Der Ölpreis und die Klassenfrage

Die Ökonomie des Ölpreises: Wie Konzerne jetzt Rekord-Profite auf unsere Kosten machen

Benzin, Heizen und Strom: Durch den Iran-Krieg wird alles teurer. Auch Flüssiggas verkaufen Energiekonzerne in Europa gerade zu teils doppelt so hohen Preisen, wie sie für die Beschaffung bezahlen. Wie diese Ungerechtigkeit funktioniert

Von Jörn Boewe, der Freitag, 5. März 2026

Geopolitische Konflikte beginnen selten an Orten, die nach Alltag aussehen. Sie beginnen in diplomatischen Krisen, militärischen Drohungen und strategischen Meerengen. Doch ihre wirtschaftlichen Folgen lassen sich erstaunlich leicht finden. Man muss nur auf den Preis schauen, der an der Tankstelle aufleuchtet.

Wie eine zusätzliche Steuer

Steigt der Ölpreis, verändert sich nicht nur die Lage auf den Weltmärkten. Er verändert auch die Verteilung von Einkommen innerhalb einer Gesellschaft. Energie gehört zu den grundlegenden Kosten des Lebens – für Haushalte ebenso wie für Unternehmen. Wenn Energie teurer wird, wirkt das wie eine zusätzliche Steuer.

Diese Steuer ist allerdings keine, über die Parlamente abstimmen. Sie entsteht aus geopolitischen Konflikten, Marktreaktionen und globalen Lieferketten. Und sie trifft nicht alle gleich.

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Windkraft ohne Wertschöpfung?

Ostdeutschland produziert so viel Windstrom wie kaum eine Region – doch die Industrie bleibt aus. Zementiert die Energiewende alte Machtverhältnisse?

Von Jörn Boewe, Ostdeutsche Allgemeine Zeitung, 24. Feb. 2026

Wer im Frühling durch Brandenburg fährt, sieht sie schon von Weitem: die weißen Riesen, die über den Rapsfeldern kreisen wie eine neue Art von Landschaftstier. An der Ostseeküste stehen sie im Wasser, als hätten sie dort Wurzeln geschlagen. In Sachsen-Anhalt ziehen sich die Türme bis an den Horizont. Rotorblatt an Rotorblatt, Trasse an Trasse. Die Energiewende hat hier eine Adresse, eine Silhouette, eine Geräuschkulisse.

Der Osten Deutschlands ist längst eine der produktivsten Stromfabriken des Landes. Sachsen-Anhalt zählt zu den führenden Onshore-Standorten, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern speisen gewaltige Mengen Windstrom ins Netz. Die Kilowattstunden entstehen hier – zuverlässig, massenhaft, wetterabhängig – und doch im System beherrschbar.

Dennoch steht über diesen Landschaften eine Frage, die sich nicht wegdrehen lässt wie ein Rotor im Wind: Wo bleibt die neue Industrie?

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Die Ölraffinerie in Schwedt zeigt, Energiepolitik in Brandenburg ist Hegemonialpolitik

Ohne Öl in Schwedt kein Benzin für Ostdeutschland: Im April endet die US-Ausnahmegenehmigung, an der die Existenz der PCK-Raffinerie hängt. Die Bundesregierung muss handeln – ist aber von transatlantischer Sanktionsarchitektur abhängig

Von Jörn Boewe, der Freitag 09/2026 – 20.02.2026

Ob der Betrieb eines der wichtigsten Industriestandorte Brandenburgs dauerhaft gesichert ist, hängt nicht nur von Märkten und Lieferketten ab – sondern von politischen Entscheidungen jenseits Europas.

Der Ukrainekrieg hat Energie vom wirtschaftlichen Bindemittel zum strategischen Machtinstrument gemacht. An der Oder zeigt sich, wie eng Europas Energieordnung mit einem Hegemonialkonflikt verknüpft ist – und wie fragil der Anspruch „strategischer Autonomie“ bleibt.

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