Zwischen den Lagern

Die Story muß gut werden, denn das Thema wird sich nicht von selbst verkaufen. Ich rechne im Gegenteil mit erheblichen Schwierigkeiten, gerade weil die Energiewende zu einem zentralen Wahlkampfthema wird. Das Problem: Unser Ansatz steht quer zur Auseinandersetzung, bei der es ausschließlich um die Frage geht, ob die Masse der Bevölkerung bereit ist, über die EEG-Umlage weiter für die Erschließung der erneuerbaren Energien zu zahlen.

Ich habe in den letzten Tagen zweimal versucht, durchaus verständigen Leuten in meinem Bekanntenkreis eine Antwort auf die Frage: „Worum geht es nochmal bei eurem Projekt?“ zu geben. In einem Fall handelte es sich um ein Paar Ende 40, sozialökologisches Milieu. Spontane Reaktion: Jetzt bitte nicht noch mehr negative Schlagzeilen für die Energiewende. Schreibt doch lieber was über die richtig üblen Typen bei RWE und E.on usw.

Zweiter Fall: Dieselbe Altersgruppe, bürgerliche Mitte. Wie gesagt, durchaus verständige Menschen. Die Reizwörter Solar- und Windkraft lösen eine spontane Abwehrreaktion aus, die mich überrascht: Wir zahlen deren Subventionen mit unserer Stromrechnung, die Landschaft wird verspargelt, Windkraftanlagen sind laut und häßlich … all diese längst überwunden geglaubten Reflexe werden wieder reaktiviert.

Ich bin sicher, beide Attitüden werden in den nächsten Monaten an Irrationalität und Nervosität gewinnen. Die Republik spaltet sich in Lager, zwischen denen es nicht viel gibt. Die Redaktionen werden davon nicht verschont bleiben. Wir müssen uns darauf einstellen, wenn ich auch noch nicht weiß, wie.