noch bei 6.700. Vor zwei Jahren waren es noch 7.500 gewesen.</p><p>The post <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/kaum-noch-jobs-fuer-deutsche-seefahrer/">Kaum noch Jobs für deutsche Seefahrer</a> first appeared on <a href="https://work-in-progress-journalisten.de">Journalistenbüro work in progress</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Amazon-Beschäftigte solidarisieren sich</title>
		<link>https://work-in-progress-journalisten.de/amazon-beschaeftigte-solidarisieren-sich/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Sep 2015 19:54:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Presse]]></category>
		<category><![CDATA[Amazon]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Gewerkschafter aus Deutschland und Polen trafen sich zum Erfahrungsaustausch in Poznan Von Jörn Boewe, junge Welt, 15. Sept. 2015 Was ist das wichtigste Arbeitsmittel für Gewerkschafter in einem transnationalen Konzern? Ein Notizbuch mit Telefonnummern der Vertrauensleute anderer Standorte im Inland &#8230; <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/amazon-beschaeftigte-solidarisieren-sich/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2>Gewerkschafter aus Deutschland und Polen trafen sich zum Erfahrungsaustausch in Poznan</h2>
<p><em><a href="https://www.jungewelt.de/2015/09-15/028.php" target="_blank">Von Jörn Boewe, junge Welt, 15. Sept. 2015</a></em></p>
<p style="text-align: left;">Was ist das wichtigste Arbeitsmittel für Gewerkschafter in einem transnationalen Konzern? Ein Notizbuch mit Telefonnummern der Vertrauensleute anderer Standorte im Inland wie im Ausland. Kein Dachverband, keine Kommission für internationale Zusammenarbeit kann den direkten Kontakt zwischen Aktiven verschiedener Betriebe eines Großunternehmens ersetzen. Dies war die eine Kernbotschaft eines Arbeitstreffens polnischer und deutscher Gewerkschaftsaktivisten, die am Wochenende zu einem Erfahrungsaustausch im polnischen Poznan zusammengekommen waren. Die andere: Der Kampf um die Verbesserung der Arbeitsbedingungen bei Amazon ist nur mit grenzübergreifender Solidarität zu gewinnen.</p>
<p><a href="http://work-in-progress-journalisten.de/workinprogress/wp-content/uploads/2015/09/IMGP6921.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-814" src="http://work-in-progress-journalisten.de/workinprogress/wp-content/uploads/2015/09/IMGP6921.jpg" alt="IMGP6921" width="3008" height="2000" srcset="https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2015/09/IMGP6921.jpg 3008w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2015/09/IMGP6921-300x199.jpg 300w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2015/09/IMGP6921-1024x681.jpg 1024w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2015/09/IMGP6921-451x300.jpg 451w" sizes="auto, (max-width: 3008px) 100vw, 3008px" /></a>Die rund dreißig Teilnehmerinnen und Teilnehmer, überwiegend Beschäftigte aus dem Poznaner Versandzentrum des Internethändlers, diskutierten mit Kollegen aus den deutschen Konzernstandorten Bad Hersfeld und Brieselang über Löhne, Arbeitszeiten und permanente Überwachung der Beschäftigten. Es ging um die Strategien, mit denen das Management versucht, gewerkschaftliche Organisierung zu verhindern, aber auch um die Perspektive künftiger gemeinsamer Aktionen.<br />
<span id="more-813"></span>Ihnen war aufgefallen, dass der multinational agierende US-Konzernriese bei Streiks in Deutschland Bestellungen sehr schnell an seine polnischen Versandzentren weiterleitete. Deshalb hatten ver.di-Vertrauensleute aus Hessen und Brandenburg sowie Aktivisten der anarchosyndikalistischen »Inicjatywa Pracownicza (IP)« (»Arbeiterinitiative«) aus Poznan im Frühjahr dieses Jahres begonnen, gemeinsame Treffen zu organisieren und Informationen auszutauschen.</p>
<p>Im Juni war es in Polen zu ersten Solidaritätsaktionen mit den Streikenden in Deutschland gekommen: Um arbeitskampfbedingte Ausfälle in der Bundesrepublik auszugleichen, hatte Amazon in Poznan eine Verlängerung der Schichten von zehn auf elf Stunden angeordnet. Daraufhin seien Hunderte Beschäftigte »in einer mehr oder weniger spontanen Revolte« in den Bummelstreik getreten, berichtete IP-Sprecherin Agnieszka Mroz. Die Mitarbeiter wussten über den Konflikt in Deutschland Bescheid: Die IP hatte zuvor im Betrieb auf Flugblättern und ihrem schwarzen Brett über die ver.di-Aktionen in Deutschland berichtet.</p>
<p>In der Bundesrepublik kämpft ver.di seit dem Frühjahr 2013 für einen Tarifvertrag. Eineinhalb Jahre später, Ende 2014, eröffnete Amazon drei Versandzentren in Polen, die fast ausschließlich den deutschen Markt beliefern. Intern wird offenbar gezielt Angst vor der Verlagerung von Arbeitsplätzen nach Polen geschürt, um Beschäftigte vom Streiken abzuhalten.</p>
<p>Juristisch gilt jedes Amazon-Versandzentrum als eigenständiges Unternehmen, was den gewerkschaftlichen Kampf deutlich erschwert. Faktisch arbeiten die Niederlassungen aber als ein großer Verbund: »Wir merken es sofort am Auftragsvolumen, wenn an anderen deutschen Standorten gestreikt wird oder in Polen Feiertag ist«, erklärte ein ver.di-Vertrauensmann aus dem brandenburgischen Brieselang. Umso wichtiger sei es, dass sich auch die Gewerkschafter bei Amazon international vernetzten, ergänzte ein Kollege aus dem hessischen Bad Hersfeld. Meist geht es dabei um ganz elementare Dinge: »In Polen haben sie uns immer gesagt, eine jährliche Einsatzplanung sei nicht möglich«, berichtete eine Amazon-Beschäftigte und Gewerkschafterin von dort. »Jetzt wissen wir, dass es in Deutschland sehr wohl möglich ist. Wir haben eine Kopie der Vereinbarung und werden sie bei unserer nächsten Verhandlung mit dem Management vorlegen.«</p><p>The post <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/amazon-beschaeftigte-solidarisieren-sich/">Amazon-Beschäftigte solidarisieren sich</a> first appeared on <a href="https://work-in-progress-journalisten.de">Journalistenbüro work in progress</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>»Die Gewerkschaften müssen sehr hart arbeiten«</title>
		<link>https://work-in-progress-journalisten.de/die-gewerkschaften-muessen-sehr-hart-arbeiten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 21 Jul 2014 07:16:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Presse]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Gewerkschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Strategie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Gespräch mit Steffen Lehndorff. Über Möglichkeiten, den nationalen Rahmen linker Politik zu ­überwinden, Spaniens Rückkehr zu einem gescheiterten Wachstumsmodell und Merkels »Agenda-Legende«  Jörn Boewe und Johannes Schulten, junge Welt, 19./20.Juli 2014 Sie sagen, die linken Kontroversen über die Haltung gegenüber &#8230; <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/die-gewerkschaften-muessen-sehr-hart-arbeiten/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
<p>The post <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/die-gewerkschaften-muessen-sehr-hart-arbeiten/">»Die Gewerkschaften müssen sehr hart arbeiten«</a> first appeared on <a href="https://work-in-progress-journalisten.de">Journalistenbüro work in progress</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1>Gespräch mit Steffen Lehndorff. Über Möglichkeiten, den nationalen Rahmen linker Politik zu ­überwinden, Spaniens Rückkehr zu einem gescheiterten Wachstumsmodell und Merkels »Agenda-Legende«</h1>
<address><em><a href="http://www.jungewelt.de/2014/07-19/005.php" target="_blank"> Jörn Boewe und Johannes Schulten, junge Welt, 19./20.Juli 2014</a></em></address>
<div><b><i>Sie sagen, die linken Kontroversen über die Haltung gegenüber der EU seien zu stark in einem Entweder-Oder-Denken gefangen: entweder Vertiefung der Integration oder Rückkehr zum Europa der Nationalstaaten. Statt dessen plädieren Sie dafür, den Integrationsprozeß als faktisches Handlungsfeld anzuerkennen und gleichzeitig auf nationaler Ebene zu handeln. Das klingt vor dem Hintergrund der Schwäche der Linken in Europa etwas utopisch.</i></b><br />
<b><i><br />
</i></b> Alles klingt utopisch, wenn man von der Frage ausgeht, wie überhaupt diese Grundströmung des Neoliberalismus gestoppt werden kann. Die Frage ist aber, ob eine fortschrittliche soziale Neuorientierung in Europa in einem rein nationalen Rahmen überhaupt noch möglich ist. Der letzte ernsthafte Versuch, in der Europäischen Gemeinschaft eine demokratische und soziale Wende einzuleiten, fand Anfang der 1980er Jahre in Frankreich unter der SP-KP-Regierung von François Mitterrand statt. Er wurde relativ rasch abgebrochen. Im europäischen, im supranationalen Rahmen ist eine solche Wende letztlich eher möglich als isoliert auf nationaler Ebene.<a name="more"></a> <b><i> </i></b></div>
<p><span id="more-200"></span></p>
<div><b><i>Doch im EU-Parlament ist die Linke noch schwächer, zudem hat es wenig Einfluß.</i></b><br />
<b><i><br />
</i></b> Das ist die andere Seite. Bislang kann über das Parlament noch viel zu wenig Gegengewicht zur Dominanz der EU-Kommission und des Europäischen Rates aufgebaut werden. Der Linken in Europa bleibt aber grundsätzlich gar nichts anderes übrig als der Versuch, sowohl auf nationaler wie auch europäischer Ebene das Kräfteverhältnis im Sinne einer sozialen, demokratischen und ökologischen Neuorientierung zu verändern. Aus dieser Zwickmühle kommen wir nicht heraus.</div>
<div>
<b><i>Oskar Lafontaine hat vor knapp einem Jahr den Vorschlag gemacht, man müsse über den Abschied vom Euro und die Rückkehr zum alten Europäischen Währungssystem nachdenken. Was halten Sie davon?</i></b><br />
<b><i><br />
</i></b> Wer sind denn die Adressaten derartiger gut gemeinter Ratschläge? Die Regierungen, die für das Desaster verantwortlich sind und von den Linken, insbesondere in Deutschland, nicht daran gehindert werden konnten? Die Regierungen in den Krisenländern? Oder vielleicht die Linke in den Krisenländern? Für die geht es doch zunächst darum, überhaupt erst einmal Mehrheiten im eigenen Land zu erringen. Auf diese Mehrheit gestützt, würden sie dann unvermeidlich in Konflikt mit den Institutionen und der Politik auf EU-Ebene geraten – übrigens auch ohne Euro. Falls ihre neuen Politikansätze dann von den Institutionen und den mächtigsten Regierungen blockiert werden, dann werden sie vor der Frage stehen, ob sie nach Alternativen zur gemeinsamen Währung suchen müssen. Ich halte es für falsch, sich jetzt am grünen Tisch irgendwelche wirtschaftstechnischen Modelle zu überlegen und zu glauben, damit ginge alles besser. Flexible Wechselkurse allein öffnen nicht die Tür zu fortschrittlichen Veränderungen, das sollten wir doch aus den 1980er und 1990er Jahren gelernt haben. Zunächst einmal muß der politische Veränderungsdruck in einzelnen Ländern so stark werden, daß es diese Konflikte überhaupt gibt. Dann sind vor allem in Deutschland, dem mächtigsten Land in der EU, alle demokratisch denkenden Menschen herausgefordert, eine Blockade politischer Neuorientierungen in anderen Ländern durch die Bundesregierung zu verhindern.</div>
<div>
<b><i>Momentan sieht es aber so aus, daß der Druck auf die EU eher von der politischen Rechten ausgeübt wird. Woran liegt das?</i></b><br />
<b><i><br />
</i></b> Darauf spielt der Titel des Buches an: »Spaltende Integration«. Die EU ist bislang eine Konkurrenzunion, keine Solidarunion. Die Euro-Zone verfügt über keine gemeinsame Steuerpolitik, keine sozialen und wirtschaftlichen Ausgleichsmechanismen. Der integrierte freie Markt ohne Gegengewichte treibt die Menschen der verschiedenen Länder auseinander. Das ist ein gefundenes Fressen für die nationalistische Rechte.</div>
<div>
<b><i>Die rechten Parteien haben mit Ausnahme von Frankreich in Ländern gewonnen, die verhältnismäßig gut durch die Krise gekommen sind. Wie erklären Sie das?</i></b><br />
<b><i><br />
</i></b> Das stimmt. Gerade in Südeuropa ist die nationalistische Rechte deutlich schwächer als in Nordeuropa. Das ist eine häßliche, aber leicht verständliche Reaktion vieler Menschen, die Angst vor Abstieg und dem Übergreifen der Krise aus Süd­europa haben. Man muß bedenken, daß der Sozialstaat in Westeuropa nach dem Zweiten Weltkrieg eine Errungenschaft war, die im nationalen Rahmen durchgesetzt wurde. Und diese Errungenschaft wird jetzt mit Hilfe der EU in Frage gestellt. Da kann sehr leicht der Eindruck erweckt werden, daß es die EU selber sei, die nationalstaatliche Errungenschaften gefährde und sogar zerstöre.Demgegenüber ist es doch bemerkenswert, daß z.B. in Spanien rechts von der rechten Regierungspartei keine bedeutende neue Kraft entstanden ist. Nein: Die jetzige Regierungspartei PP, deren Wurzeln ja teilweise in die Franco-Zeit zurückreichen, aber auch die Sozialdemokratie, die bis Ende 2011 die Regierung geführt hatte und vor Brüssel und Berlin eingeknickt war, haben dramatische Stimmenverluste hinnehmen müssen. Die Linke hat hinzugewonnen, aber nicht in dem Umfang wie die beiden großen Parteien verloren haben.</p>
<p>In Griechenland, wo die Nazis zugelegt haben, ist das etwas anders. Aber Syriza hat das stärkste Ergebnis erzielt – und anders als immer gesagt wird, ist sie eine mehrheitlich proeuropäische Partei. Sie hat gezeigt, daß man mit einem linken proeuropäischen Wahlprogramm durchaus Erfolge erzielen kann.<br />
<b><i>Die sozialpolitischen Einschnitte in einigen der Länder, die im Buch beschrieben werden, sind sehr tief. Welche Folgen hat das für die Handlungsmöglichkeiten etwaiger künftiger Linksregierungen?</i></b><br />
<b><i><br />
</i></b> Sollte es in Spanien oder Griechenland irgendwann einmal eine linke Regierung geben, muß extrem viel Wiederaufbauarbeit gemacht werden. In sehr kurzer Zeit wurden enorme Flurschäden angerichtet.</p>
<p>Ob es dort überhaupt zu linken Regierungen kommen wird, hängt allerdings davon ab, ob es den fortschrittlichen Parteien und Gewerkschaften gelingt, Aufbauprogramme zu entwickeln und diese glaubwürdig in der Öffentlichkeit darzustellen. Ich weiß, daß etwa Syriza sehr intensiv an einem solchen Programm arbeitet. Es beinhaltet eben nicht nur ein Nein zur jetzigen Regierungs- und EU-Politik, sondern auch ein weitreichendes Konzept der Umgestaltung der griechischen Wirtschaft, inklusive des Steuersystems. Das ist genau der richtige Weg. Es bedarf grundlegender Alternativen.<br />
<b><i>Schaut man in die großen Tageszeitungen, scheint die Krise bald vorbei: Da waren in den letzten Wochen reihenweise Erfolgsmeldungen zu finden, wie: »Spanien schafft es aus der Rezession« (FAZ), oder »Irlands Wirtschaft gewinnt an Schwung« (Handelsblatt) …</i></b><br />
<b><i><br />
</i></b> Im Buch wird gezeigt, wie brüchig etwa das Modell in Irland ist. Es baut wesentlich auf ausländische Direktinvestitionen, die mit extrem niedrigen Unternehmenssteuersätzen und den Möglichkeiten der Steuervermeidung angelockt werden. Der Kollege aus Irland bezeichnet dieses System als einen »nationalen Fetisch«.</p>
<p>In Spanien beobachten wir die Rückkehr zu einem bereits gescheiterten Modell, das im wesentlichen auf niedrigen Lohnkosten basierte. Man muß sich erinnern, der spanische Aufschwung seit den 80er Jahren basierte darauf, daß das Land zu einem Anlageort für große Industrieunternehmen wurde, die wegen der niedrigen Lohnkosten dorthin gegangen sind. Mit der Öffnung der EU nach Osten geriet dieses Modell jedoch in die Krise, und Länder wie Ungarn haben es teilweise übernommen. Dahin will Spanien wieder zurück. Man könnte es so sagen: Das, was es jetzt an Wachstum gibt, ist ein Aufschwung durch Verarmung.<br />
<b><i>In Spanien hat die Linke bei den Europawahlen ihr Ergebnis vervielfacht – von vier Prozent auf zusammen 18 Prozent. Deutet sich hier eine neue linke Mehrheit an?</i></b><br />
<b><i><br />
</i></b> Die Gewinne der Linken sind natürlich ermutigend. Man sieht, daß eine solche Krise nicht nur zu Resignation oder zu einem Anwachsen rechter Kräfte führen muß. Aber ich sehe bislang keine politische Konstellation, die es ermöglichen würde, in absehbarer Zukunft eine neue Koalition zu bilden. Die sozialdemokratische Partei ist immer noch stark in dem traditionellen Wachstumsmodell verhaftet.<br />
<b><i>Wie bewerten Sie es, daß sowohl die »alte« Linke, die Izquierda Unida, als auch die neue Linke mit Podemos dazugewonnen haben?</i></b><br />
<b><i><br />
</i></b> Podemos ist ja aus der Bewegung der »Indignados«, der Bewegung des 15. Mai hervorgegangen. Wahrscheinlich ist es besonders für die spanischen Gewerkschaften immer noch schwer, die große Kluft zwischen den neuen Organisationsströmungen und der etablierten Linken zu überbrücken. Bei den beeindruckenden Bewegungen gegen Zwangsräumungen oder Privatisierungen von Krankenhäusern gibt es vielfach noch Mißtrauen und Distanz gegenüber der »alten« Linken und den ihr nahestehenden Organisationen, wie den Gewerkschaften. Da muß zusammenkommen, was zusammengehört. Meine spanischen Kollegen sagen, es gibt noch keine gemeinsame Initiative für eine wirtschaftliche und soziale Neuordnung. Ein solches Alternativprogramm ist aber essentiell.<br />
<b><i>Woher kommt diese Kluft zwischen neuer und alter Linker? Ist sie kulturell oder hat das etwas damit zu tun, daß den etablierten Gewerkschaften die jahrelange Nähe zur Sozialdemokratie übel genommen wird?</i></b><br />
<b><i><br />
</i></b> Was die Gewerkschaften betrifft, gibt es erstmal eine einfache Begründung. Der spanische Arbeitsmarkt ist gespalten, für junge Leute ist es extrem schwierig, einen festen Job zu bekommen. Im zurückliegenden Jahrzehnt waren 90 Prozent der neu abgeschlossenen Arbeitsverträge befristet, das ist die höchste Rate in Europa. In erster Linie sind davon junge Leute und Frauen betroffen. Diese Leute schließen sich in den seltensten Fällen den Gewerkschaften an. Die Gewerkschaften müssen sehr hart dran arbeiten, attraktiv für junge Leute zu werden.<br />
<b><i>Gibt es auch politische Gründe?</i></b><br />
<b><i><br />
</i></b> Nach meinem Eindruck spielen da die unterschiedlichen Traditionen eine Rolle. Die Izquierda Unida wurde jahrelang von der Kommunistischen Partei dominiert. Die wird zwar hierzulande von vielen älteren Linken noch als Vorkämpferin des Eurokommunismus gesehen, in Spanien steht sie aber offenbar eher für eine traditionelle Politik, der es schwerfällt, andere als gleichwertige Partner zu akzeptieren. Ähnliche Debatten gibt es wohl auch in der KP in Frankreich, die ja Teil der Linksfront ist.<br />
<b><i>Wenn wir über Koalitionen sprechen, ist ja eine der Schlüsselfragen, wie sich die Sozialdemokratie in Europa verhält. Worauf muß man sich einstellen? Kann die Sozialdemokratie überhaupt ein halbwegs verläßlicher Bündnispartner sein? Und wenn ja, wofür?</i></b><br />
<b><i><br />
</i></b> Ich glaube, ihre Rolle ist ambivalent. Eigentlich wissen sie ja, daß sie diese Trittbrettfahrerei im neoliberalen Mainstream politisch enorm schwächt. Das haben wir in Deutschland gesehen und jetzt noch mehr in Spanien oder Griechenland. Es ist eine Frage des Mutes zu einer neuen Strategie, und dieser Mut fehlt offensichtlich bislang. Nehmen wir Frankreich. Die Leute wollten eine Abkehr vom Sarkozy-Kurs und haben die Sozialisten gewählt. Doch die enttäuschen die in sie gesetzten Hoffnungen. In diese Lücke drängen sich die rechten Nationalisten mit ihrer chauvinistischen Propaganda. Frankreich zeigt aber auch, daß die Linke links von den Sozialdemokraten sich nicht die Illusion machen sollte, sie könnte vom Niedergang der Sozialdemokraten profitieren. Das mag mal im begrenzten Umfang funktionieren, aber eine Strategie ist das nicht. Stärker werden zu Lasten der Rechten können nur alle im weitesten Sinne Linke zusammen.<br />
<b><i>Haben nicht auch die deutschen Gewerkschaften mit ihrer Lohnzurückhaltung der letzten Jahre dazu beigetragen, daß Deutschlands Exportsektor den Rest der EU niederkonkurriert?</i></b><br />
<b><i><br />
</i></b> Das als Lohnzurückhaltung zu bezeichnen, finde ich problematisch. Das klingt ja, als sei es um eine bewußte Entscheidung der Gewerkschaften gegangen. Das hat es natürlich auch gegeben, etwa bei betrieblichen Abweichungen von Tarifverträgen. Aber der entscheidende Punkt waren der Rückgang der Tarifbindung und die sogenannten Arbeitsmarktreformen, die zum Wegdriften der Effektivlöhne wachsender Teile der Beschäftigten nach unten geführt haben. Das hat die Löhne im Durchschnitt gesenkt. Die Wirksamkeit von Tarifpolitik hatte extrem abgekommen. Das war Teil der Defensive, in der sich die Gewerkschaften befanden.</p>
</div>
<div></div>
<div><b><i>Diese ist laut einiger Aufsätze in dem Buch jedoch vorbei. Sie sprechen von einer Revitalisierung der Gewerkschaften. Woran machen sie die fest?</i></b><br />
<b><i><br />
</i></b> Weil sie von der Öffentlichkeit wieder mehr Rückenwind bekommen. Das sieht man an der positiven Aufnahme verschiedener Streiks, wie etwa denen an deutschen Flughäfen oder dem Kita-Streik vor ein paar Jahren. Das öffentliche Umfeld für aktive Bemühungen zur Verbesserung der sozialen Situation der Beschäftigten ist eindeutig besser geworden.Die Folgen sehen wir etwa in der Lohn­entwicklung. Die ist in Deutschland seit der Krise die positivste in der Euro-Zone. So ist trotz des weiterhin hohen Export­überschusses der Binnenmarkt jetzt erstmals die Hauptstütze der vergleichsweise positiven Entwicklung von Wirtschaft und Beschäftigung in Deutschland.</p>
</div>
<div></div>
<div><b><i>Große Teile der Politik und der Medien begründen diese wirtschaftliche Erholung mit den Folgen der Agenda-Politik. Sie bezeichnen dies als »Agenda-Legende«. Was meinen Sie damit?</i></b><br />
<b><i><br />
</i></b> In Wirklichkeit haben diese Arbeitsmarktreformen zur Euro-Krise beigetragen. Die im Durchschnitt sinkenden Löhne führten zu einem Einfrieren des Binnenmarkts. Er wurde praktisch abgeriegelt gegenüber möglichen Exportsteigerungen aus anderen Ländern, gleichzeitig wurden Waren und Kapital mehr denn je in diese Länder exportiert. So entstanden die riesigen Ungleichgewichte. Daß wir heute besser dastehen als viele andere Länder Europas, hat dagegen damit zu tun, daß es allmählich gelingt, die schädlichen Wirkungen der Agenda-Reformen auf den Arbeitsmarkt zumindest abzuschwächen, wie man an der Lohnentwicklung sieht. Doch eine Mehrheit in Politik und Medien behauptet das Gegenteil und rät anderen, unsere schädlichen Vor-Krisen-Rezepte zu übernehmen.</div><p>The post <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/die-gewerkschaften-muessen-sehr-hart-arbeiten/">»Die Gewerkschaften müssen sehr hart arbeiten«</a> first appeared on <a href="https://work-in-progress-journalisten.de">Journalistenbüro work in progress</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Hedgefonds triumphieren</title>
		<link>https://work-in-progress-journalisten.de/hedgefonds-triumphieren/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Jun 2014 07:32:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Presse]]></category>
		<category><![CDATA[Argentinien]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzinvestoren]]></category>
		<category><![CDATA[junge Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kommentar. US-Urteil zu Argentiniens Staatsschulden Von Johannes Schulten, junge Welt, 18. Juni 2014 Nicht nur in Argentinien, auch in Europa dürfte das Urteil im Prozeß um ausstehende argentinische Auslandsschulden auf reges Interesse stoßen. Der Oberste Gerichtshof der USA hat am &#8230; <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/hedgefonds-triumphieren/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Kommentar. US-Urteil zu Argentiniens Staatsschulden</b></p>
<p><i><a href="http://www.jungewelt.de/2014/06-18/028.php">Von Johannes Schulten, junge Welt, 18. Juni 2014</a></i></p>
<p>Nicht nur in Argentinien, auch in Europa dürfte das Urteil im Prozeß um ausstehende argentinische Auslandsschulden auf reges Interesse stoßen. Der Oberste Gerichtshof der USA hat am Montag (Ortszeit) einen Berufungsantrag Argentiniens abgelehnt. Damit ist eingetreten, womit wenige gerechnet, was aber viele befürchtet hatten: Das Land am Río de la Plata muß 1,3 Milliarden US-Dollar an eine Reihe US-Hedgefonds zahlen. Die gehörten zu einer kleinen Gruppe von Spekulanten, die die Schuldenumstrukturierungen von 2005 und 2010 abgelehnt hatten. Während Argentinien 13 Jahren nach der Krise von 2001 ein weiterer Staatsbankrott drohe könnte, haben die Fonds sogar doppelt profitiert – sie streichen nicht nur ihre Investitionen von damals ein, sondern kassieren auch die seither angefallenen Zinsen.<br /><a name='more'></a><br />Die Entscheidung aus Washington trifft nicht nur Buenos Aires. Sie ist auch ein Fingerzeig an Europas Krisenstaaten. Offiziell haben zwar bisher weder Griechenland noch Spanien darüber spekuliert, ihre erdrückende Schuldenlast durch harte Verhandlungen mit den Gläubigern zu lindern, anstatt durch Kürzungsprogramme auf dem Rücken der Bevölkerung. Doch man kann ja nie wissen. Nach dem Urteil braucht sich niemand mehr Sorgen zu machen. Warum sollten Gläubiger in Zukunft mit Regierungen über Umschuldungen verhandeln, wenn sie ihre Forderungen auch vor US-Gerichten einklagen können?</p>
<p>Klar ist: Ohne Schuldenschnitt hätte es den einzigartigen Wirtschaftsboom, den Argentinien praktisch seit 2003 erlebte, nicht gegeben. Die Regierung hatte die Gläubiger vor die Wahl gestellt: Entweder sie verzichten auf 70 Prozent ihrer Forderungen oder sie gehen leer aus. Um knapp 66 Milliarden US-Dollar konnten die Auslandsschulden so gesenkt werden. Die Alternative wäre das gewesen, was heute in Griechenland, Portugal oder Spanien passiert: Privatisierung des Staatseigentums, Deregulierung der Arbeitsmärkte und Kapitalisierung des Gesundheitssystems. Das wollte die Regierung nicht verantworten. In Argentinien sind Arzt- und Krankenhausbesuche noch immer gratis, für alle.</p>
<p>Wie Buenos Aires reagieren wird, bleibt abzuwarten. Präsidentin Fernández de Kirchner gab sich zunächst hart. Das Land werde die Umstrukturierung fortsetzen, sagte sie am Montag Nachmittag – aber »keine Erpressungen akzeptieren«. Für den Dienstag abend (nach jW-Redak­tionsschluß) hat Wirtschaftsminister Axel Kicillof dazu eine Rede im Kongreß angekündigt.</p>
<p>Die Hedgefonds feierten inzwischen: Man erwarte, daß Argentinien sofort bezahlt, so der US-Milliardär und Chef von NML Capital, Paul Singer. Die Folgen für die argentinische Bevölkerung dürften ihn kaum interessieren. Auch die ersten Auswirkungen des Urteils machen pessimistisch: An der Börse in Buenos Aires stürzten die Kurse um acht Prozent ab, Kreditversicherungen auf argentinische Staatsschulden schossen in die Höhe.</p><p>The post <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/hedgefonds-triumphieren/">Hedgefonds triumphieren</a> first appeared on <a href="https://work-in-progress-journalisten.de">Journalistenbüro work in progress</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Rechtlose Erntehelfer</title>
		<link>https://work-in-progress-journalisten.de/rechtlose-erntehelfer/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 Jun 2014 12:28:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Presse]]></category>
		<category><![CDATA[IG BAU]]></category>
		<category><![CDATA[junge Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Migranten]]></category>
		<category><![CDATA[Mindestlohn]]></category>
		<category><![CDATA[Prekarität]]></category>
		<category><![CDATA[Saisonarbeiter]]></category>
		<category><![CDATA[Wanderarbeiter]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>IG BAU prangert menschenunwürdige Zustände in der Landwirtschaft an. Drastischer Fall in Thüringen offenbart aber auch Schwäche von Kontrollbehörden und Gewerkschaft Von Jörn Boewe, junge Welt, 17. Juni 2014 Die Erdbeerernte läuft auf Hochtouren und gibt der Debatte um weitere &#8230; <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/rechtlose-erntehelfer/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><b>IG BAU prangert menschenunwürdige Zustände in der Landwirtschaft an. Drastischer Fall in Thüringen offenbart aber auch Schwäche von Kontrollbehörden und Gewerkschaft</b></p>
<p><i><a href="http://www.jungewelt.de/2014/06-17/027.php">Von Jörn Boewe, junge Welt, 17. Juni 2014</a></i></p>
<p>Die Erdbeerernte läuft auf Hochtouren und gibt der Debatte um weitere Ausnahmen vom geplanten gesetzlichen Mindestlohn neuen Schwung. Am Donnerstag vergangener Woche trafen sich Vertreter der landwirtschaftlichen Großbetriebe bei Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD), um für eine Sonderregelung für Saisonarbeiter zu werben. Die Branche habe »allergrößte Bedenken gegen die Einführung eines Mindestlohns«, sagte Bauernverbandspräsident Joachim Rukwied der <i>Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung</i>. Nach Ansicht des Agrarfunktionärs würde der Anbau von Obst, Gemüse und Wein in Deutschland unter einer gesetzlichen Lohnuntergrenze »erheblich leiden«.</p>
<p>Derweil leiden derzeit vor allem Saisonarbeiter aus Osteuropa, weil es in der Landwirtschaft bislang keinen verbindlichen Mindestlohn gibt und sie sich in der Praxis ganz allgemein in einer weitgehend rechtlosen Situation befinden. Auf einen besonders drastischen Fall machte die zuständige Industriegewerkschaft Bauen, Agrar, Umwelt am Freitag aufmerksam. Rumänische Erntehelfer, die auf dem Erdbeerhof Gebesee in Thüringen eingesetzt waren, hatten sich mit einem Hilferuf an den Europäischen Verein für Wanderarbeiterfragen gewandt, eine gewerkschaftliche Organisation, die sich speziell um Saisonarbeiter kümmert und vor einigen Jahren auf Initiative der IG BAU gegründet worden war.<br /><a name='more'></a><br />In dem Großbetrieb 20 Kilometer nördlich von Erfurt waren den Angaben der Gewerkschaft zufolge rund 700 Erntehelfer eingesetzt und – so der Notruf – unter menschenunwürdigen Bedingungen untergebracht. Jeweils rund 20 Menschen hätten sich Zimmer von etwa zehn Quadratmetern geteilt, für alle zusammen gebe es nur drei Sanitärbereiche, hieß es. Für gut 230 Personen habe es je eine Dusche und WC gegeben, hieß es in der Erklärung der IG BAU. Die Erntehelfer hätten die »Behausungen« auch noch von ihrem kargen Akkordlohn bezahlen müssen. Auf die Stunde gerechnet habe dieser bei »nicht einmal drei Euro« gelegen.</p>
<p>»Solche Skandale können einem den Appetit auf Erdbeeren gründlich vermiesen«, erklärte der stellvertretende IG-BAU-Bundesvorsitzende Harald Schaum. »Leider sind sie in der Landwirtschaft kein Einzelfall.« Die Gewerkschaft erlebe »immer wieder, daß Erntehelfer auf das übelste ausgebeutet werden«.</p>
<p>Die Stimmung unter den Saisonarbeitern, die den Angaben zufolge überwiegend aus Rumänien, Ungarn und Bulgarien kommen, war explodiert, nachdem am Pfingstmontag zwei Arbeiterinnen von einem Traktor gestürzt und von einem Anhänger überrollt worden waren. Die beiden Frauen mußten laut Polizei mit einem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus geflogen werden. Wie es bei der Gewerkschaft hieß, soll Angehörigen untersagt worden sein, die Verletzten im Krankenhaus zu besuchen, statt dessen habe man sie zur Weiterarbeit angehalten.</p>
<p>Nach Informationen einer Erntehelferin, die sich an den Wanderarbeiterverein wandte, reagierte das Unternehmen am Mittwoch vergangener Woche rigoros: Zwei rumänische Saisonkräfte, die des Englischen mächtig waren und die man offenbar als Rädelsführer ansah, seien vom Betriebsgelände verwiesen und zum Erfurter Hauptbahnhof gebracht worden.</p>
<p>Sekretäre der zuständigen IG-BAU-Gliederung in Magdeburg fuhren zu dem Betrieb, konnten aber keinen direkten Kontakt zu den Beschäftigten herstellen, war bei der Gewerkschaft zu erfahren. Die Beratungsstelle »Faire Mobilität« beim DGB-Landesbezirk Berlin-Brandenburg wurde in Kenntnis gesetzt. Doch auch dort fehlte es offenbar an Personal, Leute nach Thüringen zu schicken und sich in den Konflikt einzuschalten. So habe man die zuständige Ermittlungsbehörde, die Finanzkontrolle Schwarzarbeit der Zollverwaltung informiert. Ob diese inzwischen Ermittlungen eingeleitet hat, war am Montag nicht in Erfahrung zu bringen.</p>
<p>Informiert wurden auch die Fraktionen der Linken und der SPD im Thüringer Landtag. Die SPD stellte am Freitag eine entsprechende parlamentarische Anfrage an die Landesregierung, über die die lokale Presse berichtete. Das Unternehmen wies daraufhin die Vorwürfe als »haltlos« zurück. Die effektive Arbeitszeit betrage rund neun Stunden am Tag, die von einem früheren Internatsbetrieb übernommenen Zimmer seien mit zwei bis acht Erntehelfern belegt, sagte der geschäftsführende Gesellschafter des Erdbeerhofes, laut Nachrichtenportal ­insüdthüringen.de.­ Der Verdienst der Erntehelfer liege bei 1000 bis 1500 Euro im Monat, wovon ihnen sechs Euro pro Tag für Unterkunft und Verpflegung abgezogen würden. Ein Unternehmenssprecher sagte der <i>Thüringer Allgemeinen</i>, es gebe »Anstifter, die Unruhe unter den Helfern provozierten«.</p>
<p>Laut IG BAU sind derzeit deutschlandweit rund 300000 Saisonarbeiter in der Landwirtschaft im Einsatz. Bei einem großen Teil sparen sich die Unternehmer nach Gewerkschaftsangaben die Sozialversicherungsbeiträge, indem sie eine Gesetzeslücke ausnutzen. Danach entfällt für Beschäftigungsverhältnisse die auf maximal 50 Tage befristet sind, die Versicherungspflicht. Die Regelung war ursprünglich für Ferientätigkeiten von Schülern und Studenten gedacht.</p><p>The post <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/rechtlose-erntehelfer/">Rechtlose Erntehelfer</a> first appeared on <a href="https://work-in-progress-journalisten.de">Journalistenbüro work in progress</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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