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	<title>Finanzinvestoren | Journalistenbüro work in progress</title>
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	<description>Hier bloggen die freien Journalisten Jörn Boewe und Johannes Schulten</description>
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		<title>Der menschliche Faktor</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Jun 2015 06:58:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Presse]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Deutsche Post Der Streik wird zur Machtprobe zwischen dem Konzern und Verdi: Lässt sich Lohndumping hierzulande überhaupt noch verhindern? Von Jörn Boewe und Johannes Schulten, der Freitag, 18. Juni 2015 Zumindest seine Ehrlichkeit muss man dem Post-Vorstand Jürgen Gerdes hoch &#8230; <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/der-menschliche-faktor/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><span class="catchword">Deutsche Post</span> Der Streik wird zur Machtprobe zwischen dem Konzern und Verdi: Lässt sich Lohndumping hierzulande überhaupt noch verhindern?</strong></p>
<p><em><a href="https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/der-menschliche-faktor-1" target="_blank">Von Jörn Boewe und Johannes Schulten, der Freitag, 18. Juni 2015</a></em></p>
<p>Zumindest seine Ehrlichkeit muss man dem Post-Vorstand Jürgen Gerdes hoch anrechnen: Zwar sei es ungerecht, wenn Unternehmen unterschiedliche Löhne für gleiche Arbeit zahlen, meinte der Manager. „Sie werden aber kein Unternehmen finden, bei dem es anders ist.“ Für alle, die es immer noch nicht verstanden haben: Die Unternehmer haben sich zwar jahrelang Hand in Hand mit dem DGB für ein Tarifeinheitsgesetz stark gemacht. Tatsächlich ist ihnen das Prinzip „Ein Betrieb – ein Tarifvertrag“ aber vollkommen egal.<br />
<span id="more-730"></span>Derzeit vollzieht die Post das mit ihren Paketzustellern. 6.000 der 24.000 befristet Beschäftigten wurden bereits in diesem Jahr in 49 eigens gegründete Billiglohntöchter überführt. Zehn- bis zwanzigtausend sollen es bis 2020 werden. Bezahlt werden sie nicht mehr nach dem Haustarifvertrag der Post, sondern auf dem Niveau der Speditionsbranche. Nach Gewerkschaftsangaben liegen hier die Löhne bis zu 20 Prozent niedriger.</p>
<div class="text">
<p>Anfang Juni hat die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi alle DHL-Beschäftigten zu unbefristeten Streiks aufgerufen. Für die Gewerkschaft ist es eine erbitterte Verteidigungsschlacht: Bei Verdi sind rund 80 Prozent der 140.000 Post-Angestellten organisiert. Das ist ein Anteil, wie man ihn in den Großbetrieben der Metall- und Chemieindustrie kennt, aber nicht im Dienstleistungssektor. Wenn es Verdi irgendwo gelingen kann, den Outsourcing-Strategien Grenzen zu setzen, dann bei der Post.</p>
<p>Dieses dichte Netz gewerkschaftlicher Organisation ist ein Erbstück der alten Bundespost. In den Jahren des Nachkriegsbooms hinkten die Gehälter der Postangestellten denen der Industriearbeiter immer deutlich hinterher. Gewerkschaftliche Selbsthilfeorganisationen gewannen deshalb stark an Bedeutung. Davon zehrt Verdi heute noch. Dass die Postler in der Lage sind, einen entschlossenen Arbeitskampf zu führen, bewiesen sie zuletzt 2008, als der Konzern versuchte, die Arbeitszeit auf 41 Wochenstunden zu verlängern. Mit einem 30-tägigen Streik konnten die Beschäftigten die Pläne durchkreuzen.</p>
<h2>Einstieg in den Abstieg</h2>
<p>Der aktuelle Konflikt erinnert an den sechswöchigen Telekom-Streik 2007. Die ehemalige Post-Tochter hatte damals – nicht lange nach dem Einstieg des Finanzinvestors Blackstone – 50.000 ihrer Beschäftigten in die Billiglohntochter T-Service überführt. Wie heute bei der Post versuchte Verdi die Aufspaltung des Konzerns mit einem Streik zu verhindern. Die Telekom drohte darauf, die Servicegesellschaften komplett zu verkaufen. Die Erpressung ging auf: Obwohl der Streik Wirkung zeigte, akzeptierte Verdi zähneknirschend die Ausgliederung. Das Ergebnis: Für Altbeschäftigte wurden die Löhne um 6,5 Prozent gekürzt, für Neueingestellte um 30 Prozent. Die Streikenden waren von dem Deal wenig begeistert. Eine monatelange „organisationsinterne Aufklärungskampagne“ – so die Sprachregelung der Gewerkschaft – war nötig, um die Mitglieder zur Annahme des Kompromisses zu bewegen, der immerhin betriebsbedingte Kündigungen bis 2012 ausschloss. Resignation machte sich breit. Die Spaltung der Beschäftigten war festgeschrieben, der Einstieg in die Abwärtsspirale vollzogen.</p>
<p>Das Gleiche versucht heute die Post AG. Nur so könne man wettbewerbsfähig bleiben, heißt es zur Begründung. Das passt gut zum Zeitgeist, ist aber Unfug: Die Post ist Branchenführer und wettbewerbsfähiger als jeder Konkurrent. Müsste das Unternehmen tatsächlich um seine Marktposition kämpfen, wäre zu erwarten, dass es Gewinne vor allem reinvestiert. Tatsächlich wird mehr als die Hälfte des Überschusses ausgeschüttet. Erst vor drei Wochen wurde die Dividende zum wiederholten Mal erhöht.</p>
<h2>Der Börsenstar</h2>
<p>Überhaupt kommt in diesem Konflikt viel psychologisches Brimborium zum Einsatz: So etwa die Erzählung, die Privatisierung habe aus der verstaubten „Schneckenpost“ (<em>Handelsblatt</em>) einen modernen Logistikdienstleister gemacht. Wie der Historiker Bernt Engelmann in seinem Buch über das deutsche Kaiserreich schreibt, schaffte es die angeblich schlafmützige Behörde bereits vor mehr als hundert Jahren, in Großstädten wie Berlin dreimal täglich Briefe zuzustellen. Auf die Idee, die Briefzustellung montags einzustellen, kam erst der „Modernisierer“ Frank Appel im Jahr 2009.</p>
<p>Es ist eine Ironie der Geschichte, dass die Post als Ex-Staatskonzern hier lehrstückhaft demonstriert, was „finanzmarktgetriebener Kapitalismus“ bedeutet. Denn der Börsenstar Post ist Täter und Opfer zugleich. Ohne Not gab Vorstandschef Frank Appel 2014 eine Gewinnprognose bis 2020 aus – für einen DAX-Konzern ein völlig unüblicher Vorgang. Bis zum Ende des Jahrzehnts soll der Gewinn jährlich um acht Prozent wachsen, von 2,9 auf mindestens fünf Milliarden Euro. Fällt die Post unter diese selbst gesetzte Benchmark, wird sie den Märkten künftig als <em>low performer</em> gelten, mit allen Konsequenzen für Aktienkurs und Refinanzierungsmöglichkeiten. So sind die Spielregeln. Die Geister, die Appel rief, wird er nicht mehr los.</p>
<p>In diesem Panorama sind Tarifflucht und Lohndumping nicht nur eine vermeintlich unkomplizierte Strategie zur Kostenreduzierung, sondern auch ein wichtiges Signal an die flatterhaften Finanzmärkte. Dass die Post ihre Outsourcing-Runde ausgerechnet um den Jahreswechsel 2014/15 herum einleitete, war kein Zufall. Offenkundig wollte der Vorstand den Aktionären bereits auf der Hauptversammlung im Mai Ergebnisse präsentieren.</p>
<p>Dazu passt, dass das Management schon 2014 immer mal wieder bei Verdi vorstellig wurde, um über eine Absenkung der Löhne zu verhandeln. Wahrscheinlich glaubte man, die Gewerkschaft ähnlich unter Druck setzen zu können wie einen Lieferanten, der auf eine Verlängerung eines langfristigen Dienstleistungsvertrags hofft. Doch offenbar hatte die Post nicht bedacht, dass Tarifpolitik in Deutschland, jedenfalls bislang, immer noch anders funktioniert als die Geschäftsbeziehungen zwischen einem Quasi-Monopolisten und seinen abhängigen Zulieferern. Noch sind Briefzusteller und Paketboten keine Drohnen, sondern lebendige Menschen. Wer sich mit ihnen anlegt, muss auf menschliche Reaktionen gefasst sein.</p>
</div>
<div class="newspaper-issue-notice">
<p><em>Dieser Beitrag erschien in <a href="https://www.freitag.de/ausgaben/2515">Ausgabe 25/15</a>.</em></p>
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		<title>Hedgefonds triumphieren</title>
		<link>https://work-in-progress-journalisten.de/hedgefonds-triumphieren/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Jun 2014 07:32:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Presse]]></category>
		<category><![CDATA[Argentinien]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzinvestoren]]></category>
		<category><![CDATA[junge Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kommentar. US-Urteil zu Argentiniens Staatsschulden Von Johannes Schulten, junge Welt, 18. Juni 2014 Nicht nur in Argentinien, auch in Europa dürfte das Urteil im Prozeß um ausstehende argentinische Auslandsschulden auf reges Interesse stoßen. Der Oberste Gerichtshof der USA hat am &#8230; <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/hedgefonds-triumphieren/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Kommentar. US-Urteil zu Argentiniens Staatsschulden</b></p>
<p><i><a href="http://www.jungewelt.de/2014/06-18/028.php">Von Johannes Schulten, junge Welt, 18. Juni 2014</a></i></p>
<p>Nicht nur in Argentinien, auch in Europa dürfte das Urteil im Prozeß um ausstehende argentinische Auslandsschulden auf reges Interesse stoßen. Der Oberste Gerichtshof der USA hat am Montag (Ortszeit) einen Berufungsantrag Argentiniens abgelehnt. Damit ist eingetreten, womit wenige gerechnet, was aber viele befürchtet hatten: Das Land am Río de la Plata muß 1,3 Milliarden US-Dollar an eine Reihe US-Hedgefonds zahlen. Die gehörten zu einer kleinen Gruppe von Spekulanten, die die Schuldenumstrukturierungen von 2005 und 2010 abgelehnt hatten. Während Argentinien 13 Jahren nach der Krise von 2001 ein weiterer Staatsbankrott drohe könnte, haben die Fonds sogar doppelt profitiert – sie streichen nicht nur ihre Investitionen von damals ein, sondern kassieren auch die seither angefallenen Zinsen.<br /><a name='more'></a><br />Die Entscheidung aus Washington trifft nicht nur Buenos Aires. Sie ist auch ein Fingerzeig an Europas Krisenstaaten. Offiziell haben zwar bisher weder Griechenland noch Spanien darüber spekuliert, ihre erdrückende Schuldenlast durch harte Verhandlungen mit den Gläubigern zu lindern, anstatt durch Kürzungsprogramme auf dem Rücken der Bevölkerung. Doch man kann ja nie wissen. Nach dem Urteil braucht sich niemand mehr Sorgen zu machen. Warum sollten Gläubiger in Zukunft mit Regierungen über Umschuldungen verhandeln, wenn sie ihre Forderungen auch vor US-Gerichten einklagen können?</p>
<p>Klar ist: Ohne Schuldenschnitt hätte es den einzigartigen Wirtschaftsboom, den Argentinien praktisch seit 2003 erlebte, nicht gegeben. Die Regierung hatte die Gläubiger vor die Wahl gestellt: Entweder sie verzichten auf 70 Prozent ihrer Forderungen oder sie gehen leer aus. Um knapp 66 Milliarden US-Dollar konnten die Auslandsschulden so gesenkt werden. Die Alternative wäre das gewesen, was heute in Griechenland, Portugal oder Spanien passiert: Privatisierung des Staatseigentums, Deregulierung der Arbeitsmärkte und Kapitalisierung des Gesundheitssystems. Das wollte die Regierung nicht verantworten. In Argentinien sind Arzt- und Krankenhausbesuche noch immer gratis, für alle.</p>
<p>Wie Buenos Aires reagieren wird, bleibt abzuwarten. Präsidentin Fernández de Kirchner gab sich zunächst hart. Das Land werde die Umstrukturierung fortsetzen, sagte sie am Montag Nachmittag – aber »keine Erpressungen akzeptieren«. Für den Dienstag abend (nach jW-Redak­tionsschluß) hat Wirtschaftsminister Axel Kicillof dazu eine Rede im Kongreß angekündigt.</p>
<p>Die Hedgefonds feierten inzwischen: Man erwarte, daß Argentinien sofort bezahlt, so der US-Milliardär und Chef von NML Capital, Paul Singer. Die Folgen für die argentinische Bevölkerung dürften ihn kaum interessieren. Auch die ersten Auswirkungen des Urteils machen pessimistisch: An der Börse in Buenos Aires stürzten die Kurse um acht Prozent ab, Kreditversicherungen auf argentinische Staatsschulden schossen in die Höhe.</p><p>The post <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/hedgefonds-triumphieren/">Hedgefonds triumphieren</a> first appeared on <a href="https://work-in-progress-journalisten.de">Journalistenbüro work in progress</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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