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	<title>Arbeitszeit | Journalistenbüro work in progress</title>
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	<description>Hier bloggen die freien Journalisten Jörn Boewe und Johannes Schulten</description>
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		<title>Flexibel bis zur Erschöpfung: Drei Leben am Limit der Arbeitszeit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[work in progress]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 Mar 2026 17:43:11 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Zwölf-Stunden-Tage, unbezahlte Überstunden, Arbeit auf Abruf: Was politisch als Fortschritt verkauft wird, erleben viele Beschäftigte als Kontrollverlust. Die Gewerkschaft NGG warnt vor dem Abbau einer der letzten Schutzlinien Von Jörn Boewe, der Freitag, 31. März 2026 Wenn Markus in der &#8230; <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/flexibel-bis-zur-erschoepfung-drei-leben-am-limit-der-arbeitszeit/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Zwölf-Stunden-Tage, unbezahlte Überstunden, Arbeit auf Abruf: Was politisch als Fortschritt verkauft wird, erleben viele Beschäftigte als Kontrollverlust. Die Gewerkschaft NGG warnt vor dem Abbau einer der letzten Schutzlinien</strong></p>
<p><a href="https://www.freitag.de/autoren/joern-boewe/flexibel-bis-zur-erschoepfung-drei-leben-am-limit-der-arbeitszeit/d7c0e65c-e77e-434d-abc9-05a0b381327a" target="_blank" rel="noopener"><em>Von Jörn Boewe, der Freitag, 31. März 2026</em></a></p>
<p>Wenn Markus in der Stollensaison Nachtschicht hat, beginnt sein Arbeitstag um 20.30 Uhr. Offiziell endet er um 4.20 Uhr. In der Praxis wird daraus oft sechs Uhr, manchmal sieben. Dann hat er 150-Kilo-Teige bewegt, hunderte Christstollen gebacken und wieder einen Morgen erlebt, an dem die Arbeit länger dauerte, als sie dauern sollte. „Das geht auf den Rücken“, sagt der Bäcker aus Sachsen, der hier Markus heißt. „Aber man versucht durchzuhalten. Die Leute quälen sich hin.“</p>
<p><a href="https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2026/03/20260331_Arbeitszeit-Ostdeutschland.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-2246" src="https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2026/03/20260331_Arbeitszeit-Ostdeutschland-1024x683.jpg" alt="" width="584" height="390" srcset="https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2026/03/20260331_Arbeitszeit-Ostdeutschland-1024x683.jpg 1024w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2026/03/20260331_Arbeitszeit-Ostdeutschland-300x200.jpg 300w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2026/03/20260331_Arbeitszeit-Ostdeutschland-768x512.jpg 768w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2026/03/20260331_Arbeitszeit-Ostdeutschland-450x300.jpg 450w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2026/03/20260331_Arbeitszeit-Ostdeutschland.jpg 1536w" sizes="(max-width: 584px) 100vw, 584px" /></a></p>
<div class="bv-grid-float bv-grid-float--right bo-article-aside">
<p>Die Hochsaison beginnt Ende August und dauert bis Weihnachten. <a class="bo-link" href="https://www.freitag.de/autoren/sebastian-baehr/das-ende-vom-8-stunden-tag-ich-will-meine-enkel-sehen-nicht-kaputt-in-rente" rel="noopener">In dieser Zeit sind Tage unter neun Stunden selten,</a> zehn Stunden eher die Regel. Gearbeitet wird an fünf, oft auch an sechs Tagen pro Woche, auch an Feiertagen. Nur im äußersten Fall zieht der Betriebsrat die Notbremse.</p>
<p>Einmal wollte die Geschäftsleitung regulär sechs Tage à zehn Stunden durchsetzen. Der Betriebsrat verweigerte die Zustimmung, der Fall landete vor der Einigungsstelle – die Pläne scheiterten. Aber der Betrieb lebt von diesem Geschäft, das wissen hier alle. „Deshalb stimmen wir als Betriebsrat den Überstunden fast immer zu“, sagt Markus. „Obwohl das für uns ein Dilemma ist.“</p>
<h2>Gewerkschaft warnt vor Aufweichung der Höchstgrenzen</h2>
<p><a class="bo-link bo-link--external" href="https://www.tagesschau.de/wirtschaft/flexiblere-arbeitszeiten-neues-gesetz-100.html" target="_blank" rel="noopener">Was in der politischen Debatte als „Flexibilisierung“ firmiert,</a> klingt in der Backstube anders: nach Nachtarbeit, schweren Lasten, kaputten Rückenwirbeln und Schichten, die sich ausdehnen, wenn es der Betrieb verlangt. Wenn Politiker über die angeblich mangelnde Arbeitsmoral im Land sprechen, empfindet Markus das „fast als persönliche Beleidigung“.</p>
</div>
<p>Im Herbst schrieb die <a class="bo-link bo-link--external" href="https://www.ngg.net/meldungen/8-stunden-tag-abschaffen-nicht-mit-uns" target="_blank" rel="noopener">Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG)</a><a class="bo-link bo-link--external" href="https://www.ngg.net/meldungen/8-stunden-tag-abschaffen-nicht-mit-uns" target="_blank" rel="noopener"> Ost</a> an ostdeutsche Bundestagsabgeordnete von CDU und SPD. Sie warnte vor einer Schleifung der täglichen Höchstgrenze. Christian Hirte, CDU-Abgeordneter aus Thüringen und früherer Ostbeauftragter der Bundesregierung, antwortete. Ein wachsender Teil der Beschäftigten wünsche sich „stärker flexibilisierte Arbeitszeiten“, schrieb er, „auch um Beruf, Familie und Pflege besser vereinbaren zu können“. Deshalb sei es Zeit, den „Wünschen der Beschäftigten und Unternehmen“ nachzukommen.</p>
<p>Markus wuchtet in diesen Wochen Teige von 150 Kilo, bis Weihnachten an die tausend Stück. So sieht im politischen Berlin offenbar ein „Wunsch“ aus.</p>
<h2>Flexibilisierung als Freibrief für Arbeitgeber</h2>
<p><a class="bo-link" href="https://www.freitag.de/autoren/elsa-koester/arbeiten-wie-die-soldaten" rel="noopener">Der Streit um den Acht-Stunden-Tag wirkt abstrakt, ist aber handfest.</a> Es geht um eine Verschiebung: weg von der täglichen Höchstgrenze hin zu einer flexibleren Wochenarbeitszeit. Befürworter verkaufen das als Modernisierung: mehr Spielraum, mehr Eigenverantwortung, bessere Vereinbarkeit. Die NGG hält das für eine Schönwetterbeschreibung. „Was hier als Flexibilisierung verkauft werden soll, ist nichts anderes als ein Freibrief für Arbeitgeber“, sagt Jens Löbel von der NGG Thüringen. In ihren Branchen sei Flexibilität längst Alltag – allerdings nicht als Freiheit der Beschäftigten, sondern als Zugriff des Arbeitgebers auf deren Zeit, Kraft und Einkommen.</p>
<p>Ein Blick auf die Zahlen gibt der Gewerkschaft recht. Nach Angaben des <a class="bo-link bo-link--external" href="https://www.nordkurier.de/regional/mecklenburg-vorpommern/schuften-fuer-nichts-in-mv-werden-millionen-ueberstunden-geleistet-ohne-lohn-2409248" target="_blank" rel="noopener">Pestel-Instituts wurden in Ostdeutschland zuletzt 206 Millionen Überstunden geleistet, </a>davon 110 Millionen unbezahlt. Wer schon heute auf einem solchen Überstundenberg arbeitet, erlebt die Debatte über die Aufweichung des Acht-Stunden-Tags kaum als Befreiung, sondern eher als Drohung.</p>
<p>Dazu passt, was aktuelle Befragungen zeigen. Laut <a class="bo-link bo-link--external" href="https://www.wsi.de/de/faust-detail.htm?sync_id=HBS-005987" target="_blank" rel="noopener">Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichem Institut (WSI)</a> befürchten knapp drei Viertel der Beschäftigten negative Folgen sehr langer Arbeitstage für Erholung, Gesundheit und Vereinbarkeit.</p>
<p>Das <a class="bo-link bo-link--external" href="https://www.boeckler.de/de/pressemitteilungen-2675-abschaffung-der-taeglichen-hoechstarbeitszeit-71356.htm" target="_blank" rel="noopener">Hugo Sinzheimer Institut</a> weist darauf hin, dass bei einer Umstellung auf reine Wochenarbeitszeit Arbeitstage von über zwölf Stunden möglich würden. Zugleich zeigt eine WSI-Auswertung, dass das geltende Zusammenspiel von Arbeitszeitgesetz und Tarifverträgen schon heute erhebliche Spielräume schafft. Das Problem ist also nicht fehlende Flexibilität. Das Problem ist, wer über sie verfügt – und wer ihr ausgeliefert ist.</p>
<h2>Die tägliche Höchstgrenze ist ein Schutz!</h2>
<p>Das zeigt sich nicht nur in Backstuben. Anna arbeitet als Bartenderin in einem Thüringer Businesshotel. Anfang 50, verheiratet, zwei erwachsene Kinder, der Sohn noch in Ausbildung. Flexible Arbeitszeiten kennt sie seit Jahren. „Das ist in der Gastronomie eben so“, sagt sie. Wenn Firmen Veranstaltungen mit 200 oder 300 Gästen buchen, kann sich das Schichtende schnell verschieben. Aus acht Stunden werden dann zehn – oder mehr. Manchmal geht die Arbeit bis zwei oder drei Uhr morgens, auch an zwei Tagen hintereinander.</p>
<p>Eine 48-Stunden-Woche sei nichts Außergewöhnliches, sagt Anna. Wenn aus fünf sechs Arbeitstage würden, müssten die Abteilungsleiter schon aufpassen, „dass wir die 50-Stunden-Woche nicht reißen“. Gerade deshalb hält sie die tägliche Höchstgrenze nicht für eine Formalie, sondern für eine reale Schutzlinie. Fiele der Acht-Stunden-Tag, so ihre Sorge, würde es für das Hotel schwerer, den Wünschen von Eventkunden nach „Open-End-Feiern“ überhaupt noch etwas entgegenzusetzen.</p>
<p>Doch die Realität der <a class="bo-link" href="https://www.freitag.de/autoren/sebastian-baehr/mehr-reiche-und-mehr-arme-naehrboden-fuer-die-afd" rel="noopener">Arbeitszeitprobleme erschöpft sich nicht in Mehrarbeit und Überstunden</a>. Es kann auch andersherumlaufen. In einer Großbäckerei in Sachsen-Anhalt arbeitet Sylvia, Anfang 30, Teamleiterin, verheiratet, eine Tochter im Grundschulalter, seit 14 Jahren im Betrieb. Offiziell hat sie einen Vertrag über 30 Wochenstunden. Tatsächlich kann sie bis zu 37,5 Stunden eingesetzt werden – je nach Bedarf des Unternehmens. Kapovaz heißt dieses Modell: kapazitätsorientierte variable Arbeitszeit.</p>
<h2>Arbeitszeit als Druckmittel</h2>
<p>Bei Markus frisst die Arbeit die Nacht, bei Anna den Feierabend. Bei Sylvia frisst sie die Planbarkeit. Wenn die Stunden heruntergehen, fehlen nicht abstrakte Prozentpunkte, sondern bis zu zwanzig Prozent des Monatseinkommens. Dann sitzt sie zu Hause und rechnet: Miete, Einkäufe, Schulbedarf fürs Kind, was geht noch, was nicht mehr. „Das kann von einem Monat zum nächsten locker 500, 600 Euro Unterschied ausmachen“, sagt sie. „Ich muss jeden Monat sehen, dass ich mit dem Geld hinkomme.“</p>
<p>Die tägliche Höchstarbeitszeit wird in ihrem Betrieb meist eingehalten. Das Problem liegt woanders: Der Arbeitgeber bestimmt, wann mehr gearbeitet wird – und wann weniger. Wenn Aufträge ausbleiben, sinkt nicht nur die Arbeitszeit, sondern auch das Einkommen. Für Beschäftigte mit Familie wird das schnell existenziell. „Klar, die sparen damit eine Menge Geld – aber auf unsere Kosten“, sagt Sylvia.</p>
<p>Besonders heikel wird dieses Modell, wenn es mit betrieblichen Konflikten zusammenfällt. <a class="bo-link" href="https://www.freitag.de/autoren/ulrike-baureithel/frauen-arbeiten-ueber-50-stunden-die-woche-das-ist-nicht-genug-herr-merz" rel="noopener">Sylvia hat den Eindruck, dass Arbeitszeit gezielt als Druckmittel eingesetzt wird</a>. In Tarifauseinandersetzungen werde nicht nur auf Auftragsrückgänge reagiert, sondern auch bewusst heruntergefahren – mit unmittelbaren Folgen für den Geldbeutel der Beschäftigten. Versuche von Betriebsrat und Gewerkschaft, die Kapovaz-Verträge in reguläre Vollzeitstellen umzuwandeln, seien bislang am Widerstand des Unternehmens gescheitert.</p>
<p>Kapovaz ist kein betrieblicher Wildwuchs. Schon das Beschäftigungsförderungsgesetz von 1985 öffnete die Tür für Arbeit auf Abruf. Mit dem Teilzeit- und Befristungsgesetz von 2000 haben SPD und Grüne diese Logik weiter ausgebaut: Arbeitszeit kann seitdem systematisch nach oben und unten variieren – je nach Bedarf des Unternehmens. Flexibilität wird so zu einem Instrument, mit dem wirtschaftliche Risiken auf die Beschäftigten verlagert werden.</p>
<h2>Flexibilität ist Augenwischerei</h2>
<p>Was bei Markus als Überlastung sichtbar wird, zeigt sich bei Sylvia in einem anderen Problem, denn Arbeitszeit wird nicht nur verlängert, sondern auch entzogen. In beiden Fällen liegt die Verfügungsmacht nicht bei den Beschäftigten. Flexibilität heißt hier: Der Betrieb ruft, die Beschäftigten springen. Oder der Betrieb kürzt, und die Beschäftigten zahlen.</p>
<p>Genau hier liegt der Konflikt. Die NGG hält dagegen, dass das Arbeitszeitgesetz für viele Beschäftigte die letzte verbindliche Grenze gegen einseitige Arbeitgebermacht ist – gerade in Branchen, in denen Betriebsräte selten sind und individuelle Verhandlungsmacht gering bleibt. Im Gastgewerbe und im Bäckerhandwerk, so die Gewerkschaft, haben über 90 Prozent der Betriebe keinen Betriebsrat. Wo kollektive Gegenmacht fehlt, ist das Gesetz oft kein bürokratisches Hemmnis, sondern die letzte Schutzlinie gegen das Direktionsrecht des Arbeitgebers.</p>
<p>Die eine Seite spricht von Wahlfreiheit, die andere von Machtverhältnissen. Die eine Seite tut so, als säßen Beschäftigte und Unternehmen bei der Arbeitszeitgestaltung auf Augenhöhe am Tisch. Die andere weiß aus dem Alltag in Bäckereien, Hotels oder Großküchen, dass das eine Fiktion ist. Wer morgens oder nachts am Band, am Ofen, in der Produktion, im Service oder hinter der Bar steht, handelt seine Zeit nicht frei aus. Er hat sie abzuliefern.</p>
<h2>Kein Schutz, keine Mitsprache</h2>
<p>Auch die arbeitsrechtliche und arbeitsmedizinische Kritik der NGG zielt genau darauf. In ihrem Schreiben rechnet die Gewerkschaft vor, dass bei einer reinen Wochenarbeitszeit unter Einhaltung der Mindestruhezeiten Arbeitstage von bis zu 12 Stunden und 15 Minuten möglich würden. Sie verweist zudem auf steigendes Unfallrisiko, Erschöpfung, Schlafprobleme und Belastungen für Gesundheit und Vereinbarkeit.</p>
<p>Dass es bereits heute tarifliche und gesetzliche Spielräume für flexible Arbeitszeit gibt, macht die geplante Deregulierung deshalb nicht harmloser, sondern entlarvt ihren Kern: Es geht nicht um mehr Mitsprache der Beschäftigten, sondern um schwächere Schutzgrenzen.</p>
<p>Genau deshalb greift auch das Modernisierungsgerede so kurz. Natürlich gibt es Betriebe, in denen <a class="bo-link" href="https://www.freitag.de/autoren/ulrike-baureithel/was-steht-zur-hoechstarbeitszeit-im-koalitionsvertrag-achtung-burnout" rel="noopener">flexible Arbeitszeiten</a> vernünftig, fair und unter echter Mitbestimmung geregelt werden. Nur ist das nicht der Gegenstand der aktuellen politischen Stoßrichtung. Die Debatte dreht sich nicht um stärkere Rechte von Betriebsräten, nicht um bessere Mitbestimmung, nicht um mehr Einfluss der Beschäftigten auf ihre Zeit. Sie dreht sich um die Lockerung gesetzlicher Schutzgrenzen. Das ist etwas anderes. Wer das eine als das andere verkauft, betreibt politischen Etikettenschwindel.</p>
<h2>Am Ende ist klar, wer die Folgen trägt</h2>
<p>Markus spricht von Leuten, die sich hinschleppen, obwohl der Rücken nicht mehr mitmacht. Anna von Schichten, die bis tief in die Nacht laufen und sich im „Open End“ verlieren. Sylvia von 500 oder 600 Euro, die von einem Monat auf den nächsten fehlen. Mehr muss man über die Kluft zwischen politischer Rede und betrieblicher Wirklichkeit kaum wissen.</p>
<p>Wenn Politiker fordern, man müsse „die Ärmel hochkrempeln“, hat Sylvia darauf eine knappe Antwort: „Stellt euch selbst mal hier hin.“ In diesem Satz steckt mehr Wirklichkeit als in ganzen Bündeln von Sonntagsreden über Modernisierung. Denn hier spricht keine Funktionärin, kein Berater, kein ostdeutscher Heimatverwalter mit Karriereanschluss nach Berlin. Hier spricht jemand, für den Arbeitszeit kein Debattenthema, sondern Lebenswirklichkeit ist: als Schicht, als Ungewissheit, als Haushaltsrechnung, als Müdigkeit, als Takt des Alltags.</p>
<p>Am Ende geht es nicht um acht oder zehn Stunden. Es geht darum, wer darüber entscheidet. Wer den Arbeitstag verlängert. Wer ihn verkürzt. Und wer die Folgen trägt.</p>
<div class="bo-icon" data-testid="icon"></div><p>The post <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/flexibel-bis-zur-erschoepfung-drei-leben-am-limit-der-arbeitszeit/">Flexibel bis zur Erschöpfung: Drei Leben am Limit der Arbeitszeit</a> first appeared on <a href="https://work-in-progress-journalisten.de">Journalistenbüro work in progress</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Zeit und Macht</title>
		<link>https://work-in-progress-journalisten.de/zeit-und-macht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[work in progress]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Nov 2023 19:38:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Presse]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitszeit]]></category>
		<category><![CDATA[der Freitag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Arbeitszeit ist eine eine Machtfrage, schreibt Jörn Boewe in der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung Der Freitag (48/2023). &#8222;Das Thema triggert bei manchen Leuten geradezu hysterische Panikattacken. Von der 40- zur 35- zur 32-Stunden-Woche – wo soll das enden? Man darf &#8230; <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/zeit-und-macht/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Arbeitszeit ist eine eine Machtfrage, schreibt Jörn Boewe in der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung Der Freitag (48/2023). &#8222;Das Thema triggert bei manchen Leuten geradezu hysterische Panikattacken. Von der 40- zur 35- zur 32-Stunden-Woche – wo soll das enden?</p>
<p><a href="https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2023/11/2023-11-29-Zeit-ist-Geld.png"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-2032" src="https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2023/11/2023-11-29-Zeit-ist-Geld.png" alt="" width="485" height="842" srcset="https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2023/11/2023-11-29-Zeit-ist-Geld.png 485w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2023/11/2023-11-29-Zeit-ist-Geld-173x300.png 173w" sizes="(max-width: 485px) 100vw, 485px" /></a></p>
<p>Man darf diese Diskursgeplänkel nicht unterschätzen. Zwar hat die Work-Life-Balance in den letzten Jahren an Popularität in den Feuilletons gewonnen. Doch jetzt könnte das Pendel in die andere Richtung ausschlagen. Zu viele Krisen stehen im Raum, deren Ausgang völlig ungewiss ist.&#8220; Ab sofort im gut sortierten Zeitungshandel.</p>
<p><a href="https://www.dropbox.com/scl/fi/ph7mp0lccuwb246f2b6ym/Boewe-Zeit-ist-Geld-Freitag-48-2023.pdf?rlkey=joukaw6ta9cof9uqnufnnslk0&amp;dl=0" target="_blank" rel="noopener"><em>&gt;&gt;&gt; Artikel als PDF&gt;&gt;&gt;</em></a></p><p>The post <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/zeit-und-macht/">Zeit und Macht</a> first appeared on <a href="https://work-in-progress-journalisten.de">Journalistenbüro work in progress</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>IG-Metall fordert Vier-Tage-Woche: Eine Zeit-Revolution für alle</title>
		<link>https://work-in-progress-journalisten.de/ig-metall-fordert-vier-tage-woche-eine-zeit-revolution-fuer-alle/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[work in progress]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Apr 2023 12:12:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Die Forderung der IG Metall nach einer Vier-Tage-Woche ist mehr als nur Tarifpoker: Es geht um die Frage, wer die Kontrolle über unsere Zeit hat 12. April, Freitag.de Vier-Tage-Woche bei vollem Lohnausgleich – mit dieser Forderung will die IG Metall &#8230; <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/ig-metall-fordert-vier-tage-woche-eine-zeit-revolution-fuer-alle/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
<p>The post <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/ig-metall-fordert-vier-tage-woche-eine-zeit-revolution-fuer-alle/">IG-Metall fordert Vier-Tage-Woche: Eine Zeit-Revolution für alle</a> first appeared on <a href="https://work-in-progress-journalisten.de">Journalistenbüro work in progress</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1>Die Forderung der IG Metall nach einer Vier-Tage-Woche ist mehr als nur Tarifpoker: Es geht um die Frage, wer die Kontrolle über unsere Zeit hat</h1>
<p><a href="https://www.freitag.de/autoren/joern-boewe/ig-metall-fordert-vier-tage-woche-das-ist-wichtig-fuer-alle-die-arbeiten" target="_blank" rel="noopener"><em>12. April, Freitag.de</em></a></p>
<p data-aside-score="-1">Vier-Tage-Woche bei vollem Lohnausgleich – mit dieser <a class="external" href="https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/tarifverhandlungen-ig-metall-verhandler-will-vier-tage-woche-durchsetzen-a-3edce267-1a00-4212-bb6d-48213e88dd3f" target="_blank" rel="noopener">Forderung</a> will die IG Metall in die Ende 2023 anstehende Stahl-Tarifrunde ziehen. Real geht es um die Verkürzung der tariflichen Wochenregelarbeitszeit von 35 auf 32 Stunden, dies allerdings bei vollem <a class="external" href="https://www.tagesschau.de/wirtschaft/vier-tage-woche-unternehmen-ig-metall-101.html" target="_blank" rel="noopener">Lohnausgleich</a>. Das hat es lange nicht mehr gegeben.</p>
<p data-aside-score="-1"><a href="https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2023/04/Arbeitsproduktivitaet-und-Stundenloehne-1991-2022-1.png"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-1986" src="https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2023/04/Arbeitsproduktivitaet-und-Stundenloehne-1991-2022-1.png" alt="" width="864" height="579" srcset="https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2023/04/Arbeitsproduktivitaet-und-Stundenloehne-1991-2022-1.png 864w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2023/04/Arbeitsproduktivitaet-und-Stundenloehne-1991-2022-1-300x201.png 300w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2023/04/Arbeitsproduktivitaet-und-Stundenloehne-1991-2022-1-768x515.png 768w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2023/04/Arbeitsproduktivitaet-und-Stundenloehne-1991-2022-1-448x300.png 448w" sizes="(max-width: 864px) 100vw, 864px" /></a></p>
<p data-aside-score="-1"><span id="more-1978"></span>Die IG Metall wagt sich damit auf ein Feld, das ungleich härter umkämpft ist als ein paar Lohnprozente. Beim Arbeitszeitthema kochen sofort die Emotionen hoch. Rein ökonomisch kann man das nicht erklären, denn Zeit ist bekanntlich Geld und umgekehrt. Arbeitszeit – vor allem die Frage der Regelarbeitszeit, des Arbeitstages, der Arbeitswoche – ist aber viel mehr. Zeit ist Macht. Wer über die Lebenszeit anderer Menschen verfügen kann, übt seine Herrschaft aus. Was Hörigkeit und Leibeigenschaft für den mittelalterlichen Feudalherren bedeuteten, ist das Direktionsrecht über die vertraglich festgeschriebene Arbeitszeit für die kapitalistische Klasse. Arbeitszeitverkürzung ist ein Stück Kontrollverlust, und was für Panikattacken drohender Kontrollverlust bei der modernen Unternehmerschaft auslösen kann, hat man zuletzt beim großen Kulturkampf ums Recht auf Homeoffice gesehen.</p>
<h2 data-aside-score="-1">Zeit ist nicht nur Geld: Zeit ist Macht</h2>
<p>Genau wie die „Präsenzpflicht“ ist Arbeitszeit ein kultureller Code, tief eingeschrieben in unsere gesellschaftliche DNA. Man kann die historischen Wurzeln dieses Phantasmas freilegen, von Max Webers protestantischer Arbeitsethik bis hin zu den Top-Performern der Gegenwart, die sich vermeintlich oder tatsächlich, wer will das schon entscheiden, 70, 80 Stunden in der Woche aufopfern – für Wohlstand, Unternehmenserfolg, den Wirtschaftsstandort Deutschland.</p>
<p data-aside-score="-3">Offensichtlich hat sich hier aber etwas gewandelt. Jüngere Beschäftigte sagen: Es geht auch anders. Es ist kein Naturgesetz, dass vollzeitbeschäftigte Väter immer länger arbeiten und Mütter in Minijobs feststecken. Warum nicht generell weniger arbeiten? Es müssen auch nicht in allen Lebensphasen dieselben starren Arbeitszeiten sein. Auf jeden Fall brauchen wir mehr Zeit – füreinander, für die Kinder, für Freunde, für uns selbst.</p>
<p data-aside-score="-3">Dieser kulturelle Wandel, den die Millennials in die Arbeitswelt gebracht haben, konnte deshalb erfolgreich sein, weil sich der Arbeitsmarkt über die kurze Spanne von ein, zwei Generationen von einem Arbeitgeber- zu einem Arbeitnehmermarkt gewandelt hat. „Hauptsache Arbeit“, hieß es in den 90ern und Nullerjahren, und: „Wenn’s dir bei uns nicht passt, dann kündige doch.“ Der Witz ist, dass das die Leute heute wirklich machen, deshalb hört man den Spruch nur noch selten.</p>
<h2 data-aside-score="0">Ein neues Leitbild für alle?</h2>
<p data-aside-score="-1">Die Forderung der IG Metall nach einer Vier-Tage-Woche trifft damit den Nerv der Zeit. Wollen wir die Stahlindustrie ökologisch transformieren, mit grünem Wasserstoff treibhausgasfrei sauberen Stahl produzieren, muss die Branche attraktiv sein für junge Fachkräfte. Das geht nur mit beschäftigtenfreundlichen Arbeitszeitmodellen. Und wer je ein Stahlwerk von innen gesehen hat, hat eine kleine Ahnung davon, wie anstrengend, kräftezehrend und gesundheitsbelastend viele Arbeiten dort trotz technischen Fortschritts immer noch sind. Drei freie Tage zwischen zwei Schichten sind gewiss keine überzogene Forderung.</p>
<p data-aside-score="0">Aufregend an der Vier-Tage-Woche ist aber auch, dass sie das Zeug hätte, zu einem neuen Leitbild bei der Wochenarbeitszeit zu werden. So wie es die Fünf-Tage-Woche heute ist. Die Idee, dass die meisten von Montag bis Freitag arbeiten und dann zwei Tage „Wochenende“ haben, ist nicht sehr alt. Nach dem Zweiten Weltkrieg lag die Regelarbeitszeit bei 48 Stunden an sechs Tagen. In der DDR-Planwirtschaft wurde sie 1957 auf 45 Stunden abgesenkt, zehn Jahre später wurde durch Ministerratsbeschluss die Fünf-Tage-Woche eingeführt. Im Westen Deutschlands war das Angelegenheit der Tarifparteien. Unter dem Motto „Samstags gehört Vati mir“ forderten die DGB-Gewerkschaften ab Mitte der 50er Jahre die 40-Stunden-Woche – flächendeckend Standard wurde sie erst in den 70ern, ins Gesetz schaffte sie es nie. Dort gilt der Samstag bis heute als „Werktag“ – und zwar einer von sechs in der Woche.</p>
<p data-aside-score="0">Auch wenn Arbeitszeit eine quasi rituelle Norm ist, die das Alltagsleben strukturiert und über Generationen festgezurrt bleibt, kann diese Norm offensichtlich immer wieder umgestoßen und neu verhandelt werden. Die Frage „Wem gehört die Zeit?“ zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der Gewerkschaftsbewegung. 1856 galt es als Erfolg, als in der Druckindustrie der Arbeitstag auf zehn Stunden begrenzt wurde. 1889 beschloss der Pariser Kongress der Zweiten Internationale, den 1. Mai zum internationalen Kampftag für den Achtstundentag zu machen. Arbeiterfamilien kämpften für ein Leben jenseits der Fabrik: „8 Stunden Unternehmerdienst – 8 Stunden Schlaf – 8 Stunden Mensch sein.“ Mehr als ein halbes Jahrhundert lang widersetzten sich die Unternehmer dieser Forderung. Es brauchte eine Revolution – die Novemberrevolution 1918 – um den Achtstundentag in Deutschland als gesetzliche Norm durchzusetzen.</p>
<h2 data-aside-score="0">Eine Antwort auf die Herausforderung der Transformation</h2>
<p data-aside-score="0">Überhaupt, Revolutionen und Zeit: Der Kampf um die Zeit war für die Gewerkschaften immer auch verbunden mit der Suche nach strategischen Antworten auf große gesellschaftliche Umbrüche. Als Mitte Ende der 70er die Massenerwerbslosigkeit wuchs, forderten die Gewerkschaften die Reduzierung der Wochenarbeitszeit auf 35 Stunden mit vollem Lohnausgleich. Es brauchte fast ein Jahrzehnt und einen sechswöchigen Erzwingungsstreik, bis der Einstieg in die 35-Stunden-Woche in der Metall- und Elektroindustrie 1984 erkämpft war – beendet wurde er bis heute nicht, in Ostdeutschland gilt weiterhin die 38-Stunden-Woche. Ein Streik der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen für die Angleichung der Wochenarbeitszeiten in Ost und West endete vor zwanzig Jahren mit einer Niederlage – sabotiert von „Betriebsratsfürsten“ westdeutscher Automobilkonzerne, die den Kolleginnen und Kollegen im Osten ihre Solidarität verweigerten, gerade in dem Moment, als der Streik anfing, Wirkung zu zeigen.</p>
<p data-aside-score="0">Durchsetzen konnten sich 2003 im Kampf um die 35-Stunden-Woche allerdings die ostdeutschen Stahlbeschäftigten, und zwar innerhalb von Tagen. Offensichtlich ist die Durchsetzungsmacht am Hochofen, der niemals ausgehen darf, doch ein Stück weit größer als am Montageband. Insofern hat sich die Gewerkschaft auch diesmal für ihre revolutionäre Forderung eine gute Branche ausgesucht. Aber ist eine Vier-Tage-Woche wirtschaftlich überhaupt möglich und vertretbar? Ein Blick in die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung des Statistischen Bundesamtes zeigt: Die Arbeitsproduktivität je Beschäftigtenstunde quer durch alle Branchen ist seit 1991 um fast die Hälfte gestiegen – die Reallöhne aber nicht mal um ein Drittel. Der Rest ist Aufopferung für Standort Deutschland, Aufbau Ost, Quartalszahlen und Investor Relations.</p>
<p data-aside-score="0">Es ist Zeit, den Trend mal wieder umzukehren und die Frage zu stellen: Wer hat die Definitionsmacht über den Arbeitstag? Was steht im Mittelpunkt? Der Verwertungszwang, die Shareholder, die Wünsche der Kunden? Oder haben Beschäftigte auch ein Recht auf Teilhabe an der steigenden Produktivität? Auf Sicherung von Arbeitsplätzen, Freiräume für menschliche Entwicklung – ein Recht, ihr Leben humaner zu gestalten?</p><p>The post <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/ig-metall-fordert-vier-tage-woche-eine-zeit-revolution-fuer-alle/">IG-Metall fordert Vier-Tage-Woche: Eine Zeit-Revolution für alle</a> first appeared on <a href="https://work-in-progress-journalisten.de">Journalistenbüro work in progress</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Die letzte Meile</title>
		<link>https://work-in-progress-journalisten.de/die-letzte-meile/</link>
		
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		<pubDate>Fri, 01 Oct 2021 03:42:53 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Ausgelagert: Amazon reorganisiert seine Logistik. Arbeitsrecht und Würde spielen dabei keine Rolle. Von Jörn Boewe, Der Freitag 39/2021, 30. Sept. 2021 „Maschine, ich bin eine Maschine“, sagt der Fahrer des weißen Lieferwagens. „Zwölf Stunden, jeden Tag, seit vier Jahren. Aber &#8230; <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/die-letzte-meile/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ausgelagert: Amazon reorganisiert seine Logistik. Arbeitsrecht und Würde spielen dabei keine Rolle.</strong></p>
<p><a href="https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/die-letzte-meile" target="_blank" rel="noopener"><em>Von Jörn Boewe, Der Freitag 39/2021, 30. Sept. 2021</em></a></p>
<p>„Maschine, ich bin eine Maschine“, sagt der Fahrer des weißen Lieferwagens. „Zwölf Stunden, jeden Tag, seit vier Jahren. Aber wenn ich nicht arbeite, kriege ich kein Geld.“ Der Mann stellt Pakete für Amazon zu, die globale Nummer eins des Onlinehandels. Jeden Morgen wartet er mit seinem Lieferwagen in der Schlange vor dem Verteilzentrum Frankfurt am Main.<a href="https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2021/10/2021-09-30-Die-letzte-Meile.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-1814 size-large" src="https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2021/10/2021-09-30-Die-letzte-Meile-770x1024.jpg" alt="" width="584" height="777" srcset="https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2021/10/2021-09-30-Die-letzte-Meile-770x1024.jpg 770w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2021/10/2021-09-30-Die-letzte-Meile-226x300.jpg 226w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2021/10/2021-09-30-Die-letzte-Meile-768x1021.jpg 768w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2021/10/2021-09-30-Die-letzte-Meile.jpg 963w" sizes="auto, (max-width: 584px) 100vw, 584px" /></a>An diesem Spätsommermorgen, Anfang September 2021, ist aber etwas anders: Eine kleine Gruppe von Gewerkschaftern und Gewerkschafterinnen verteilt Flyer in verschiedenen Sprachen an die Fahrer. Schnell kommt man ins Gespräch. Die Geschichten ähneln sich: Fahrer berichten von Zehn- oder Zwölf-Stunden-Schichten, von Arbeitsdruck, von Tagestouren mit 250 Zustellungen. Am Monatsende, oft auch verspätet, erhalten sie 1.000 bis 1.200 Euro. Manchmal gibt es Abzüge, etwa für einen abgefahrenen Spiegel oder Kratzer am Fahrzeug.<span id="more-1813"></span>Schaut man genauer hin, verstößt vieles davon gegen deutsches Arbeitsrecht. Aber: Wo kein Kläger, da kein Richter. Die Fahrer kennen ihre Rechte oft nicht. Viele kommen aus Osteuropa, einige aus dem Nahen Osten. Sie sind auf den Job angewiesen. Der Mut, sich mit ihrem Arbeitgeber anzulegen, ist nicht groß.</p>
<p>Die Aktion in Frankfurt haben die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und das DGB-Beratungsnetzwerk „Faire Mobilität“ organisiert. Hundert Leute in kleinen Teams verteilen Informationsmaterial an mehr als 8.000 Fahrerinnen und Fahrer, die in der Paketzustellung auf der „letzten Meile“ oder im Lkw-Transport für Amazon unterwegs sind. Angestellt bei Amazon ist allerdings niemand von ihnen. Der Konzern hat sein unternehmerisches Risiko für die Zustellung von Anfang an in ein Netzwerk kleiner Subunternehmer ausgelagert, die untereinander konkurrieren und den Druck an ihre Beschäftigten weitergeben.</p>
<p><strong>Ein eigener Flughafen in Halle</strong></p>
<p>Amazon betreibt in Deutschland 14 große Versandlager zwischen Hamburg und München. In einem Großteil davon wird seit Jahren immer wieder gestreikt. Doch neben dem Versandhandel erschließt der Konzern auch weitere strategische Felder:e Eines davon ist die Logistik. Amazon ist ins Containerschifffahrtsgeschäft eingestiegen und betreibt eine eigene Frachtfluggesellschaft, mittlerweile die viertgrößte der Welt. Im Herbst vergangenen Jahres eröffnete der Konzern sein eigenes Luftfrachtdrehkreuz am Flughafen Halle-Leipzig. Mitten in der Corona-Krise, die für Amazon keine Krise war, sondern der größte Boom aller Zeiten.</p>
<p>Als kritischster Teil der Logistikkette gilt die „letzte Meile“. Dort, wo das Paket den Weg zum Endkunden zurücklegt, kann am meisten schiefgehen. Zustellfahrzeuge stehen im Stau oder finden keinen Parkplatz, Empfänger sind nicht zu Hause, Adressangaben sind unklar, Paketboten müssen zur Haustür im fünften Stock des zweiten Hinterhauses oder an bissigen Hunden vorbei. Und, für Amazon am wichtigsten: Auf der letzten Meile entstehen 50 Prozent der Kosten.</p>
<p>Nicht verwunderlich, dass sich Amazon seit etwa fünf Jahren bemüht, die „letzte Meile“ unter eigene Regie zu bekommen. Mit der Sparte Amazon Logistics baut der Konzern seine eigenen Zustelldienst auf und macht sich immer unabhängiger von Unternehmen wie DHL und Hermes. Damit kommt ein weiterer Prekarisierungstreiber in eine ohnehin schon unter enormem Konkurrenzdruck stehende Branche. „Delivery Service Partners“ heißt das eigens kreierte Subunternehmernetzwerk. Zusätzlich experimentiert man mit einem Plattform-basierten Beschäftigungsmodell, das man sonst von Uber oder anderen Firmen der Gig Economy kennt: Über die App „Amazon Flex“ können „selbstständige Zusteller“ sich anmelden und mit dem eigenen Pkw Pakete ausliefern. Dafür gibt es 25 Euro die Stunde, von denen sie nicht nur Lebenserhaltungskosten, sondern auch ihre Betriebskosten und Sozialversicherungp zahlen müssen.</p>
<p>Die Hauptlast des Zustellgeschäfts liegt allerdings bei den „DSP“ – kleinen Firmen mit fünf bis zehn, manchmal auch 25 Fahrzeugen, die sich allmorgendlich vor den Güterverteilzentren gemeinsam mit den Fahrern anderer ebenso kleiner Firmen in die Warteschlange stellen. An die fünfzig solcher regionalen Vierteilzentren hat Amazon mittlerweile in Deutschland errichtet. Hier werden Zustelltouren geplant und die Pakete auf die Lieferwagen verladen. Amazon hat das Subunternehmersystem in der Paketzustellung nicht erfunden – auch Hermes, DPD, GLS setzen darauf, mehr und mehr auch die Post-Tochter DHL. Aber viel systematischer als alle Wettbewerber verbindet Amazon die betriebswirtschaftlichen Vorzüge eines solchen Outsourcings mit digitaler Überwachung, Steuerung durch Algorithmen und KI.</p>
<p>Exemplarisch hat sich Tina Morgenroth von der Thüringer Beratungsstelle „Faire Mobilität“ das Ende 2019 in Erfurt-Stotternheim eröffnete Verteilzentrum angesehen. Nicht weil sie es auf Amazon abgesehen hatte, sondern weil immer mehr Beschäftigte von Amazon-Subunternehmern mit Problemen zu ihr in die Beratungsstelle kamen – mittlerweile sind es um die 150, die um Unterstützung baten. Sie berichten von Arbeitsbedingungen, die es nach geltendem Arbeitsrecht eigentlich nicht geben dürfte. Zehn- bis Zwölf-Stunden-Schichten an sechs Tagen in der Woche, keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Unterschreitung des gesetzlichen Mindestlohns, von Arbeitsdruck, der es unmöglich macht, die gesetzlich vorgeschriebenen Pausen zu nehmen. Dennoch werden Pausenzeiten automatisch abgezogen – die KI lässt grüßen.</p>
<p>Kontrollen durch die zuständigen Arbeitsschutzbehörden sind für Amazon bislang keine ernsthafte Bedrohung. Für die Arbeitsbedingungen bei den Subunternehmern ist der Konzern nur schwer verantwortlich zu machen. Die aber sind oft schwer greifbar. So hatte die Thüringer Arbeitsschutzbehörde Mitte Juli bei 21 Amazon- Paketsubunternehmen Verstöße festgestellt. Weil aber 20 dieser Firmen ihren Sitz außerhalb Thüringens haben, sei man nicht zuständig, heißt es auf Anfrage. Arbeitsschutz ist Ländersache. Das Problem jedoch – das System Amazon – ist global.</p>
<p style="text-align: center;">***</p>
<p>Jörn Boewe hat zusammen mit Tina Morgenroth und Johannes Schulten soeben die Broschüre <a href="https://th.rosalux.de/publikation/id/44910" target="_blank" rel="noopener">„Amazons letzte Meile. Ein Onlinehändler als Prekarisierungstreiber in der Paketlogistik“</a> für die Rosa-Luxemburg-Stiftung und das DGB Bildungswerk Thüringen veröffentlicht.</p>
<p><a href="https://www.dropbox.com/s/i2iojhyv8yvfho0/Die-letzte-Meile-Boewe-39-2021.pdf?dl=0" target="_blank" rel="noopener"><em>&gt;&gt;&gt; Artikel als PDF &gt;&gt;&gt;</em></a></p><p>The post <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/die-letzte-meile/">Die letzte Meile</a> first appeared on <a href="https://work-in-progress-journalisten.de">Journalistenbüro work in progress</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Ohne Revolutionen dauern die Dinge länger</title>
		<link>https://work-in-progress-journalisten.de/ohne-revolutionen-dauern-die-dinge-laenger/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[work in progress]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 28 Apr 2021 14:40:52 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Die IG Metall ficht mit den Arbeitern in Ostdeutschland eine alte Ungerechtigkeit aus: die Lohnmauer Von Jörn Boewe, der Freitag, 17/2021 &#8222;Beinhart verteidigen Sachsens Metallarbeitgeber eines der letzten Symbole der Spaltung Deutschlands: die 38-Stunden-Woche. Mehr als drei Jahrzehnte nach dem &#8230; <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/ohne-revolutionen-dauern-die-dinge-laenger/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die IG Metall ficht mit den Arbeitern in Ostdeutschland eine alte Ungerechtigkeit aus: die Lohnmauer</strong></p>
<p><a href="https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/ohne-revolutionen-dauern-die-dinge-laenger-etwa-der-kampf-um-die-35-stunden-woche" target="_blank" rel="noopener"><em>Von Jörn Boewe, der Freitag, 17/2021</em></a></p>
<p>&#8222;Beinhart verteidigen Sachsens Metallarbeitgeber eines der letzten Symbole der Spaltung Deutschlands: die 38-Stunden-Woche. Mehr als drei Jahrzehnte nach dem Mauerfall steht die Lohnmauer immer noch. Ausgerechnet in der produktivsten und profitabelsten Branche, der Metall- und Elektroindustrie, arbeiten die ostdeutschen Beschäftigten jede Woche unbezahlt drei Stunden länger als ihre Kollegen im Westen. Mit Warnstreiks in den ostdeutschen Autofabriken von Porsche, BMW und Volkswagen macht die IG Metall gerade mobil, um die Sache endlich zu Ende zu bringen.&#8220; Kommentar von Jörn Boewe im aktuellen <em>Freitag</em>. Ab sofort überall, wo es Zeitungen gibt.</p>
<p><a href="https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/ohne-revolutionen-dauern-die-dinge-laenger-etwa-der-kampf-um-die-35-stunden-woche">https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/ohne-revolutionen-dauern-die-dinge-laenger-etwa-der-kampf-um-die-35-stunden-woche</a></p><p>The post <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/ohne-revolutionen-dauern-die-dinge-laenger/">Ohne Revolutionen dauern die Dinge länger</a> first appeared on <a href="https://work-in-progress-journalisten.de">Journalistenbüro work in progress</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Hauptsache, dem Spargel geht es gut</title>
		<link>https://work-in-progress-journalisten.de/hauptsache-dem-spargel-geht-es-gut/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[work in progress]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 20 Apr 2021 14:12:06 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Für Erntehelfer*innen gibt es nur Mindestlohn und kaum Arbeitsschutz Von Jörn Boewe, 20. April 2021 &#124;ak 670 Die Spargelernte beginnt – und mit ihr kommt eine der übelsten Ausbeutungsmaschinerien der Republik ins Rollen: die saisonale Landwirtschaft. Rund eine Viertelmillion Menschen, &#8230; <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/hauptsache-dem-spargel-geht-es-gut/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
<p>The post <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/hauptsache-dem-spargel-geht-es-gut/">Hauptsache, dem Spargel geht es gut</a> first appeared on <a href="https://work-in-progress-journalisten.de">Journalistenbüro work in progress</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Für Erntehelfer*innen gibt es nur Mindestlohn und kaum Arbeitsschutz</p>
<p></strong><a href="https://www.akweb.de/politik/erntehelfer-spargel-arbeitskrampf-corona/" target="_blank" rel="noopener"><em>Von Jörn Boewe, 20. April 2021 |ak 670</em></a></p>
<p>Die Spargelernte beginnt – und mit ihr kommt eine der übelsten Ausbeutungsmaschinerien der Republik ins Rollen: die saisonale Landwirtschaft. Rund eine Viertelmillion Menschen, überwiegend aus Osteuropa, arbeiten von März bis Oktober auf deutschen Feldern, um die »Ernährungssicherheit« der Republik zu gewährleisten. Vom Spargelstechen übers Erbeerenpflücken bis zur Weinlese – die Arbeit in der Ernte ist ein Knochenjob. Dennoch wird dafür praktisch überall nur der gesetzliche Mindestlohn gezahlt – in diesem Jahr 9,50 Euro. Leute, die das als skandalös niedrig empfinden, hört man in der öffentlichen Diskussion eher selten.<span id="more-1766"></span>Obwohl sie unter freiem Himmel stattfindet, ist Feldarbeit verblüffend unsichtbar in unserer Gesellschaft, wo das Obst und Gemüse aus dem Supermarkt, Bioladen oder mit dem Gemüsekisten-Wochenabo bis vor die Wohnungstür kommen. »Regional und nachhaltig« liegt im Trend, aber an der Erntearbeit ist nichts regional und nachhaltig. Weil die Löhne auf deutschen Höfen gegenüber Nachbarländern wie Dänemark hinterherhinken, müssen Arbeitskräfte aus immer ferneren Gegenden angeworben werden. Weil deutsche Bauern in Polen nicht mehr genug Leute finden, die für 9,50 Euro schuften wollen, müssen sie seit ein paar Jahren verstärkt nach Rumänien ausweichen. In diesem Jahr nun dürfen sogar 5.000 Erntehelfer*innen im Nicht-EU-Staat Georgien angeworben werden, dafür wurde extra ein zwischenstaatliches Abkommen geschlossen.</p>
<p>Überhaupt wird viel politischer Aufwand betrieben, das Sozial- und Arbeitsrecht für Agrarier weitgehend außer Kraft zu setzen. Sozialversicherungspflicht? Fehlanzeige! Die meisten Saisonkräfte gelten als »kurzfristig Beschäftigte« und müssen deshalb nicht versichert werden. Jedenfalls sofern sie das in ihren Heimatländern sind, was aber hierzulande niemand ernsthaft kontrolliert und wovon in der Praxis recht großzügig »ausgegangen« wird.</p>
<p>In der Theorie ist die »kurzfristige Beschäftigung« nämlich keine berufliche Tätigkeit, sondern ein Neben- oder Ferienjob. Tatsächlich war die Regelung ursprünglich für Schülerinnen und Schüler gedacht, die über ihre Eltern familienversichert sind. »Kurzfristig« hieß bis vor zwei Jahren noch 70 Tage. 2020 wurde die »Kurzfrist« auf 115 Tage verlängert. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) begründete das mit der Universalentschuldigung »Corona«. So wurde gleich noch eine ganze Reihe Sonderregeln durchgewunken, darunter der Zwölfstundentag. In diesem Jahr konnte die SPD die Union wieder auf 102 Tage herunterhandeln. Wer im Laufe der Saison bei mehreren Höfen arbeitet, kann aber locker über diese »Obergrenze« kommen. Die Bauern sind zwar verpflichtet, ihre Erntehelfer*innen bei der Minijobzentrale zu melden. Doch die erfasst nur die Dauer der einzelnen Arbeitsverhältnisse, nicht aber, wie lange jemand insgesamt »kurzfristig beschäftigt« ist. Nach dem GroKo-Kompromiss soll sich das zwar ändern, aber: nicht mehr in diesem Jahr. Die CDU/CSU sorgt für ihre Klientel.</p><p>The post <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/hauptsache-dem-spargel-geht-es-gut/">Hauptsache, dem Spargel geht es gut</a> first appeared on <a href="https://work-in-progress-journalisten.de">Journalistenbüro work in progress</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Eingeflogen, ausgebeutet, infiziert</title>
		<link>https://work-in-progress-journalisten.de/eingeflogen-ausgebeutet-infiziert/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[work in progress]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 07 Apr 2021 08:10:18 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Der Bundesregierung ist das Wohl der Agrarlobby weiterhin wichtiger als das der Erntehelfer Von Jörn Boewe und Johannes Schulten, neues Deutschland, 7. April 2021 Der DGB warnt vor »unverantwortbaren Zuständen bei der Ernte«, die IG BAU spricht von »staatlich verordnetem &#8230; <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/eingeflogen-ausgebeutet-infiziert/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
<p>The post <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/eingeflogen-ausgebeutet-infiziert/">Eingeflogen, ausgebeutet, infiziert</a> first appeared on <a href="https://work-in-progress-journalisten.de">Journalistenbüro work in progress</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der Bundesregierung ist das Wohl der Agrarlobby weiterhin wichtiger als das der Erntehelfer</strong></p>
<p><a href="https://www.neues-deutschland.de/artikel/1150422.erntehelfer-eingeflogen-ausgebeutet-infiziert.html" target="_blank" rel="noopener"><em>Von Jörn Boewe und Johannes Schulten, neues Deutschland, 7. April 2021</em></a></p>
<p>Der DGB warnt vor »unverantwortbaren Zuständen bei der Ernte«, die IG BAU spricht von »staatlich verordnetem Sozialdumping«. Wer dieser Tage aufmerksam die Zeitung liest, fühlt sich unweigerlich an das letzte Jahr erinnert. Wie nie zuvor waren die katastrophalen Bedingungen der ausländischen Saisonarbeitskräfte in der deutschen Landwirtschaft in die mediale Öffentlichkeit geraten.</p>
<p>Um die pandemiebedingten Einschränkungen des Personenverkehrs zu den Nachbarländern zu umgehen, wurden im April und Mai 2020 Zehntausende osteuropäische Erntehelfer per Luftbrücke eingeflogen &#8211; zur »Sicherstellung der Ernährungs- und Versorgungssicherheit in Deutschland«, wie der Bauernverband dramatisch formulierte. Die landwirtschaftlichen Betriebe profitierten zudem von zahlreichen Sonderregelungen, wie der Ausweitung der täglichen Höchstarbeitszeit auf zwölf Stunden. Da trotz aller staatlichen Anstrengungen nicht ausreichend ausländische Saisonarbeiter bereit waren, zu den hiesigen Bedingungen hierher zu kommen, erwarteten diejenigen, die es taten, ein erhöhter Arbeitsdruck und vielfach rechtswidrige Akkordregelungen. Auf zahlreichen Höfen kam es nachweislich zu Corona-Ausbrüchen.</p>
<p>Das ist kein Wunder. Nach außen hermetisch abgeschirmt, durften auch im Corona-Jahr 2020 noch bis zu 20 Personen in einer Unterkunft wohnen. Mindestens 300 landwirtschaftliche Saisonarbeitskräfte sollen sich nach einer Zählung der IG BAU zwischen April und Juli 2020 mit dem SARS-CoV-2-Virus infiziert haben. Ein trauriger Höhepunkt war der Tod eines 57-jährigen Erntehelfers auf einem Spargelhof in Baden-Württemberg am Osterwochenende. Wenn die letztjährige Erntesaison etwas Gutes hatte, dann, dass sie deutlich machte, wie abhängig die deutsche Landwirtschaft vom Import billiger Arbeitskraft ist.</p>
<p>Rund 1,1 Millionen Menschen arbeiten haupt- und nebenberuflich in landwirtschaftlichen Betrieben &#8211; knapp ein Drittel davon, etwa 300 000 &#8211; sind Saisonkräfte. Ohne sie wäre die Erntezeit nicht zu bewältigen &#8211; vom Spargelstechen im April bis zur Weinlese, die Mitte Oktober endet. Drei Viertel dieser Saisonkräfte kommen aus Mittel-, Ost- und Südosteuropa, vor allem aus Polen, Rumänien und Bulgarien. Aufbauend auf dem Mindestlohngesetz, das zum 1. Januar 2015 in Kraft trat, gibt es für die Landwirtschaft einen Mindestentgelt-Tarifvertrag. Für 2021 liegt die Untergrenze bei 9,50 Euro die Stunde. Wenngleich diese in der Praxis häufig unterlaufen wird: So etwa im Mai vergangenen Jahres, als etwa 100 rumänische Saisonarbeiter auf einem Hof im rheinländischen Bornheim in einen wilden Streik traten, um die Auszahlung von vorenthaltenen Löhnen einzufordern.</p>
<p>Doch so stark das mediale Interesse am Leid der Erntehelfer auch war, es hielt nur einige Monate an. Bereits im Sommer wandte sich die überregionale Berichterstattung wieder anderen Themen zu. Anders die Lobbyisten der Bauernverbände. Nur so ist es zu erklären, dass die Politik trotz der skandalösen Verstöße gegen Hygiene- und Arbeitsschutzstandards nichts bis wenig unternimmt, um gesetzlich festgeschriebene Betriebskontrollen tatsächlich flächendeckend und konsequent umzusetzen. Auch viele der im Jahr 2020 eingeführten Ausnahmeregelungen wurden nicht oder nur unzureichend behoben.</p>
<p>Ein Beispiel ist die im Frühjahr geschaffene Möglichkeit für landwirtschaftliche Betriebe, die Sozialversicherungspflicht für Saisonarbeiter nicht wie bis dahin für 70 Tage auszusetzen, sondern für 115 Tage &#8211; in diesem Jahr dürfen es 102 Tage sein. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) wollte die Entscheidung gar als Beitrag zur Pandemiebekämpfung verstanden wissen. Anlässlich der Kabinettsentscheidung betonte sie, dass eine längere Beschäftigung der ausländischen Saisonarbeitskräfte zu weniger Personalfluktuation führe und damit die Mobilität reduziere.</p>
<p>»Eine ursprüngliche Ausnahmeregelung für Ferienjobs soll nun offenbar Standard für die Einstellung von Erntehelfer*innen werden«, kritisierte dagegen DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel, »Wieder einmal wird deutlich, was für Julia Klöckner Vorrang hat: eben nicht das Wohl derer, die für uns die Erntearbeit erledigen, sondern vor allem die Interessen der Agrarlobby.«</p>
<p>Allein die Bereitschaft vieler Süd- und Osteuropäer, sich auf dem deutschen Äckern abzurackern, scheint geringer geworden zu sein. »Wir sind für Rumänen keine attraktiven Arbeitgeber mehr«, klagt der Verbandsvorsitzende der ostdeutschen Spargelanbauer gegenüber der Tagesschau. Abhilfe schafft die gemeinsame Initiative der Bundesagentur für Arbeit und des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, rund 5000 Erntehelfer aus Georgien nach Deutschland zu holen.</p>
<p>»Es ist immer wieder dasselbe: Die Erntebetriebe versuchen an den Lohnkosten zu sparen, wie es nur geht, um noch höhere Gewinne zu erzielen. Und der Staat hilft auch noch dabei«, kommentiert Harald Schaum, Vize-Chef der IG BAU. Er weist darauf hin, dass die Bundesregierung nach einer EU-Richtlinie die Möglichkeit habe, Agrarbetrieben vorzuschreiben, die Reisekosten für Erntehelfer zu übernehmen. Allerdings werde von dieser Möglichkeit kein Gebrauch gemacht. So müssen die Georgier die Kosten für ihre Hin- und Rückflüge selber zahlen.</p><p>The post <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/eingeflogen-ausgebeutet-infiziert/">Eingeflogen, ausgebeutet, infiziert</a> first appeared on <a href="https://work-in-progress-journalisten.de">Journalistenbüro work in progress</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Zeit ist wichtiger als Geld</title>
		<link>https://work-in-progress-journalisten.de/zeit-ist-wichtiger-als-geld/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[work in progress]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 12 Nov 2018 21:44:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Presse]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitszeit]]></category>
		<category><![CDATA[Gewerkschaft]]></category>
		<category><![CDATA[IG Metall]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Metall-Tarif: Vor allem Schichtarbeiter wollen lieber mehr freie Tage, die »verkürzte Vollzeit« ist weniger nachgefragt Von Jörn Boewe, neues deutschland, 13. Nov. 2018 Zeit ist Geld sagt der Alltagsverstand, und liegt spontan damit auf einer Wellenlänge mit der marxistischen Arbeitswertlehre. &#8230; <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/zeit-ist-wichtiger-als-geld/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2>Metall-Tarif: Vor allem Schichtarbeiter wollen lieber mehr freie Tage, die »verkürzte Vollzeit« ist weniger nachgefragt</h2>
<p><a href="https://www.neues-deutschland.de/artikel/1105540.arbeitszeit-zeit-ist-wichtiger-als-geld.html?fbclid=IwAR2Mu5GFvWCLXA0MbswvcvYP2SSf_QzCmoZVW4Cq91HxeWnA-pxdA0DpQnc" target="_blank" rel="noopener"><em>Von Jörn Boewe, neues deutschland, 13. Nov. 2018</em></a></p>
<p>Zeit ist Geld sagt der Alltagsverstand, und liegt spontan damit auf einer Wellenlänge mit der marxistischen Arbeitswertlehre. Eine sechsstellige Zahl Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie haben der Sache gerade einen neuen Dreh verpasst: Für sie ist Zeit sogar noch wichtiger als Geld. 190.000 Beschäftigte, die Kinder betreuen, Angehörige pflegen oder Schicht arbeiten, wollen im nächsten Jahr acht zusätzliche freie Tage in Anspruch nehmen und verzichten dafür auf ein paar hundert Euro aus ihrem »tariflichen Zusatzgeld«.<span id="more-1441"></span></p>
<p>Das geht aus am Montag in Frankfurt am Main veröffentlichten Ergebnissen einer aktuellen Befragung der IG Metall unter Betriebsräten von 1400 Unternehmen hervor. Die Beschäftigten machen damit Gebrauch von einer Wahloption aus dem im Februar geschlossenen Tarifvertrag: Dieser sieht ab 2019 ein tarifliches Zusatzgeld (»T-ZUG«) vor: 400 Euro plus 27,5 Prozent eines Monatslohns. Beschäftigte mit Kindern bis acht Jahre, pflegebedürftigen Angehörigen und Schichtarbeitende können anstelle der prozentualen Komponente acht zusätzliche freie Tage in Anspruch nehmen. Entsprechende Anträge für das nächste Jahr mussten bis 31. Oktober gestellt werden.</p>
<p>Bereits seit Monaten hatte sich in vielen Betrieben ein regelrechter Run auf die freien Zusatztage abgezeichnet (<a href="http://work-in-progress-journalisten.de/freie-tage-sind-der-renner/" target="_blank" rel="noopener">vgl. »nd« vom 5.10.</a>). Die nun vorliegenden Zahlen übertreffen offenbar vielerorts die Erwartungen. Die Gewerkschaft habe »den Nerv der Zeit getroffen«, erklärte Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall, am Montag in Frankfurt am Main. »Ganz offensichtlich entsprechen die neuen Möglichkeiten zur Selbstbestimmung bei der Arbeitszeit den konkreten Bedürfnissen der Beschäftigten.«</p>
<p>Mit 140.000 wurden die meisten Anträge den Angaben zufolge von Schichtarbeitenden gestellt. Damit hätten »etwa 70 bis 80 Prozent« aller Beschäftigten, die in Schichtsystemen arbeiten, ihren Anspruch geltend gemacht, so ein IG-Metall-Sprecher auf Nachfrage. Weitere 40.000 Anträge kamen von Eltern, die mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen möchten. 10.000 Beschäftigte wollen zusätzliche freie Tage, um Entlastung bei der Pflege von Angehörigen zu erreichen.</p>
<p>Der Tarifvertrag lässt Arbeitgebern wenig Möglichkeit, die Zustimmung zu verweigern: Sind die Anspruchsvoraussetzungen gegeben, muss der Antrag bewilligt werden &#8211; so versteht es die IG Metall. Bei Gesamtmetall sieht man die Dinge anders: Der Arbeitgeber habe durchaus »das Recht, Anträge schlicht abzulehnen, wenn keine Kollegin oder kein Kollege länger arbeiten will«, sagte Gesamtmetall-Sprecher Martin Leutz auf Nachfrage.</p>
<p>Betriebsräte und Arbeitgeber müssen nun bis 31. Dezember Antrag für Antrag erörtern, wie das entfallende Arbeitsvolumen ausgeglichen werden kann &#8211; durch freiwillige Arbeitszeitverlängerung anderer Beschäftigter, zeitweise Erhöhung der Leiharbeitsquoten oder Neueinstellungen. Alles in allem geht es um ein Arbeitsvolumen von rechnerisch immerhin rund 7000 Vollzeitstellen. Die Arbeitgeber wollen das offensichtlich vor allem durch Mehrarbeit ausgleichen lassen: Jeder Freistellungstag müsse »im Betrieb von einem gleich qualifizierten Mitarbeiter durch längere Arbeitszeiten ausgeglichen werden«, so Leutz. »Der große Fachkräftemangel und die gute Auftragslage erzwingen das leider auch.«</p>
<p>Deutlich geringer als erwartet fällt offenbar das Interesse an der »verkürzten Vollzeit« aus &#8211; jener vieldiskutierten Tarifregelung, nach der Beschäftigte ihre Wochenarbeitszeit befristet auf 28 Stunden reduzieren können. Hier wurden laut Umfrage bislang 8000 Anträge gestellt. Der Anspruch auf Reduzierung der Arbeitszeit für bis zu 24 Monate gilt für alle Beschäftigten im Geltungsbereich des Tarifvertrages &#8211; anders als die freien Zusatztage also nicht nur für spezielle Gruppen.</p>
<p>Hier war es der IG Metall gelungen, erstmals ein Rückkehrrecht zur »normalen« Vollzeit verbindlich festzuschreiben. Damit konnte die Gewerkschaft zwar eine wirksame Antwort auf die Ängste vieler Beschäftigter vor der »Teilzeitfalle« geben. Doch mit ihrer ursprünglichen Forderung nach einem teilweisen Lohnausgleich hatte sich die IG Metall in der Tarifrunde nicht durchsetzen können. Anders als die Inanspruchnahme der acht freien Zusatztage aus dem »T-ZUG« ist die »verkürzte Vollzeit« mit echten Einkommenseinbußen verbunden &#8211; viele Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter sehen darin den Hauptgrund für das bislang eher verhaltene Interesse.</p><p>The post <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/zeit-ist-wichtiger-als-geld/">Zeit ist wichtiger als Geld</a> first appeared on <a href="https://work-in-progress-journalisten.de">Journalistenbüro work in progress</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Freie Tage sind der Renner</title>
		<link>https://work-in-progress-journalisten.de/freie-tage-sind-der-renner/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[work in progress]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Oct 2018 04:28:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Presse]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitszeit]]></category>
		<category><![CDATA[Gewerkschaft]]></category>
		<category><![CDATA[IG Metall]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Tarifabschluss Metall: Viele Schichtarbeiter wollen lieber weniger arbeiten als zusätzliches Geld Von Jörn Boewe, neues deutschland, 5. Okt. 2018 Weniger arbeiten statt mehr Geld &#8211; bei den Schichtbeschäftigten im Geltungsbereich des Flächentarifvertrags der Metall- und Elektroindustrie scheint die Idee gut &#8230; <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/freie-tage-sind-der-renner/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Tarifabschluss Metall: Viele Schichtarbeiter wollen lieber weniger arbeiten als zusätzliches Geld</strong></p>
<p><a href="https://www.neues-deutschland.de/artikel/1102366.ig-metall-freie-tage-sind-der-renner.html?sstr=Boewe" target="_blank" rel="noopener"><em>Von Jörn Boewe, neues deutschland, 5. Okt. 2018</em></a></p>
<p>Weniger arbeiten statt mehr Geld &#8211; bei den Schichtbeschäftigten im Geltungsbereich des Flächentarifvertrags der Metall- und Elektroindustrie scheint die Idee gut anzukommen. Wie Gewerkschafter aus verschiedenen Regionen und Betrieben übereinstimmend berichten, gibt es einen regelrechten Run auf die Option, im nächsten Jahr bis zu acht zusätzliche freie Tage in Anspruch zu nehmen und dafür auf einen Teil des sogenannten »Tariflichen Zusatzgelds« (T-ZUG) zu verzichten.<span id="more-1438"></span></p>
<p>In ihrem im Februar vereinbarten Tarifabschluss hatte die IG Metall erstmals seit vielen Jahren wieder zwei Regelungen zu Arbeitszeitthemen vereinbart: das Recht auf »verkürzte Vollzeit« mit Rückkehrrecht zur »Normal-Vollzeit« und die Wahloption für Schichtarbeiter, Beschäftigte mit bis zu acht Jahre alten Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen, einen Teil des ab 2019 anstehenden »Tariflichen Zusatzgeldes« (T-ZUG) in acht zusätzliche freie Tage umzuwandeln.</p>
<p>Anders als bei früheren arbeitszeitpolitischen Forderungen &#8211; etwa die 35-Stunden-Woche &#8211; geht es bei den aktuellen Vereinbarungen nicht um kollektive Arbeitszeitverkürzung, sondern um individuelle Rechtsansprüche. Wer für bis zu zwei Jahre statt 35 (im Westen) oder 38 Stunden (im Osten) nur noch 28 Stunden in der Woche arbeiten will, muss das in der Regel mit einem halben Jahr Vorlauf beantragen, wobei in einigen Regionen und Betrieben kürzere Fristen gelten. Wer nächstes Jahr die acht freien Zusatztage haben möchte, muss das bundesweit bis spätestens 31. Oktober anmelden.</p>
<p>Die Frist in Sachen Zusatztage läuft also noch bis Monatsende, weshalb beim IG-Metall-Vorstand noch keine belastbaren Zahlen vorliegen. Allerdings zeichne sich jetzt schon ab, dass das Interesse »sehr hoch« sei, sagt Pressesprecherin Ingrid Gier. Anders dagegen sehe es bei der »kurzen Vollzeit« aus, wo die Nachfrage bislang eher moderat bleibe.</p>
<p>So etwa im Pilotbezirk Baden-Württemberg: »Der große Renner sind die zusätzlichen freien Tage«, sagt Petra Otte, Sprecherin der IG- Metall-Bezirksleitung in Stuttgart. Anträge auf verkürzte Vollzeit würden auch gestellt, seien aber »nicht das ganz große Thema«. Derselbe Trend zeichnet sich im Norden ab: »Es gibt ein sehr großes Interesse an den freien Zusatztagen«, so Heiko Mes-serschmidt von der Bezirksleitung Küste in Hamburg. Nach der »kurzen Vollzeit« bestehe zwar auch eine gewisse Nachfrage, diese sei aber »nicht annähernd so groß«.</p>
<p>Offenbar hat die IG Metall zumindest mit den freien Zusatztagen einen Nerv getroffen, denn &#8211; wo man auch nachfragt &#8211; das Phänomen scheint ziemlich flächendeckend zu sein. So auch bei BMW in Leipzig: Täglich gehen hier neue Anträge ein, berichtet Betriebsratsvorsitzender Jörg Köhler. Und: »Wir gehen davon aus, dass bei uns fast jeder Anspruchsberechtigte davon Gebrauch machen wird.«</p>
<p>Allein von den rund 5300 Beschäftigten der Stammbelegschaft arbeiten an die 80 Prozent in Schichtsystemen. Den Grund für das große Interesse sieht Köhler »ganz klar« im Arbeitsstress: »Die Leute brauchen die freien Tage zur Erholung.« Für Köhler kommt der Run deshalb »nicht unerwartet«. Auch dass er stärker ist als in den bayerischen BMW-Werken, ist für ihn nur folgerichtig: »Dort gilt die 35-Stunden-Woche, bei uns immer noch die 38-Stunden-Woche &#8211; dadurch ist die Arbeitsbelastung im Osten noch mal höher.«</p>
<p>Aber auch in westdeutschen Automobilfabriken ist das Interesse groß, so etwa im Bremer Mercedes-Werk, mit 12 500 Beschäftigten eines der größten im Konzern. Wie der »Weser-Kurier« Anfang September berichtete, lagen dort rund zwei Monate vor Fristende bereits 2600 Anträge vor, was nach Schätzung des Bremer Ersten Bevollmächtigten der IG Metall Volker Stahmann etwa 100 Vollzeitarbeitsplätzen entspricht. Und auch bei Volkswagen, wo anstelle des Flächentarifs ein Haustarifvertrag gilt, der nur sechs freie Zusatztage vorsieht, ist das Interesse überwältigend: »Es dürften sich wohl bis zu 90 Prozent der Kolleginnen und Kollegen für die sechs zusätzlichen freien Tage entscheiden«, zitiert die aktuelle Ausgabe der Betriebszeitung »Mitbestimmen« den Wolfsburger Betriebsrats-Koordinator und Tarifexperten Guido Mehlhop. Dass sich das Interesse an der »kurzen Vollzeit« offenbar eher in Grenzen hält, hat nach Einschätzung aller Befragten schlichtweg finanzielle Gründe. »Das geht eben ins Geld«, meint BMW-Betriebsratsvorsitzender Köhler knapp.</p>
<p>Nach der jetzigen Regelung haben alle Vollzeit-Tarifbeschäftigten die Möglichkeit, ihre persönliche Wochenarbeitszeit bis zu zwei Jahre lang auf 28 Stunden zu reduzieren. Die Einkommensverluste müssen sie allerdings selber tragen &#8211; einen teilweisen Lohnausgleich durch den Arbeitgeber, wie ihn die IG Metall ursprünglich für bestimmte Beschäftigtengruppen mit besonderen Arbeitsbelastungen gefordert hatte, gibt es nicht. Die freien Zusatztage sind zwar auch nicht umsonst, werden mit Verzicht auf zusätzliches Geld erkauft &#8211; nicht aber mit Einkommenseinbußen.</p>
<hr />
<p class="western"><em><strong><span style="font-family: Arial, sans-serif;"><span style="font-size: small;">Hebel für Neueinstellungen?</span></span></strong></em></p>
<p><em><span style="font-family: Arial, sans-serif;"><span style="font-size: small;">Der im Februar 2018 abgeschlossene Tarifvertrag sieht ab 2019 erstmals ein Tarifliches Zusatzgeld (»T-ZUG«) vor: 400 Euro plus 27,5 Prozent eines Monatslohns. Beschäftigte mit Kindern bis acht Jahre, pflegebedürftigen Angehörigen und Schichtarbeitende können anstelle der prozentualen Komponente acht zusätzliche freie Tage in Anspruch nehmen. Sind die Anspruchsvoraussetzungen gegeben, muss der Antrag bewilligt werden. Betriebsräte und Arbeitgeber müssen bis zum 31. Dezember anhand der vorliegenden Anträge zu erörtern, wie das entfallende Arbeitsvolumen ausgeglichen werden kann – durch freiwillige Arbeitszeitverlängerung anderer Beschäftigter, zeitweise Erhöhung der Leiharbeitsquoten oder Neueinstellungen, z. B. durch Übernahme von Leiharbeitern. Gewerkschafter erwarten, dass die Umsetzung nicht konfliktfrei verläuft. Anfang 2021 wollen die Tarifparteien das Modell evaluieren.</span></span></em></p>
<hr />
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p><p>The post <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/freie-tage-sind-der-renner/">Freie Tage sind der Renner</a> first appeared on <a href="https://work-in-progress-journalisten.de">Journalistenbüro work in progress</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Schicht vorm Tor</title>
		<link>https://work-in-progress-journalisten.de/schicht-vorm-tor/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[work in progress]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 02 Feb 2018 08:12:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Presse]]></category>
		<category><![CDATA[Top Stories]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitszeit]]></category>
		<category><![CDATA[Gewerkschaft]]></category>
		<category><![CDATA[IG Metall]]></category>
		<category><![CDATA[Reportage]]></category>
		<category><![CDATA[Strategie]]></category>
		<category><![CDATA[Streik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Von Jörn Boewe, Hannover, neues deutschland, 1. Februar 2018 Mittwoch, früh um fünf in einem Industriegebiet in Hannover: Ein paar Männer mit roten Warnwesten zünden Feuer in einer durchlöcherten Tonne an. Der Januar ist viel zu warm, aber wenn man &#8230; <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/schicht-vorm-tor/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://www.neues-deutschland.de/artikel/1078059.streiks-der-ig-metall-schicht-vorm-tor.html" target="_blank" rel="noopener"><em>Von Jörn Boewe, Hannover, neues deutschland, 1. Februar 2018</em></a></p>
<p>Mittwoch, früh um fünf in einem Industriegebiet in Hannover: Ein paar Männer mit roten Warnwesten zünden Feuer in einer durchlöcherten Tonne an. Der Januar ist viel zu warm, aber wenn man draußen steht, friert man schneller, als man denkt. Und sie wollen den ganzen Tag hier stehen. 250 Betriebe wird die IG Metall ab 6 Uhr früh bundesweit für 24 Stunden bestreiken, und ihr Betrieb, der Kupplungs- und Lagerhersteller Renk AG Hannover, ist der erste im ganzen Tarifbezirk Niedersachsen/Sachsen-Anhalt.</p>
<p><a href="http://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2018/02/IMG_20180131_114342_111.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-1312 size-large" src="http://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2018/02/IMG_20180131_114342_111-1024x576.jpg" alt="" width="584" height="329" srcset="https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2018/02/IMG_20180131_114342_111-1024x576.jpg 1024w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2018/02/IMG_20180131_114342_111-300x169.jpg 300w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2018/02/IMG_20180131_114342_111-768x432.jpg 768w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2018/02/IMG_20180131_114342_111-500x281.jpg 500w, https://work-in-progress-journalisten.de/wp-content/uploads/2018/02/IMG_20180131_114342_111.jpg 1072w" sizes="auto, (max-width: 584px) 100vw, 584px" /></a>Die letzten Handgriffe werden erledigt. Das Zelt auf der anderen Straßenseite steht schon, Kaffee ist gekocht. Fahnen und Transparente werden ausgerollt, Lautsprecher und Verstärkeranlage aufgebaut. Zweimal sind sie im Januar schon in den Warnstreik getreten. Einmal für 40 Minuten, einmal für drei Stunden. Aber das jetzt ist etwas anderes.</p>
<p><a href="https://www.neues-deutschland.de/artikel/1078059.streiks-der-ig-metall-schicht-vorm-tor.html" target="_blank" rel="noopener"><em>&gt;&gt;&gt; weiterlesen &gt;&gt;&gt;</em></a></p><p>The post <a href="https://work-in-progress-journalisten.de/schicht-vorm-tor/">Schicht vorm Tor</a> first appeared on <a href="https://work-in-progress-journalisten.de">Journalistenbüro work in progress</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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