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	<title>Windkraft | Journalistenbüro work in progress</title>
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	<description>Hier bloggen die freien Journalisten Jörn Boewe und Johannes Schulten</description>
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		<title>Windkraft ohne Wertschöpfung?</title>
		<link>https://work-in-progress-journalisten.de/windkraft-ohne-wertschoepfung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[work in progress]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Feb 2026 17:39:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Presse]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ostdeutschland produziert so viel Windstrom wie kaum eine Region – doch die Industrie bleibt aus. Zementiert die Energiewende alte Machtverhältnisse? Von Jörn Boewe, Ostdeutsche Allgemeine Zeitung, 24. Feb. 2026 Wer im Frühling durch Brandenburg fährt, sieht sie schon von Weitem: &#8230; <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/windkraft-ohne-wertschoepfung/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ostdeutschland produziert so viel Windstrom wie kaum eine Region – doch die Industrie bleibt aus. Zementiert die Energiewende alte Machtverhältnisse?</strong></p>
<p><a href="https://ostdeutscheallgemeine.com/article/warum-der-osten-kaum-von-der-stromindustrie-profitiert-und-was-markus-soeder-dafuer-kann-10020750" target="_blank" rel="noopener"><em>Von Jörn Boewe, Ostdeutsche Allgemeine Zeitung, 24. Feb. 2026</em></a></p>
<p>Wer im Frühling durch Brandenburg fährt, sieht sie schon von Weitem: die weißen Riesen, die über den Rapsfeldern kreisen wie eine neue Art von Landschaftstier. An der Ostseeküste stehen sie im Wasser, als hätten sie dort Wurzeln geschlagen. In Sachsen-Anhalt ziehen sich die Türme bis an den Horizont. Rotorblatt an Rotorblatt, Trasse an Trasse. Die Energiewende hat hier eine Adresse, eine Silhouette, eine Geräuschkulisse.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Der Osten Deutschlands ist längst eine der produktivsten Stromfabriken des Landes. Sachsen-Anhalt zählt zu den führenden Onshore-Standorten, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern speisen gewaltige Mengen Windstrom ins Netz. Die Kilowattstunden entstehen hier – zuverlässig, massenhaft, wetterabhängig – und doch im System beherrschbar.</p>
<p>Dennoch steht über diesen Landschaften eine Frage, die sich nicht wegdrehen lässt wie ein Rotor im Wind: Wo bleibt die neue Industrie?</p>
<p><span id="more-2231"></span></p>
<h2 class="text-black pt-4 text-[20px] leading-[30px] font-bold font-libreFranklin">Der ökonomische Aufbruch bleibt aus</h2>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Der Strom fließt. Aber er bleibt nicht. Er rauscht durch Umspannwerke und Hochspannungsleitungen Richtung Westen und Süden, in gewachsene Produktionscluster, in Chemieparks, Automobilwerke, Maschinenbauzentren. Dorthin, wo seit Jahrzehnten industrielle Wertschöpfung verdichtet ist – und wo stabile, einheitliche Strompreise gelten, unabhängig davon, ob vor der Haustür ein Windrad steht oder nicht. Zurück bleiben im Norden und Osten Pachteinnahmen für Landwirte, Wartungsverträge, Gewerbesteuer. Das ist nicht nichts. Aber es ist auch nicht die große industrielle Erzählung, die Regionen dauerhaft verändert.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Gleichzeitig trägt der Osten eine andere Last. Nach <a href="https://www.verivox.de/strom-gas/nachrichten/heizen-strom-autofahren-energiekosten-belasten-ostdeutsche-haushalte-besonders-stark-1120877/">Berechnungen des Vergleichsportals Verivox</a> lag die kaufkraftbereinigte Energiekostenbelastung ostdeutscher Haushalte im Jahr 2024 rund 22 Prozent über dem westdeutschen Niveau. Nicht, weil Stromtarife systematisch höher wären – die Unterschiede verlaufen eher zwischen Netzgebieten, entlang von Konzessionsabgaben und zwischen Stadt und Land. Entscheidend ist das Verhältnis: niedrigere Einkommen, ähnliche Energieausgaben. Die Kilowattstunde frisst im Osten einen größeren Teil des Budgets.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Das mag kein Skandal im eigentlichen Sinne des Wortes sein. Aber es ist ein politisches Gefühl. Eine Region produziert saubere Energie – und zahlt relativ mehr dafür. Sie sieht die Rotoren vor dem Küchenfenster und merkt doch wenig von einem ökonomischen Aufbruch.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Wind weht nicht dort, wo Industrie historisch gewachsen ist. Er weht an Küsten, über Ebenen, in dünn besiedelten Räumen. Die Energiewende verschiebt damit die Geografie der Erzeugung. Aber sie verschiebt nicht automatisch die Geografie der Wertschöpfung. Auf dem Strommarkt ist jede Kilowattstunde gleich – ortsunabhängig handelbar, einheitlich bepreist. Physikalisch stimmt das nur bedingt. Strom muss transportiert, Netze müssen verstärkt, Engpässe gemanagt werden. Doch das Marktdesign behandelt ihn wie ein homogenes Gut.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Für eine exportorientierte Volkswirtschaft ist das mehr als eine regionale Befindlichkeit. Energiepreise, Versorgungssicherheit, Netzstabilität – sie entscheiden über Wettbewerbsfähigkeit. Wenn die neue Energiegeografie nicht mit aktiver Industriepolitik gekoppelt wird, entsteht eine paradoxe Dynamik: Die Regionen, die den Umbau physisch tragen, bleiben ökonomisch schwächer. Die industriellen Kerne sichern ihre Vorteile. Die Transformation würde bestehende Strukturen zementieren, statt neue zu schaffen.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Deshalb flammt immer wieder die Debatte über getrennte Strompreiszonen auf. Günstigere Preise dort, wo viel erneuerbarer Strom produziert wird; höhere Preise in Verbrauchszentren. In anderen europäischen Ländern existieren solche Modelle. Regionale Preissignale können Knappheiten sichtbar machen und Investitionen lenken. Doch sie sind kein Zauberstab. Unternehmen kalkulieren über Jahrzehnte. Sie fragen nach Netzanschlüssen, Genehmigungsdauern, Fachkräften, Lieferketten, regulatorischer Verlässlichkeit. Ein Preisunterschied von wenigen Cent pro Kilowattstunde ersetzt keine funktionierende Infrastruktur.</p>
<h2 class="text-black pt-4 text-[20px] leading-[30px] font-bold font-libreFranklin">Bayern will 1.000 neue Windräder bauen bis 2030</h2>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Besonders deutlich wird die Asymmetrie im politischen Schlagabtausch. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) fordert regelmäßig günstige Energie für den Industriestandort – und stellte sich über Jahre gegen einen beschleunigten Ausbau der Windkraft im eigenen Bundesland. Strenge Abstandsregeln wie die 10H-Regel bremsten den Ausbau, während die Industrie von stabilen, einheitlichen Strompreisen profitierte. In dieser Konstellation wirkt Söder wie ein politischer Winddieb: nicht, weil er Strom stiehlt, sondern weil er von erneuerbarer Erzeugung anderswo profitiert, ohne vergleichbare Ausbauanstrengungen zu leisten.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Nun kündigt Bayern einen Kurswechsel an. Bis 2030 sollen bis zu 1.000 neue Windräder entstehen, Genehmigungen beschleunigt werden. Der späte Ausbauwille ist industriepolitisch rational: Wer wettbewerbsfähige Strompreise sichern will, kann sich eine dauerhafte Abhängigkeit vom Wind anderer Regionen nicht leisten. Doch selbst dieser Schwenk ändert nichts am strukturellen Kernproblem. Solange erneuerbare Energie vor allem über einheitliche Marktmechanismen verteilt wird, bleibt die Frage offen, wo Wertschöpfung tatsächlich entsteht – und wer am Ende vom Wind profitiert.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Am Markt ist Strom eine standardisierte Ware. Die eigentlichen Multiplikatoreffekte entstehen nicht im Windpark, sondern in der Fabrikhalle. Dort, wo Energie in chemische Prozesse, in Stahl, in Kunststoffe, in Rechenzentren, in neue Wertschöpfungsketten übersetzt wird. Eine Region, die Strom exportiert, bleibt Infrastrukturraum. Eine Region, die Strom in Produkte, Moleküle und industrielle Fertigung verwandelt, wird Produktionsraum.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Die strategische Frage lautet also: Wo entstehen aus erneuerbarer Energie industrielle Cluster?</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Ein Blick nach Zeitz in Sachsen-Anhalt zeigt, dass es mehr sein kann als Theorie. Dort betreibt ein Werk der Südzucker AG eine 10-Megawatt-Power-to-Heat-Anlage. Elektrischer Dampf ersetzt fossile Prozesswärme. Perspektivisch wird ein BioEnergyHub diskutiert – mit Biomasse, CO₂-Nutzung, weiterer Elektrifizierung. Hier wird Strom nicht nur eingespeist, sondern in industrielle Prozesse eingebettet. Der Wind bleibt nicht abstrakt, er wird zu Dampf, zu Produkt, zu Wertschöpfung.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Doch aus Gesprächen mit betrieblichen Akteuren wird klar: Die Technik ist selten das Hauptproblem. Turbinen, Elektrolyseure, Wärmepumpen – sie sind verfügbar. Die größere Hürde ist die Investitionslogik. Industrielle Anlagen werden über Jahrzehnte abgeschrieben. Elektrifizierung bedeutet Kapitalbindung, neue Lastprofile, oft höhere Anschlussleistungen. Unternehmen brauchen langfristige Netz- und Planungssicherheit. Transformation scheitert selten am Ingenieurwissen. Sie scheitert an Unsicherheit.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Für Hochtemperaturprozesse kommen Wasserstoff und Power-to-X-Verfahren ins Spiel – also die Umwandlung von Strom in synthetische Kraftstoffe oder chemische Grundstoffe. Die PCK-Raffinerie im brandenburgischen Schwedt steht exemplarisch für diese Weggabelung. In unmittelbarer Nähe großer Windregionen könnte aus einem fossilen Raffineriestandort eine Plattform für grünen Wasserstoff entstehen. Technologisch ist vieles möglich. Aber die entscheidende Frage lautet: Werden diese Technologien in regionale Produktionsketten eingebettet? Oder bleibt auch hier der Strom vor allem Durchgangsware?</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Windparks und Trassen sind sichtbare Zeichen der Transformation. Sie verändern Landschaften, Identitäten, Heimatbilder. Wenn jedoch die industrielle Wertschöpfung anderswo entsteht, entsteht eine Schieflage in der Wahrnehmung: Die Eingriffe sind lokal, die Gewinne verteilen sich überregional. Das ist kein Argument gegen Windkraft. Es ist ein Argument gegen eine blinde Marktgläubigkeit.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Die industrielle Transformation entscheidet sich nicht im Höchstspannungsnetz allein, sondern in den Mittel- und Niederspannungsnetzen vor Ort. Unternehmen, die elektrifizieren oder Elektrolyse einsetzen wollen, brauchen höhere Anschlussleistungen. Genau hier entstehen Verzögerungen. Genehmigungen ziehen sich, Netzverstärkungen fehlen, Kapazitäten sind ausgelastet.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Die Summen, um die es geht, sind enorm. Einer <a href="https://www.agora-energiewende.de/aktuelles/wie-die-milliardenluecke-beim-ausbau-von-strom-und-waermenetzen-geschlossen-werden-kann?">Untersuchung</a> zufolge beläuft sich der Investitionsbedarf für Strom- und Wärmenetze bis 2045 auf rund 627 Milliarden Euro. Ein erheblicher Teil entfällt auf Verteilnetze in der Fläche – also genau dort, wo neue industrielle Verbraucher entstehen könnten. Gleichzeitig tragen die Kommunen eine Rekordverschuldung von rund 171 Milliarden Euro. Bis 2035 wird zusätzliches Eigenkapital von rund 68 Milliarden Euro benötigt.</p>
<h2 class="text-black pt-4 text-[20px] leading-[30px] font-bold font-libreFranklin">Windenergie ist ein Standortvorteil – eigentlich</h2>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Während über große Nord-Süd-Trassen gestritten wird, bleibt die Ebene unterfinanziert, auf der sich entscheidet, ob ein Mittelständler seine Produktion elektrifizieren kann oder nicht. Verzögerte Netzanschlüsse bedeuten verschobene Investitionen – und verschobene Arbeitsplätze. Infrastrukturtempo ist Industriepolitik in Beton und Kupfer gegossen.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Wenn kommunale Netzbetreiber die nötigen Investitionen nicht stemmen können, entsteht kein verlässliches Umfeld für energieintensive Zukunftsbranchen. Wer industrielle Elektrifizierung will, muss die öffentliche Investitionsfähigkeit in der Fläche stärken – durch Kapitalzuführungen, Kreditgarantien oder neue Finanzierungsinstrumente. Sonst bleibt die Energiewende eine beeindruckende Kulisse ohne ökonomischen Kern.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Für die Lausitz, für Brandenburg, für Sachsen-Anhalt, für die Küstenregionen stellt sich damit eine Richtungsfrage. Wollen sie Energie liefern – oder industrielle Cluster rund um elektrische Produktion und grüne Moleküle entwickeln? Die geografische Konzentration erneuerbarer Erzeugung ist kein Nachteil. Sie ist ein Standortfaktor. Aber nur, wenn Politik ihn aktiv nutzt.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Industriepolitik heißt dabei nicht, einzelne Gewinner auszuwählen oder Subventionen auf Dauer zu stellen. Es heißt, Energieinfrastruktur, Kapitalzugang und Ansiedlungsstrategie strategisch zu verzahnen. Es heißt, aus Wind nicht nur Strom zu machen, sondern Struktur.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Sonst bleibt ein Bild, das schwer auszuhalten ist: Offshore-Anlagen vor der Ostsee, Windparks in Sachsen-Anhalt, Leitungen durch Brandenburg – und industrielle Wertschöpfung anderswo. Die Energiewende ist gestaltbar. Als reines Marktprojekt verwaltet sie Infrastruktur. Als Industrieprojekt verschiebt sie wirtschaftliche Kräfteverhältnisse.</p>
<p class="text-black text-[18px] leading-[28.8px] font-normal font-gelasio">Ob der Nordosten Infrastrukturraum bleibt oder zum industriellen Zentrum einer elektrifizierten Produktion wird, entscheidet sich nicht im Windpark. Es entscheidet sich in Investitionsplänen, Netzanschlüssen, politischen Prioritäten. Und letztlich in der Antwort auf eine einfache Frage: Wem soll die neue Energie dienen – und wer darf sie nicht nur nutzen, sondern auch in Wertschöpfung verwandeln, statt dauerhaft vom Wind anderer zu leben?</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Geschäftsmodell in der Krise</title>
		<link>https://work-in-progress-journalisten.de/geschaeftsmodell-in-der-krise/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[work in progress]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 08 Jan 2026 14:31:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[our 2 cents]]></category>
		<category><![CDATA[der Freitag]]></category>
		<category><![CDATA[Gewerkschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Politische Ökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[Strategie]]></category>
		<category><![CDATA[Windkraft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Abstieg oder Aufbruch? Nach langer Rezession ist absehbar, wohin sich die deutsche Wirtschaft im neuen Jahr entwickelt. Geraten dabei Gewerkschaften und Betriebsräte weiter derart unter Druck, erodiert die Demokratie Von Jörn Boewe, Der Freitag, 02/2026 Die deutsche Wirtschaft wird 2026 &#8230; <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/geschaeftsmodell-in-der-krise/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Abstieg oder Aufbruch? Nach langer Rezession ist absehbar, wohin sich die deutsche Wirtschaft im neuen Jahr entwickelt. Geraten dabei Gewerkschaften und Betriebsräte weiter derart unter Druck, erodiert die Demokratie</strong></p>
<p><a href="https://www.freitag.de/autoren/joern-boewe/stuerzt-die-deutsche-wirtschaft-2026-endgueltig-ab-das-ist-eine-frage-der-macht" target="_blank" rel="noopener"><em>Von Jörn Boewe, Der Freitag, 02/2026</em></a></p>
<p>Die deutsche Wirtschaft wird 2026 wohl wachsen. Nicht stark, aber genug, um von einer Erholung zu sprechen. Die Inflation ist deutlich gesunken, die Tarifabschlüsse haben reale Verluste zumindest teilweise ausgeglichen. Nur – für wen wirkt diese Erholung? Gerade in Phasen mäßigen Wachstums entscheidet nicht die Höhe der Zuwächse, sondern ihre soziale und politische Verteilung darüber, ob sich ein Wirtschaftsmodell stabilisiert oder weiter unter Spannung gerät.<a href="https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2026/01/Screenshot-2026-01-08-151015.png"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="aligncenter wp-image-2212 size-full" src="https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2026/01/Screenshot-2026-01-08-151015.png" alt="" width="753" height="609" srcset="https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2026/01/Screenshot-2026-01-08-151015.png 753w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2026/01/Screenshot-2026-01-08-151015-300x243.png 300w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2026/01/Screenshot-2026-01-08-151015-371x300.png 371w" sizes="(max-width: 753px) 100vw, 753px" /></a>Die jetzige Lage lässt sich nur verstehen, nimmt man die<strong> lange Rezession</strong> ernst, aus der Deutschland sich bislang kaum befreit hat. Seit 2022/23 bewegt sich die Wirtschaft in einer Phase von Stagnation und Minimalwachstum, die in ihrer Dauer und Struktur ungewöhnlich ist. Anders als frühere Abschwünge war sie kein kurzer zyklischer Einbruch mit anschließender kräftiger Gegenbewegung, sondern eine lange Schwächephase, überlagert von Pandemiefolgen, Energiepreisschock, geopolitischer Fragmentierung und geldpolitischer Straffung.</p>
<p>Es ist eine <strong>Krise des Modells, nicht eine bloße Konjunkturdelle</strong>. Sie ging weniger mit massiver Arbeitslosigkeit einher als mit kumulierten Reallohnverlusten bis 2023, wachsender Unsicherheit und schleichender Verarmung. Mit dem Ukrainekrieg und der Energiekrise setzte ein ökonomischer Einschnitt ein, der trotz Soforthilfen und Einmalzahlungen sozial nie wieder vollständig aufgefangen wurde. Kaufkraft wurde entwertet, Wohnkosten stiegen, während sich Vermögen weiter konzentrierten. Die tarifpolitische Aufholbewegung 2024/25 kompensierte die Verluste nur teilweise, und vor allem nicht für alle Lohnabhängigen. Viele Haushalte machten Abstiegserfahrungen, ohne einen klaren sozialen Wendepunkt, der diese Entwicklung spürbar beendet hätte.</p>
<p>Hinzu kommt die <strong>industriepolitische Dimension der Dauerkrise</strong>: Die Produktion verharrt unter dem Vor-Corona-Niveau, Investitionen bleiben aus, Monat für Monat<br />
gehen im verarbeitenden Gewerbe per Saldo mehrere Tausend Arbeitsplätze verloren. Damit geriet ausgerechnet jene Sphäre unter Druck, die historisch das Rückgrat tariflicher Ordnung und kollektiver Gegenmacht bildete. Die lange Rezession hat das Kräfteverhältnis zwischen Kapital und Arbeit bereits spürbar verschoben. Den Blick auf Knappheit, Standortnotstand und Sachzwänge hat diese Krise politisch längst normalisiert. Wo Anpassung als dauerhaft erscheint, wächst die Versuchung, sie nicht mehr sozial auszuhandeln, sondern sie disziplinierend zu organisieren.</p>
<p>Makroökonomisch zeichnet sich für 2026 ein vertrautes Bild ab: Wachstum zwischen knapp und etwas über einem Prozent, getragen von Konsum und staatlichen Impulsen, gebremst durch eine weiter geschwächte Industrie und anhaltende Unsicherheit im Export.<strong> Weder von Boom noch von einer neuen Rezession kann die Rede sein. Gerade diese Grauzone macht die Verteilungs- und Machtfrage so zentral.</strong> Denn mäßiges Wachstum schafft kaum Spielräume, um soziale Konflikte sozialpartnerschaftlich zu befrieden. So entwickeln sich die Ausrüstungsinvestitionen des industriellen Kerns der deutschen Wirtschaft schleppend. Wo Investitionen fehlen, wird Anpassung nicht über Innovation organisiert, sondern über Rationalisierung und Kostendruck – mit unmittelbaren Folgen für Beschäftigung.</p>
<p>Hinzu kommt die<strong> weltwirtschaftliche Konstellation</strong>, in der sich diese Erholung vollziehen müsste. Die globale Ökonomie prägt anhaltende Unsicherheit: geopolitische Blockbildung, industriepolitische Konkurrenz und sicherheitspolitisch motivierte Eingriffe ersetzen offene Märkte. Für eine exportabhängige Volkswirtschaft wie Deutschland bedeutet das dauerhaft eingeschränkte Wachstumsperspektiven. Das frühere Geschäftsmodell – industrielle Stärke, günstige Energie, offene Weltmärkte – trägt so nur noch begrenzt. Der schwache Aufschwung ist daher nicht nur hausgemacht, sondern Ausdruck einer veränderten Weltwirtschaft.</p>
<p>Die <strong>Löhne</strong> scheinen auf den ersten Blick zur Beruhigung beizutragen. Nach den massiven Reallohnverlusten 2021 bis 2023 kam es 2024 zu einer deutlichen tarifpolitischen Aufholbewegung. Hohe Abschlüsse trafen auf stark gesunkene Inflation, reale Zuwächse wurden erstmals wieder sichtbar. Für 2026 deutet vieles auf eine Phase nomineller Stabilisierung hin: Tarifsteigerungen im Bereich von zweieinhalb bis drei Prozent bei einer Inflation um zwei Prozent. Doch diese Durchschnittswerte verdecken mehr, als sie erklären. Die deutsche Lohnstruktur ist stark gespreizt. Ein erheblicher Teil der Beschäftigten lebt von Einkommen, die nur knapp oberhalb des Existenzminimums liegen und kaum Spielraum für Rücklagen lassen. Gerade dort ist die Tarifbindung am schwächsten. Beschäftigte im Handel, in der Logistik, in privaten Dienstleistungen oder in kleinen Betrieben profitieren oft nicht oder nur verzögert von tariflichen Abschlüssen.</p>
<p>Diese ungleiche Wirkung wird durch die <strong>Wohnkosten</strong> verschärft. Steigende Mieten und Energiekosten entziehen insbesondere unteren und mittleren Einkommen reale Kaufkraft. Selbst dort, wo Löhne nominal steigen, bleibt nach Abzug der Wohnkosten oft wenig Entlastung. Die wirtschaftliche Erholung wird so für viele Haushalte zu einer abstrakten Größe – sichtbar in Statistiken, aber kaum spürbar im Alltag.</p>
<p><strong>Tarifpolitik kann das ändern – aber nur dort, wo Gewerkschaften, Betriebsräte und Tarifbindung stark sind.</strong> All dies aber erodiert seit Jahren. Zudem wird Union Busting „normal“: Bei etwa jeder fünften Betriebsrats-Neugründung kommt es zu aktiven Gegenmaßnahmen von Arbeitgeberseite, ohne strafrechtliche Konsequenzen. Wo Mitbestimmung geschwächt ist und Tarifbindung fehlt, werden Löhne individualisiert, Konflikte entkollektiviert und Risiken auf die einzelnen Beschäftigten verlagert.</p>
<p>Wenn dazu Arbeitskämpfe zwar formal erlaubt bleiben, aber zunehmend delegitimiert, rechtlich verteuert und politisch problematisiert werden,<strong> verschiebt sich</strong><br />
<strong>Macht</strong>. Begriffe wie Wettbewerbsfähigkeit, Standorttreue oder Sicherheit ersetzen soziale Integrationsnarrative. Löhne, Streiks und Mitbestimmung erscheinen dann nicht mehr als legitime Mittel demokratischer Aushandlung, sondern als Risiken für den „Standort“ und vielleicht bald schon für die „nationale Sicherheit“. <strong>Demokratie bleibt dabei formal intakt – Wahlen finden statt, Rechte existieren auf dem Papier. Doch kollektive Gegenmacht, die sie mit Leben füllt, wird schrittweise ausgedünnt.</strong> Autoritär wird diese Entwicklung nicht durch offene Repression, sondern durch die Normalisierung asymmetrischer Machtverhältnisse, in denen soziale Aushandlung als zu langsam oder zu kostspielig erscheint.</p>
<p>Hinzu kommt: <strong>Je weniger Wachstum aus Exporten, Investitionen und internationaler Nachfrage kommt, desto stärker verlagert sich der Anpassungsdruck in den Binnenraum.</strong> Kosten, Risiken und Unsicherheiten werden dann nicht über Expansion abgefedert, sondern über Löhne, Arbeitsbedingungen und institutionelle Arrangements weitergereicht.</p>
<p>Vor diesem Hintergrund lassen sich für 2026 <strong>drei Entwicklungspfade</strong> skizzieren.</p>
<p><strong>Erstens: eine autoritäre Stabilisierung</strong>. Das Wachstum bleibt schmal, die Industrie schrumpft weiter, Lohnspreizung und Unsicherheit verfestigen sich. Anpassung erfolgt nicht über Verteilung, sondern über Druck – auf Löhne, Arbeitszeiten und Mitbestimmung. Rechte bleiben formal bestehen, verlieren aber weiter an Durchsetzungskraft. Dieses Szenario knüpft nahtlos an die in der langen Rezession entstandenen Asymmetrien an.</p>
<p><strong>Zweitens: Investitionen ziehen an, die Industrie stabilisiert sich, Tarifbindung gewinnt wieder an Boden.</strong> Reallohngewinne erreichen breitere Gruppen, nicht nur  tarifgebundene Kernbereiche. Das setzt voraus, dass soziale Aushandlung politisch gestärkt wird – durch aktive Industrie- und Investitionspolitik, Tariftreue und wirksamen Schutz kollektiver Rechte. Das wäre ein Bruch mit der Logik der vergangenen Krisenjahre.</p>
<p><strong>Drittens: Enge ökonomische Spielräume führen zu offenen Auseinandersetzungen</strong>. Arbeitskämpfe, Organisierung und politische Konflikte nehmen zu, die Machtfrage wird explizit gestellt. Dieses Szenario ist konfliktträchtig und riskant, aber demokratisch produktiv: Es wäre der Versuch, soziale Gegensätze nicht zu verwalten, sondern neu auszuhandeln.</p>
<p>Welcher dieser Pfade sich durchsetzt, entscheidet sich nicht an Konjunkturprognosen. Entscheidend ist, ob Beschäftigte über die kollektive Macht verfügen, ihre Lebensbedingungen wirksam auszuhandeln, oder ob wirtschaftliche Stabilität zunehmend durch Disziplin statt durch Integration hergestellt wird. Die Frage ist auch, ob diese Macht durch strategisches Denken, politische Orientierung und  handlungsfähige Führung gebündelt werden kann. Denn <strong>kollektive Gegenmacht</strong> entsteht nicht automatisch aus Unzufriedenheit oder Konflikten. Sie setzt Organisation, Prioritätensetzung und die Fähigkeit voraus, soziale Interessen politisch zu übersetzen.</p>
<p><a href="https://www.dropbox.com/scl/fi/fg2vssbl4r1uuj0x7agza/Pol-k-2026-Boewe-Freitag-02-2026.pdf?rlkey=nw04nqv734589el7er37mlcge&amp;st=mxjmrnvp&amp;dl=0" target="_blank" rel="noopener"><em>&gt;&gt;&gt; Artikel als PDF &gt;&gt;&gt;</em></a></p><p>The post <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/geschaeftsmodell-in-der-krise/">Geschäftsmodell in der Krise</a> first appeared on <a href="https://work-in-progress-journalisten.de">Journalistenbüro work in progress</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Aufstieg, Fall und begrenztes Comeback der deutschen Windindustrie</title>
		<link>https://work-in-progress-journalisten.de/aufstieg-fall-und-begrenztes-comeback-der-deutschen-windindustrie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[work in progress]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 28 Feb 2025 10:23:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[our 2 cents]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Gewerkschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Windkraft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://work-in-progress-journalisten.de/?p=2118</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die deutsche Windindustrie erlebte zwischen 2010 und 2017 einen starken Aufschwung und galt als Innovationstreiber und Jobmotor. Während dieser Phase entstanden rund 160.000 Arbeitsplätze, und Deutschland entwickelte sich zu einem führenden Produktionsstandort. Allerdings führten regulatorische Änderungen, steigender internationaler Wettbewerb und &#8230; <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/aufstieg-fall-und-begrenztes-comeback-der-deutschen-windindustrie/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p data-start="97" data-end="734"><a href="https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2025/02/Titel-2025-02-28-112000.png"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-2119 size-large" src="https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2025/02/Titel-2025-02-28-112000-1024x530.png" alt="" width="584" height="302" srcset="https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2025/02/Titel-2025-02-28-112000-1024x530.png 1024w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2025/02/Titel-2025-02-28-112000-300x155.png 300w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2025/02/Titel-2025-02-28-112000-768x397.png 768w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2025/02/Titel-2025-02-28-112000-500x259.png 500w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2025/02/Titel-2025-02-28-112000.png 1150w" sizes="(max-width: 584px) 100vw, 584px" /></a></p>
<p>Die deutsche Windindustrie erlebte zwischen 2010 und 2017 einen starken Aufschwung und galt als Innovationstreiber und Jobmotor. Während dieser Phase entstanden rund 160.000 Arbeitsplätze, und Deutschland entwickelte sich zu einem führenden Produktionsstandort. Allerdings führten regulatorische Änderungen, steigender internationaler Wettbewerb und strukturelle Defizite ab 2018 zu einem massiven Einbruch der Branche. Zwischen 2017 und 2022 verließen viele Unternehmen den Markt oder verlagerten ihre Produktion ins Ausland. Die industrielle Wertschöpfung in Deutschland nahm deutlich ab, und etwa 40.000 Arbeitsplätze gingen verloren.</p>
<p data-start="736" data-end="1210">Seit 2022 zeigen sich jedoch Anzeichen einer Erholung, unterstützt durch neue industriepolitische Maßnahmen und steigende Zubauraten bei Windkraftanlagen. Die Ampel-Regierung (2021–2024) förderte die erneuerbaren Energien mit beschleunigten Genehmigungsverfahren, angepassten Ausschreibungsmechanismen und finanziellen Anreizen. Infolgedessen gewann die Windbranche wieder an Dynamik, und Unternehmen wie Enercon und Siemens Gamesa investierten erneut in deutsche Standorte.</p>
<p data-start="1212" data-end="1760">Dennoch bestehen weiterhin Herausforderungen. Internationale Konkurrenten, insbesondere aus China, setzen die deutschen Hersteller mit günstigeren und technologisch fortschrittlicheren Produkten unter Druck. Zudem bleibt unklar, ob die politische Unterstützung für die Windindustrie nach der Bundestagswahl 2025 anhält. Gewerkschaften wie die IG Metall haben in den letzten Jahren ihre Organisierungsbemühungen verstärkt und konnten die Tarifbindung in der Branche erhöhen, jedoch sind die Arbeitsbedingungen noch nicht flächendeckend stabilisiert.</p>
<p data-start="1762" data-end="2108" data-is-last-node="" data-is-only-node="">Die Studie untersucht diese wirtschaftlichen Zyklen und diskutiert, ob die ökologische Transformation der Energieversorgung in Deutschland mit sozialer Absicherung und guten Arbeitsplätzen einhergeht. Die Zukunft der Windindustrie hängt maßgeblich von politischen Weichenstellungen, industrieller Wertschöpfung und gewerkschaftlichem Einfluss ab.</p>
<p><a href="https://www.etui.org/sites/default/files/2025-02/Germany-Windindustry_Germany-EN-dr-bg%201.pdf" target="_blank" rel="noopener">Jörn Boewe, Johannes Schulten: Rise, fall and limited comeback of the German wind industry: Is there (still) a perspective for green and good jobs?</a>, in:<br />
<a href="https://www.etui.org/fair-made-europe-industrial-policy-wind-power-manufacturing-europe" target="_blank" rel="noopener">Béla Galgóczi (Hrsg.):  Fair ‘made in Europe’ industrial policy for wind power manufacturing in Europe. ETUI (European Trade Union Institute, 2025)</a></p>
<p data-start="1762" data-end="2108" data-is-last-node="" data-is-only-node=""><p>The post <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/aufstieg-fall-und-begrenztes-comeback-der-deutschen-windindustrie/">Aufstieg, Fall und begrenztes Comeback der deutschen Windindustrie</a> first appeared on <a href="https://work-in-progress-journalisten.de">Journalistenbüro work in progress</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Major trends in work at sea: outline of a political economy of maritime labour</title>
		<link>https://work-in-progress-journalisten.de/major-trends-in-work-at-sea-outline-of-a-political-economy-of-maritime-labour/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[work in progress]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 31 Jul 2023 09:44:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Notizbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Gewerkschaft]]></category>
		<category><![CDATA[ITF]]></category>
		<category><![CDATA[Maritim]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Working conditions and economic trends in the maritime sector often only refer to seafarers on  board merchant ships and dockworkers. This conventional view is no longer appropriate in the face of recent and long-term trends in the maritime economy. To &#8230; <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/major-trends-in-work-at-sea-outline-of-a-political-economy-of-maritime-labour/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium;">Working conditions and economic trends in the maritime sector often only refer to seafarers on  board merchant ships and dockworkers. This conventional view is no longer appropriate in the face of recent and long-term trends in the maritime economy. To understand what the political economy of maritime labour is, we must first take an integrated, overall view to define the field, including industries like fishery, off-shore-wind-energy or ship-building and ship wrecking, just to mention some.</span></p>
<p><span style="font-family: Calibri, sans-serif;"><span style="font-size: small;"><br />
<a href="https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2023/07/handbook-global-pol-ec-work.jpg"><img decoding="async" class="size-full wp-image-2016 aligncenter" src="https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2023/07/handbook-global-pol-ec-work.jpg" alt="" width="200" height="305" srcset="https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2023/07/handbook-global-pol-ec-work.jpg 200w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2023/07/handbook-global-pol-ec-work-197x300.jpg 197w" sizes="(max-width: 200px) 100vw, 200px" /></a></span></span><span style="font-size: medium;">The article discusses what a meaningful description of the maritime-industrial-logistic complex could be and outlines some of its key structural features and trends. How many employees work “around shipping,” in which fields of activity and under which working conditions? How does the recruitment of maritime personnel work today? It provides an overview of the major global players among shipping companies, crewing agencies, port operators and shipyards. The long-term trends in the global labour market for seafarers, the global downward spiral in wages and working conditions triggered by the system of ”flags of convenience“ are portrayed, but also the partially successful efforts of the International Transport Workers&#8216; Federation and national trade unions to stop and maybe reverse the ”race to the bottom.”<br />
<a href="https://www.e-elgar.com/shop/gbp/handbook-of-research-on-the-global-political-economy-of-work-9781839106576.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.e-elgar.com/shop/gbp/handbook-of-research-on-the-global-political-economy-of-work-9781839106576.html</a><br />
</span></p>
<p><iframe loading="lazy" style="border: none; overflow: hidden;" src="https://www.facebook.com/plugins/post.php?href=https%3A%2F%2Fwww.facebook.com%2Fjboewe%2Fposts%2Fpfbid02wRNAgADmpc2pk2Bu5m684fQtRxriEF7jZK6cfZYJ9zfSNLWggJ3opssgxyoEdhicl&amp;show_text=true&amp;width=500" width="500" height="767" frameborder="0" scrolling="no" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></p><p>The post <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/major-trends-in-work-at-sea-outline-of-a-political-economy-of-maritime-labour/">Major trends in work at sea: outline of a political economy of maritime labour</a> first appeared on <a href="https://work-in-progress-journalisten.de">Journalistenbüro work in progress</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<item>
		<title>Blackbox Werkvertrag</title>
		<link>https://work-in-progress-journalisten.de/blackbox-werkvertrag/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Apr 2015 21:10:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Notizbuch]]></category>
		<category><![CDATA[our 2 cents]]></category>
		<category><![CDATA[Betriebsräte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>»Werkverträge – wie weiter?« – das war das Thema einer Diskussionsrunde mit Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD), Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste, Nordmetall-Hauptgeschäftsführer Nico Fickinger, Christiane Brors, Professorin für Arbeitsrecht an der Universität Oldenburg und Jörn Boewe vom Journalistenbüro &#8230; <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/blackbox-werkvertrag/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_664" style="width: 4906px" class="wp-caption aligncenter"><a href="http://work-in-progress-journalisten.de/workinprogress/wp-content/uploads/2015/04/BR-Konferenz_Auswahl-115.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-664" class="wp-image-664 size-full" src="http://work-in-progress-journalisten.de/workinprogress/wp-content/uploads/2015/04/BR-Konferenz_Auswahl-115.jpg" alt="BR-Konferenz_Auswahl 115" width="4896" height="3264" srcset="https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2015/04/BR-Konferenz_Auswahl-115.jpg 4896w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2015/04/BR-Konferenz_Auswahl-115-300x200.jpg 300w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2015/04/BR-Konferenz_Auswahl-115-1024x683.jpg 1024w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2015/04/BR-Konferenz_Auswahl-115-450x300.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 4896px) 100vw, 4896px" /></a><p id="caption-attachment-664" class="wp-caption-text">Von links: Meinhard Geiken (Bezirksleiter IG Metall Küste), Stefan Puls (Radio Bremen), Andrea Nahles (Bundesministerin für Arbeit und Soziales), Jörn Boewe (Journalistenbüro work in progress). Foto: Peter Bisping</p></div>
<p>»Werkverträge – wie weiter?« – das war das Thema einer Diskussionsrunde mit Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD), Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste, Nordmetall-Hauptgeschäftsführer Nico Fickinger, Christiane Brors, Professorin für Arbeitsrecht an der Universität Oldenburg und Jörn Boewe vom Journalistenbüro work in progress am Freitag auf einer Betriebsrätekonferenz der IG Metall Küste in Bremen.<span id="more-663"></span>Lohn- und Sozialdumping durch den Einsatz unüberschaubarer Subunternehmerketten ist längst nicht mehr auf die Bauwirtschaft oder Fleischindustrie beschränkt. Auch in industriellen Kernbranchen wie Werften, Windkraftanlagenbau und der Luft- und Raumfahrtindustrie ist Tarifflucht durch zweifelhafte Vertragskonstruktionen wie »On-site-Outsourcing« an der Tagesordnung. Dies ist das Ergebnis einer Recherche des Journalistenbüros work in progress, die in ein jetzt veröffentlichtes <a href="http://www.cms.igmetall-kueste.de/files/D_a268803622.pdf" target="_blank">Dossier des IG Metall Bezirks Küste</a> eingeflossen ist.</p>
<p>Mit dem Brand in einer Arbeiterunterkunft der Papenburger Meyer Werft im Juli 2013, bei der zwei rumänische Kollegen getötet wurden, kam das Problem erstmals in den Blick der Öffentlichkeit. Erneut gab es Schlagzeilen, als im August vergangenen Jahres hundert griechische Werftarbeiter von ihrem kriminellen Arbeitgeber ohne Geld und Lebensmittel in Mecklenburg-Vorpommern sitzen gelassen wurden. Schnell war von »schwarzen Schafen« und »bedauerlichen Einzelfällen« die Rede. Unsere Recherche zeigt: Die windigen Vertragskonstruktionen, mit denen Unternehmen heute ihre Personalkosten senken, haben längst zur Entstehung regelrechter Parallelwelten der Arbeit geführt. Tarifliche und gesetzliche Standards werden auf breiter Front systematisch unterlaufen.</p>
<p>Doch es gibt Möglichkeiten, daran etwas zu ändern. Was man dafür braucht? Eine starke gewerkschaftliche Organisation im Betrieb, Betriebsräte, die ihre Mitbestimmungsrechte kennen und durchsetzen und eine wache demokratische Öffentlichkeit, die menschenunwürdige Zustände nicht schulternzuckend hinnimmt, sondern skandalisiert, was skandalisiert gehört.</p><p>The post <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/blackbox-werkvertrag/">Blackbox Werkvertrag</a> first appeared on <a href="https://work-in-progress-journalisten.de">Journalistenbüro work in progress</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Rückenwind für Mitbestimmung</title>
		<link>https://work-in-progress-journalisten.de/rueckenwind-fuer-mitbestimmung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 Mar 2015 07:39:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Presse]]></category>
		<category><![CDATA[Top Stories]]></category>
		<category><![CDATA[Betriebsräte]]></category>
		<category><![CDATA[Erneuerbare Energien]]></category>
		<category><![CDATA[Gewerkschaft]]></category>
		<category><![CDATA[IG Metall]]></category>
		<category><![CDATA[Magazin Mitbestimmung]]></category>
		<category><![CDATA[Organizing]]></category>
		<category><![CDATA[Windkraft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Enercon wollte einem Betriebsratsvorsitzenden kündigen, weil er sich für Leiharbeiter eingesetzt hat. Dafür gab es jetzt vom Arbeitsgericht Magdeburg eine Abfuhr. Eine wichtige Etappe im Kampf um gewerkschaftliche Strukturen in Deutschlands Windenergiebranche Von Jörn Boewe und Johannes Schulten, Magazin MItbestimmung, &#8230; <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/rueckenwind-fuer-mitbestimmung/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
<p>The post <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/rueckenwind-fuer-mitbestimmung/">Rückenwind für Mitbestimmung</a> first appeared on <a href="https://work-in-progress-journalisten.de">Journalistenbüro work in progress</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="TextEditor">
<p><strong>Enercon wollte einem Betriebsratsvorsitzenden kündigen, weil er sich für Leiharbeiter eingesetzt hat. Dafür gab es jetzt vom Arbeitsgericht Magdeburg eine Abfuhr. Eine wichtige Etappe im Kampf um gewerkschaftliche Strukturen in Deutschlands Windenergiebranche</strong></p>
<p><a href="http://boeckler.de/53514_53557.htm" target="_blank"><em>Von Jörn Boewe und Johannes Schulten, Magazin MItbestimmung, 03/2015</em></a></p>
<p><a href="http://work-in-progress-journalisten.de/workinprogress/wp-content/uploads/2015/03/nils2013.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-653" src="http://work-in-progress-journalisten.de/workinprogress/wp-content/uploads/2015/03/nils2013.jpg" alt="nils2013" width="4608" height="3072" srcset="https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2015/03/nils2013.jpg 4608w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2015/03/nils2013-300x200.jpg 300w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2015/03/nils2013-1024x683.jpg 1024w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2015/03/nils2013-450x300.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 4608px) 100vw, 4608px" /></a>Es war ein langer Kampf. Ein Dreivierteljahr lang musste sich Nils-Holger Böttger gegen den Versuch seines Arbeitgebers wehren, ihm zu kündigen, ihn als Betriebsratsvorsitzenden abzusetzen und aus dem Betrieb zu drängen. Aber Böttger ist Ausdauersportler, Triathlet, er kann durchhalten. „Jetzt“, sagt der hochgewachsene Windkraftanlagenmonteur nach der Urteilsverkündung, „haben wir es endlich schriftlich, dass die deutschen Gesetze auch in der Windkraftbranche gelten.“<span id="more-646"></span><br />
Böttger ist Betriebsratsvorsitzender der Windenergieanlagen Service GmbH Ost, einer von Hunderten Tochterfirmen von Deutschlands größtem Windkraftanlagenbauer Enercon. Weil er sich für die Rechte von Leiharbeitern einsetzte, hatte ihm Enercon im Juni 2014 gekündigt. Am 11. Februar erklärte das Arbeitsgericht Magdeburg die Kündigung für unwirksam.</p>
<p>Böttger hatte darauf gedrungen, dass Leiharbeiter eine vorgeschriebene Sicherheitsschulung regulär als Arbeitszeit bezahlt bekommen – eine Selbstverständlichkeit, sollte man meinen. Nicht so bei Enercon: Nach dem Willen von Verleihfirma und Auftraggeber sollten sie den Lehrgang unentgeltlich am Wochenende absolvieren. Böttger intervenierte bei seinem Arbeitgeber, sprach mit der Leiharbeitsfirma – umsonst. Nachdem er die Belegschaft in einer Rundmail über den Vorgang informierte, erhielt er den blauen Brief. Begründung: Böttger habe seine Kompetenzen überschritten und sich geschäftsschädigend verhalten. Weil das Betriebsratsgremium die Zustimmung zur Kündigung geschlossen verweigerte, zog Enercon vor das Arbeitsgericht Magdeburg. Das wies den Windkraftanlagenbauer jetzt in die Schranken.</p>
<p>„Das Gericht hat klargemacht, dass die Meinungsfreiheit ein Grundrecht ist, das nicht am Betriebstor endet“, kommentiert Daniel Weidmann, einer der beiden Rechtsanwälte Böttgers, die Entscheidung. Anfang März hat die Enercon-Geschäftsführung den Richterspruch akzeptiert, und erklärt, keine Revision anzustreben.</p>
<p><strong>DER WIND HAT SICH GEDREHT</strong></p>
<p>Keine Frage: Enercon hat Pionierarbeit geleistet für die Energiewende und die Zukunftsbranche Windkraftindustrie insgesamt. Was den Respekt gegenüber Arbeitnehmerrechten betrifft, herrschen im Unternehmen jedoch eher vordemokratische Zustände. Betriebsräte gab es bis Ende 2013 nur vereinzelt in wenigen Tochterunternehmen, Tarifverträge sind unbekannt. Seit den späten 90ern gibt es immer wieder Berichte über Anfeindungen gegen gewerkschaftlich engagierte Mitarbeiter und Betriebsräte bis hin zu Kündigungen. Das Unternehmen gehört keinem Arbeitgeberverband an, und trotz seines wirtschaftlichen Erfolgs zahlt es deutlich unter Tarifniveau.</p>
<p><a href="http://work-in-progress-journalisten.de/workinprogress/wp-content/uploads/2015/03/MD1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-648" src="http://work-in-progress-journalisten.de/workinprogress/wp-content/uploads/2015/03/MD1.jpg" alt="MD1" width="3888" height="2592" srcset="https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2015/03/MD1.jpg 3888w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2015/03/MD1-300x200.jpg 300w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2015/03/MD1-1024x683.jpg 1024w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2015/03/MD1-450x300.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 3888px) 100vw, 3888px" /></a>Seit etwa zwei Jahren wenden sich Enercon-Beschäftigte aus dem ganzen Bundesgebiet verstärkt an die IG Metall und bitten um Unterstützung bei der Gründung von Betriebsräten. Die Gewerkschaft begann im Herbst 2013, mit einer groß angelegten Organizing-Kampagne die Wahl von Betriebsräten in verschiedenen Enercon-Tochtergesellschaften einzuleiten und zu unterstützen. Bis einschließlich August 2014 wurden 14 Betriebsratsgremien neu gewählt.</p>
<p><a href="http://work-in-progress-journalisten.de/workinprogress/wp-content/uploads/2015/03/GZO.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-650" src="http://work-in-progress-journalisten.de/workinprogress/wp-content/uploads/2015/03/GZO.jpg" alt="GZO" width="4608" height="3072" srcset="https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2015/03/GZO.jpg 4608w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2015/03/GZO-300x200.jpg 300w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2015/03/GZO-1024x683.jpg 1024w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2015/03/GZO-450x300.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 4608px) 100vw, 4608px" /></a>Seither ist das Klima im Unternehmen noch rauer geworden. Die meisten der neu gewählten Betriebsräte stehen unter erheblichem Druck. Gewerkschaftlich engagierte Kollegen werden abgemahnt und eingeschüchtert. In der Enercon-Tochter Gusszentrum Ostfriesland in Georgsheil bei Aurich wurden gleich zehn von zwölf Kandidaten der IG-Metall-nahen Betriebsratsliste strafversetzt. Für die Kollegen bedeutet das eine Herabstufung mit finanziellen Einbußen. Seit Januar müssen sie mit dem Schneidbrenner vor der Halle arbeiten – bei Wind und Wetter. Um sie herum wurde ein „Sichtschutz“ errichtet, der sie vom Rest der Belegschaft abtrennt. „Wir sind da völlig isoliert“, berichtet ein Betroffener.</p>
<p><strong>WER IST ENERCON?</strong></p>
<p>Warum fährt das Unternehmen diesen gewerkschafts- und mitbestimmungsfeindlichen Kurs? Die Entwicklung des Windkraftanlagenbauers Enercon ist eine Erfolgsgeschichte. Sie begann 1984 in einer Garage im Auricher Stadtteil Extum. Zusammen mit zwei Gleichgesinnten konstruierte der Ingenieur Aloys Wobben damals seine ersten Windräder mit Elektrogeneratoren. Heute ist Enercon Marktführer in Deutschland, gehört international zu den drei wichtigsten Windkraftanlagenbauern. Weltweit beschäftigt das Unternehmen rund 13 000 Mitarbeiter, davon 11 000 in Deutschland. Produziert wird vor allem in Aurich und Magdeburg. Wobben, der einstige Garagenunternehmer, ist mittlerweile im Ruhestand und mit einem geschätzten Privatvermögen von 5,6 Milliarden Euro der reichste Mann Niedersachsens.</p>
<p>Mehrere Hundert Firmen weltweit gehören zur Enercon-Gruppe, den Kern bilden rund 45 GmbHs in Deutschland, die alle formal unabhängig und über verschiedene Holdings verflochten sind. Die meisten haben weniger als 500 Beschäftigte und müssen deshalb weder Aufsichtsräte bilden noch unterliegen sie der Unternehmensmitbestimmung. Alleiniger Gesellschafter des Gesamtkonstrukts ist laut Selbstdarstellung des Unternehmens die Aloys-Wobben-Stiftung, in die der Firmengründer seine Anteile eingebracht hat.</p>
<p>Vielleicht ist die elitär-arrogante Haltung, die die Unternehmensleitung zur Schau stellt, ein Erbteil des alten Wobben, der vielen als eigenbrötlerischer Tüftler galt, der sich von niemandem hineinreden lassen wollte. „Enercon ist ja erst seit zehn Jahren ein Weltunternehmen, vorher war alles überschaubar“, erzählt Helge Mannott, 27, der bis 2012 als technischer Angestellter bei Enercon Service Deutschland in Aurich gearbeitet hat. „Wobben hat eine ganze Generation von Mitarbeitern geprägt, die jetzt in mittleren und hohen Führungspositionen sitzen.“ Das mittlere Management bei Enercon besteht fast vollständig aus Leuten der ersten Stunde. Viele Abteilungsleiter haben als Facharbeiter angefangen und sind der Firma zutiefst verpflichtet.</p>
<p><strong>DIE BRANCHE IM FOKUS</strong></p>
<p>Daran hat sich bis heute wenig geändert. Nur lassen es sich die Beschäftigten nicht mehr so einfach gefallen. Die Zeiten, in denen es ausreichte, ein paar versprengte Gewerkschafter herauszuwerfen, um den Laden wieder unter Kontrolle zu bringen, sind definitiv vorbei. Auch deshalb markiert das Verfahren vor dem Arbeitsgericht einen Wendepunkt. Wer die Augen aufgemacht hat, konnte zur Verhandlungseröffnung am 21. Januar in Magdeburg eine beeindruckende Demonstration von „Enerconisten“ unter den Fahnen der IG Metall erleben. Gut 200 Beschäftigte aus etlichen Tochterfirmen hatten sich vor dem Justizgebäude versammelt, um ihrem bedrohten Kollegen den Rücken zu stärken – überwiegend Betriebsräte, die 2013 und 2014 gewählt wurden. In ihren Redebeiträgen, auf ihren Transparenten, in ihrem ganzen Auftreten wurde deutlich: Das sind nicht mehr dieselben Leute wie vor ein, zwei Jahren.<br />
<a href="http://work-in-progress-journalisten.de/workinprogress/wp-content/uploads/2015/03/16338095091_781bcc9a00_o.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-651" src="http://work-in-progress-journalisten.de/workinprogress/wp-content/uploads/2015/03/16338095091_781bcc9a00_o.jpg" alt="16338095091_781bcc9a00_o" width="3888" height="2592" srcset="https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2015/03/16338095091_781bcc9a00_o.jpg 3888w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2015/03/16338095091_781bcc9a00_o-300x200.jpg 300w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2015/03/16338095091_781bcc9a00_o-1024x683.jpg 1024w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2015/03/16338095091_781bcc9a00_o-450x300.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 3888px) 100vw, 3888px" /></a>Für die IG Metall ist Enercon von strategischer Bedeutung, weiß IG-Metall-Vorstand Irene Schulz, die zuständig ist für den Fachbereich Mitglieder und Erschließung. Mittelfristig geht es darum, in der Branche Tarifverträge durchzusetzen, damit Entgelte sowie Arbeits- und Leistungsbedingungen sich verbessern und zugleich ein Rahmen für faire Wettbewerbsbedingungen in der Windkraftindustrie insgesamt etabliert wird. „Deshalb fordere ich Enercon auf, mit uns in den Dialog einzutreten, anstatt auf Abgrenzung zu setzen“, betont Schulz. Bekommt man jetzt beim Marktführer nicht den Fuß in die Tür, droht der deutsche Windkraftanlagenbau auf Jahre hinaus eine weitgehend deregulierte Branche zu bleiben.</p>
<p><strong>ÖFFENTLICHE FÖRDERMITTEL KÜNFTIG ALS HEBEL?</strong></p>
<p>Auch die Politik trägt eine Mitverantwortung dafür, dass die Geschäftsführung sich bislang wenig um Betriebsverfassungsgesetz und soziale Verantwortung schert. Enercon wäre heute kein erfolgreicher internationaler Konzern und Firmengründer Wobben nicht auf Platz 16 der Liste der reichsten Deutschen, wenn der Staat nicht den Markt für Windkraftanlagen geschaffen hätte. Dies beginnt bei der EEG-Umlage, jener Kostenbeteiligung, die die große Masse der Stromkunden zahlt, um den Preis für grünen Strom zu stützen, und hört bei Investitionszuschüssen, günstigen Finanzierungen für Windparks und Bürgschaften der öffentlichen Hand noch lange nicht auf. In Sachsen-Anhalt wurden nach Auskunft der Landesregierung seit der Jahrtausendwende Investitionen in die Windenergie mit mindestens 14 Millionen Euro gefördert. Größter Produzent im Land ist mit Abstand Enercon mit rund 5000 Beschäftigten in Magdeburg. Dass das Unternehmen Gewerkschaftsrechte und Betriebsverfassung missachtet, spielte bei der Vergabe öffentlicher Fördermittel bislang keine Rolle.</p>
<p>Einer, der das ändern will, ist DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell. Er sitzt im Verwaltungsrat der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Die staatliche Bankengruppe ist einer der wichtigsten Finanziers für das expandierende Auslandsgeschäft von Enercon. Die KfW-Tochter IPEX gewährt in großem Stil Darlehen für die Finanzierung von Windparks – zuletzt einen 65-Millionen-Euro-Kredit für den kanadischen „Vents du Kempt“ im vergangenen Jahr.</p>
<p>Für Körzell ist es „mehr als bedenklich, wenn ein weltbekanntes Unternehmen, das offensichtlich gegen Mitbestimmungsrechte verstößt, von Förderinstrumenten der KfW-Gruppe profitiert“. Eigentlich verfügt die KfW mit ihren Ethikrichtlinien über klare Bedingungen für Kreditvergaben. Doch kommen diese nur bei Förderungen außerhalb der OECD zum Einsatz. Körzell will sich nun im Verwaltungsrat dafür einsetzen, auch innerhalb Deutschlands die Einhaltung von Mitbestimmungsrechten zu einer Bedingung von Kreditvergaben zu machen.</p>
<p>Dabei geht es ihm nicht nur um Enercon. „Auch der Ruf der KfW ist in Gefahr“, so Körzell. Die Bankengruppe hat sich in der Vergangenheit sehr um ein nachhaltiges Image bemüht. Die Zusammenarbeit mit Windenergieunternehmen wie Enercon passt da gut ins Bild. In der Herbst-Winter-Ausgabe des KfW-Hausmagazins „Chancen“ posierte ein Enercon-Regionalleiter auf dem Titelblatt. Für Körzell macht sich die KfW damit „vollkommen unglaubwürdig“. Denn: „Nachhaltigkeit bedeutet auch Innovation und Beteiligung der Mitarbeiter. Das ist mehr, als einfach Windkraftwerke zu finanzieren.“ In die gleiche Richtung diskutiert man mittlerweile in Magdeburg: SPD und Linke im Landtag wollen die Vergabe von Fördermitteln künftig an die Akzeptanz von Betriebsräten knüpfen.</p>
<p><strong>ERFOLGVERSPRECHENDE BEHARRLICHKEIT</strong></p>
<p>Die „Enerconisten“ wissen, dass sie einen wichtigen Beitrag zur Energiewende des Industriestaats Deutschland leisten. Die meisten würden wohl dem Monteur Kai Hofmann, Betriebsratsvorsitzender der WEA Service Süd/Ost GmbH, zustimmen, wenn er sagt: „Ich arbeite gern bei Enercon und würde meinen Arbeitsplatz nicht eintauschen.“ Diese Mitarbeiter sind Enercons wichtigstes Kapital. Sie sind motiviert, hoch qualifiziert und wissen, was sie tun. Sie wollen in ihrem Unternehmen beteiligt werden, denn, wie es Hofmann ausdrückt: „Jetzt ist die Zeit reif für Mitbestimmung. Wir sind keine Garagenfirma mehr, wir sind ein global agierendes Unternehmen.“</p>
<p>Und so versuchen die IG-Metaller, der Unternehmensleitung klarzumachen, dass ein Kursschwenk hin zu einer Kultur der Mitbestimmung nicht zuletzt für das Unternehmen selbst eine kluge Entscheidung wäre. Enercon könnte „zeigen, was Federführung heißt, wenn es darum geht, wirtschaftlichen Erfolg mit sozialer Verantwortung und Innovation zu verbinden“, sagt IG-Metall-Vorstand Irene Schulz. „Erfolgreiche Mitbestimmung für beide Seiten ist möglich. Das stellen Arbeitgeberverbände und IG Metall, das stellen Betriebsräte und Geschäftsführungen in der Metall- und Elektroindustrie täglich unter Beweis.“ Aber klar ist auch: Ohne Druck bewegt sich gar nichts. Der Windkraftanlagenbauer wird seine Haltung zu Mitbestimmung und Gewerkschaften nur ändern, wenn eine organisierte Belegschaft für ihre Interessen einsteht.</p>
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		<title>Die Wende schaffen</title>
		<link>https://work-in-progress-journalisten.de/die-wende-schaffen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 01 Aug 2014 11:03:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>&#8222;Die Wende schaffen&#8220; ist der Titel unserer am Mittwoch in der taz veröffentlichten Geschichte über den Berliner Ökoaktivisten Hartwig Berger. Berger, ein  Urgestein der Berliner Alternativen Liste, unterstützt in diesen Tagen unter der unglaublich heißen andalusischen Sonne gemeinsam mit seiner &#8230; <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/die-wende-schaffen/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>&#8222;Die Wende schaffen&#8220; ist der Titel unserer am Mittwoch in der <a href="http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=bt&amp;dig=2014%2F07%2F30%2Fa0132&amp;cHash=647a21aa7f7f272db407aded8927e5d" target="_blank"><i>taz</i></a> veröffentlichten Geschichte über den Berliner Ökoaktivisten Hartwig Berger. Berger, ein  Urgestein der Berliner Alternativen Liste, unterstützt in diesen Tagen unter der unglaublich heißen andalusischen Sonne gemeinsam mit seiner Kollegin Elisabeth Herrera eine kleine Landgemeinde in der Nähe von Cádiz beim Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit. Junge Leute sollen einkommensschwache Haushalte und Kleinbetriebe beraten, wie sie mit teurer Energie effizienter umgehen können, denn: &#8222;Energiearmut ist hier ein Riesenproblem&#8220;, sagt Berger.<span id="more-196"></span></p>
<p>Eine kleine Überraschung für uns: Bergers wichtigste Verbündete für sein Projekt sind &#8211; neben der Gemeinde und der Gewerkschaft Comisiones Obreras (CCOO) &#8211; die Leute vom Movimiento 15-M und der neuen Linkspartei Podemos. &#8222;Die Podemos-Leute wissen, worum es geht&#8220;, sagt der Berliner. Nach der ersten Verwunderung fanden wir die Allianz im Grunde völlig logisch. Und vielleicht kann Bergers Plan genau deshalb aufgehen. &#8222;Die jungen Leute, mit denen er sein Vorhaben umsetzt&#8220;, schreiben wir in der <i>taz</i>, &#8222;sind die Nachkommen jener anarchistischen Campesinos, mit denen der junge FU-Soziologe Anfang der 70er Jahre Freundschaft schloss, als die Franco-Diktatur in Agonie lag und das Land vor einem rasanten Modernisierungssprung stand, den sich damals noch niemand ausmalen konnte. Ihre Großeltern haben eine Niederlage erlitten, aber die Enkel sind motiviert, gut ausgebildet und haben Pläne. Es sind kleine Pläne im Moment. Aber sie wissen, worum es geht.&#8220;</p>
<p><a href="https://www.dropbox.com/s/we1odz05ba5ubc9/30jul2014-taz.pdf" target="_blank"><i>&gt;&gt;&gt; Artikel als pdf &gt;&gt;&gt; </i></a></p>
<p><i><a href="http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=bt&amp;dig=2014%2F07%2F30%2Fa0132&amp;cHash=647a21aa7f7f272db407aded8927e5d" target="_blank">&gt;&gt;&gt; als Online-Artikel auf taz.de &gt;&gt;&gt;</a> </i></p>
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		<title>Arbeiterbewegung2.0 online now</title>
		<link>https://work-in-progress-journalisten.de/arbeiterbewegung2-0-online-now/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[jboe]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Jul 2014 14:33:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Notizbuch]]></category>
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		<category><![CDATA[Betriebsräte]]></category>
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		<category><![CDATA[Gewerkschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ob bei Amazon, Enercon, Hugendubel oder &#8222;neulich bei Netto&#8220; &#8211; bei Streiks und gewerkschaftlichen Organisierungsprozessen spielen Blogs und soziale Onlinemedien eine immer wichtigere Rolle. Bestimmten vor wenigen Jahren noch altbackende &#8222;Verlautbarungs-Homepages&#8220; der Gewerkschaftsvorstände das Bild, laufen ihnen mittlerweile kollektiv betriebene &#8230; <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/arbeiterbewegung2-0-online-now/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ob bei <a href="http://www.amazon-verdi.de/">Amazon</a>, <a href="http://www.windst%E4rke13.info/">Enercon</a>, <a href="http://hugendubelverdi.blogspot.de/">Hugendubel</a> oder <a href="http://www.neulich-bei-netto.de/">&#8222;neulich bei Netto&#8220;</a> &#8211; bei Streiks und gewerkschaftlichen Organisierungsprozessen spielen Blogs und soziale Onlinemedien eine immer wichtigere Rolle. Bestimmten vor wenigen Jahren noch altbackende &#8222;Verlautbarungs-Homepages&#8220; der Gewerkschaftsvorstände das Bild, laufen ihnen mittlerweile kollektiv betriebene Blogs und Facebookgruppen den Rang ab. Diese Entwicklung ist Thema unseres Artikels &#8222;Bockwurst war gestern&#8220; in der aktuellen Ausgabe des <a href="https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/bockwurst-war-frueher" target="_blank" rel="noopener">Freitag</a>, die ab sofort an jedem gut sortierten Zeitungskiosk erhältlich ist.<span id="more-199"></span></p>
<p>Motor des neuen Trends sind ganz klar Bereiche, die von der traditionellen Sozialpartnerschaft mit weitgehenden Tarifverträgen und Regulierungen kaum erfasst sind. Im Dienstleistungssektor (Handel, Kranken- und Altenpflege), aber auch in neuen Industriebranchen wie dem Windkraftanlagenbau, haben Gewerkschaften erkannt, dass das Web2.0 neue Chancen der politischen (Inter-)Aktion bietet. Belegschaften, die durch flexibilisierte Arbeitszeiten, Outsourcing, E-Mobility und Zerstückelung von Wertschöpfungsketten im Alltag kaum noch gemeinsame Treffpunkte haben, nutzen die neuen Möglichkeiten, sich über ihre Probleme im Netz auszutauschen.</p>
<p>Zugleich gibt es aber auch  Widerstände in den Apparaten: Denn Beschäftigte, die sich ihre eigenen Kommunikationsstrukturen schaffen bzw. erobern, um ihre Bedürfnisse politisch zu artikulieren, sind zugleich auch im traditionalistischen Verständnis von Führung und Basis nicht mehr so einfach zu kontrollieren.</p><p>The post <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/arbeiterbewegung2-0-online-now/">Arbeiterbewegung2.0 online now</a> first appeared on <a href="https://work-in-progress-journalisten.de">Journalistenbüro work in progress</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Tuchfühlung mit Energiewende</title>
		<link>https://work-in-progress-journalisten.de/tuchfuehlung-mit-energiewende/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Dec 2013 12:02:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Presse]]></category>
		<category><![CDATA[Magazin Mitbestimmung]]></category>
		<category><![CDATA[Solarindustrie]]></category>
		<category><![CDATA[Windkraft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Klimawandel ist längst da, die Medizin auch. Doch noch immer weigert sich der Patient, die Pillen auch zu schlucken. Zwei aktuelle Bücher leisten Überzeugungshilfe.&#160; Von Jörn Boewe, Magazin Mitbestimmung 12/2013 Die Sache könnte so einfach sein. Öl, Gas und &#8230; <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/tuchfuehlung-mit-energiewende/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Der Klimawandel ist längst da, die Medizin auch. Doch noch immer weigert sich der Patient, die Pillen auch zu schlucken. Zwei aktuelle Bücher leisten Überzeugungshilfe.</b><i>&nbsp;</i></p>
<p><i>Von Jörn Boewe, <a href="http://media.boeckler.de/Sites/A/Online-Archiv/12706">Magazin Mitbestimmung 12/2013</a></i></p>
<p>Die Sache könnte so einfach sein. Öl, Gas und Kohle sind endlich. Wenn man sie verbrennt, verursachen sie Treibhausgase und die gefährden das Klima. Mit erneuerbaren Energien aus Wind und Sonne stehen, trotz ihrer Schwächen, brauchbare Alternativen zur Verfügung. Doch die Sache ist nicht so einfach, wie ein Blick in die Tageszeitungen der letzten Monate zeigt. Dass EU-Energiekommissar Günther Oettinger den Ausbau von Solar und Wind als Antreiber einer »Deindustrialisierung« diffamiert, möchte man noch als populistisches Geschwätz abtun. Wenn aber dem Großteil der Medien zur Energiewende wenig anderes einfällt als »Luxusstrom« (Spiegel),  »gigantische Umverteilung« und »Öko-Planwirtschaft« (beides FAZ), gibt das schon zu denken.<br /><a name='more'></a><br />Denjenigen, die beim Lesen solcher Diagnosen skeptisch werden, aber längst den Überblick über das Zustandekommen ihrer gestiegenen Stromrechnung verloren haben, sei die Lektüre von Claudia Kemferts Buch »Kampf um Strom« ans Herz gelegt. Für die an der Hertie School of Governance lehrende Energieökonomin befinden wir uns tatsächlich in einem solchen Kampf, einer »Fehde« zwischen Politik, Wirtschaftslobbyisten und »Ökologen« um die zukünftige Energiepolitik Deutschlands, die allerdings mit sehr ungleichen Waffen und haufenweise falschen Argumenten ausgetragen wird. Diese »Mythen« greift Kemfert auf, überprüft, rechnet nach, widerlegt und erklärt. Das geschieht vor allem nüchtern, bisweilen bissig, aber immer äußerst kenntnisreich und differenziert.</p>
<p>Beispiel »explodierende Strompreise«: Seit 2001 ist der Strompreis von 14,23 Cent pro Kilowattstunde auf 28 gestiegen. Daran lässt sich wenig drehen. Wer die Energiewende will, so Kemfert, müsse auch bezahlen.</p>
<p>Allerdings könnte es weniger sein: Denn 2011 sind die Preise an der Strombörse EEX in Leipzig um zehn bis 20 Prozent gefallen. Beim Verbraucher kam davon allerdings nichts an. Zwei Cent billiger könnte der Strom sein, so Kemfert, hätten die Energiemultis diese Effekte weitergegeben. Ähnliches gilt für die Befreiung zahlreicher Unternehmen von der EEG-Umlage. Dass einige energieintensive Industrien geschont werden, ist für sie durchaus vertretbar. Allerdings handele es sich dabei um eine klassische Subvention. Und Subventionen seien Aufgabe des Staates und nicht der Verbraucher. Kemfert: »Hier wird der Bürger betrogen.«</p>
<p>Auch die garantierten Vergütungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes werden anders als in anderen Ländern direkt von den Verbrauchern gezahlt. Die konventionelle Energieversorgung und ihre Folgekosten (Kohleverstromung, Atomkraft inklusive Sicherheits-, Entsorgungs- und Rückbauproblemen) wurde dagegen jahrzehntelang aus Steuermitteln gefördert.</p>
<p>Für Kemfert ist die Energiewende aber nicht nur ökologisch notwendig. Sie biete auch die Chance, den oligopolisierten Energiemarkt zu demokratisieren: Anders als bei Atom-, Kohle und Gaskraftwerken kann Energie aus Wind und Sonne in kleinen Mengen produziert werden. »Mit den neuen Energieformen drängen daher kleine und mittelständische Unternehmer in den Wettbewerb, die den großen Energieversorgern Marktanteile und Gewinne wegnehmen.« Überflüssig zu sagen, dass sich die Großen wehren, die in den letzten Jahren – Energiewende hin oder her – mehr als gut verdient haben: REW, E.ON und EnBW konnten ihre Gewinne zwischen 2002 und 2010 versiebenfachen. </p>
<p>Damit keine Missverständnisse aufkommen – hier schreibt keine Ökoaktivistin. Kemfert war Beraterin von EU-Kommissions-Präsidenten José Manuel Barroso, sie gehörte dem Schattenkabinett des geschassten Bundesumweltministers und CDU-Spitzenkandidaten Norbert Röttgen im nordrhein-westfälischen Landtagswahlkampf 2012 an und leitet die Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin.</p>
<p>Von der anderen Seite des politischen Spektrums und mit ganz anderem Handwerkszeug gehen die taz-Journalisten Hannes Koch, Bernhard Pötter und Peter Unfried an die Sache heran. »Stromwechsel. Wie Bürger und Konzerne um die Energiewende kämpfen«, heißt ihr 2012 beim Frankfurter Westend Verlag erschienenes Buch. Mit den Mitteln der Reportage versuchen die Autoren zu »erzählen, wie die Energiewende Realität wird, wer sie vorantreibt und wer sie hintertreibt (…), wer sie finanziert und wer von ihr finanziert wird«. Bis 2050 will Deutschland seinen Strom zu 80 Prozent aus regenerativen Energiequellen erzeugen – »kein anderes Industrieland, dessen Fabriken, Krankenhäuser oder Zugverbindungen auf bezahlbare und sichere Stromversorgung angewiesen sind«, habe bislang eine derartige »Operation am offenen Herzen« gewagt.</p>
<p>Man spürt die typische Neugierde und Unbekümmerheit von Tageszeitungsjournalisten, wenn sich die drei Autoren auf die Reise zu den Brennpunkten und Protagonisten der Energiewende machen. Sie besuchen den ehemaligen Atomkraftwerksingenieur Jörg Müller, der als 22-Jähriger in Moskau studierte und dessen geplantes Praktikum im Kernkraftwerk Tschernobyl 1986 wegen der bislang größten zivilen Atomkatastrophe nicht mehr zustande. In den 90er Jahren begann Müller mit Projektierung und Bau von Windparks in Nordostbrandenburg. Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen 430 Mitarbeiter und überwacht und steuert von seiner Zentrale in der Uckermark 1300 Windkraftanlagen in Deutschland, Polen, Tschechien, Frankreich und Großbritannien.</p>
<p>Die Autoren fahren auf die Nordsee zum Versuchswindpark Alpha Ventus, interviewen den Chef der Deutschen Energieagentur Stephan Kohler und den Vorsitzenden der Solarworld AG Franz Asbeck, treffen sich mit oberschwäbischen Landräten, Energiegenossenschaftlern und Aktivisten einer Bürgerinitiative, die gegen den Bau einer Hochspannungsleitung kämpft, die norddeutschen Windstrom in die süddeutschen Industriegebiete bringen soll. Diese Unmittelbarkeit ist die Stärke des Buches. Koch, Pötter und Unfried gehen auf Tuchfühlung mit der konkreten Energiewende, wie sie sich tatsächlich vollzieht. Und das heißt vor allem: Mit den Akteuren, die sie vorantreiben und mit Forscher- und Unternehmergeist, Ingenieurskunst und politischer Klugheit den Grundstein für die Energieversorgung des 21. und 22. Jahrhunderts legen.</p>
<p>Das Buch hat aber auch Schwächen. So lässt die  Begeisterung der Autoren für ihren Gegenstand die Diktion des Buches mitunter in eine Sprache umschlagen, wie man sie eher von einer Werbeagentur erwarten würde. Dass die  Beschäftigten in Windkraft- und Solarindustrie ihren Beitrag zur Energiewende oft unter prekären und  Niedriglohnkonditionen leisten, fehlt gänzlich. Es passte offenbar nicht ins Bild.</p>
<p>Claudia Kemfert: Kampf um Strom. Mythen, Macht und Monopole.<br />Hamburg, Murmann Verlag, 7. Auflage 2013. 140 Seiten, 16,90 Euro</p>
<p>Hannes Koch/Bernhard Pötter/Peter Unfried: Stromwechsel . Wie Bürger und Konzerne um die Energiewende kämpfen.<br />Frankfurt, Westend Verlag 2012. 192 Seiten, 12,99 Euro</p><p>The post <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/tuchfuehlung-mit-energiewende/">Tuchfühlung mit Energiewende</a> first appeared on <a href="https://work-in-progress-journalisten.de">Journalistenbüro work in progress</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>»Emanzipation bedeutet, nicht Objekt, sondern Subjekt zu sein«,</title>
		<link>https://work-in-progress-journalisten.de/emanzipation-bedeutet-nicht-objekt-sondern-subjekt-zu-sein/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 Nov 2013 18:42:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Notizbuch]]></category>
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		<category><![CDATA[Strategie]]></category>
		<category><![CDATA[Windkraft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>schreibt Detlef Wetzel, der Mann, der am kommenden Sonntag für den Vorsitz der größten Gewerkschaft der Welt antritt. »Man wird nicht behandelt, sondern man handelt.« Ein Credo, das wir nur unterschreiben können. Dies und mehr findet sich in dem dieser &#8230; <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/emanzipation-bedeutet-nicht-objekt-sondern-subjekt-zu-sein/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div style="margin-bottom: 0cm;">schreibt Detlef Wetzel, der Mann, der am kommenden Sonntag für den Vorsitz der größten Gewerkschaft der Welt antritt. »Man wird nicht behandelt, sondern man handelt.« Ein Credo, das wir nur unterschreiben können. Dies und mehr findet sich in dem dieser Tage beim Hamburger VSA-Verlag erscheinenden Buch »Organizing«, an dem wir mit mehreren Beiträgen beteiligt sind. Hier gibt&#8217;s eine <a href="http://www.vsa-verlag.de/uploads/media/www.vsa-verlag.de-Wetzel-Organizing.pdf" target="_blank">Leseprobe, Inhalts- und Autorenverzeichnis</a>.</div><p>The post <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/emanzipation-bedeutet-nicht-objekt-sondern-subjekt-zu-sein/">»Emanzipation bedeutet, nicht Objekt, sondern Subjekt zu sein«,</a> first appeared on <a href="https://work-in-progress-journalisten.de">Journalistenbüro work in progress</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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