Vom Après-Ski in den Maschinenraum

“Vom Après-Ski in den Maschinenraum: Die Hotspots der Corona-Pandemie verlagern sich. Fast 1.000 Fälle in Schlachthöfen, 80 in einem Paketzentrum bei Heinsberg, knapp 70 im Amazon-Versandlager bei Hamburg. Während sich die Öffentlichkeit über ihr Freizeitverhalten die Köpfe heißredet, wird langsam klar, dass ein schnell wachsender Teil der Infektionen einen direkten Bezug zu Arbeitsplatz und Wohnsituation hat.”

Jörn Boewe im Freitag 19/2020 über die “Risikogruppe Dienstleistungsproletariat”.

In die Offensive

Gewerkschaften: Beschäftigte zeigen Engagement trotz Social Distancing – und feiern Erfolge. Johannes Schulten, Jörn Boewe – der Freitag 19/2020, 6. Mai 2020

Kontaktsperren, Versammlungsverbot, Social Distancing – die Corona-Pandemie hat Gewerkschaften ihrer wichtigsten Druckmittel beraubt. Auch wenn es zur schrittweisen Lockerung der Ausgangsbeschränkungen kommt und die Richter in Karlsruhe das generelle Demonstrationsverbot als Teil der Corona-Kontaktsperre kassiert haben: Auf absehbare Zeit wird es schwierig bleiben, Kundgebungen zu organisieren, Forderungen zu beraten, Tarifkommissionen in Betrieben zu wählen, von Streiks und Großdemonstrationen ganz zu schweigen. Derweil wird der gesellschaftliche Konflikt zur Frage, wer am Ende die Rechnung für all die Corona-bedingten Maßnahmen, Hilfsprogramme und Verluste übernehmen soll, längst ausgefochten.
>>>weiterlesen>>>

Artikel als PDF

Billiger Spargel ist zu teuer

Billiger Spargel ist zu teuer erkauft: “Schlaglichtartig macht das Coronavirus doppelte Standards für den Gesundheitsschutz der einheimischen Bevölkerung und ausländischer Saisonarbeitskräfte sichtbar. Aber diese doppelten Standards sind kein Versäumnis – nein, sie liegen in der Logik des Systems, das einen Großteil des Wohlstands der Bundesrepublik Deutschland ausmacht.” Kommentar von Jörn Boewe im aktuellen Freitag. #spargel #wanderarbeiter #coronavirus #erntehelfer
https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/der-schutz-kommt-zum-schluss

Noch mehr schuften

Arbeit: Schlecht bezahlte Dienstleister bekommen jetzt Applaus vom Balkon. Ihre Jobs werden härter. Jörn Boewe, Johannes Schulten, der Freitag 14/2020

Die Spaltung der Arbeitswelt in Arbeiter und Angestellte hat man lange nicht so deutlich gesehen wie in diesen Tagen. Das Coronavirus sortiert die Beschäftigten: Während die einen stundenlang in Videokonferenzen hängen, fahren die anderen Tag für Tag an ihre Arbeitsstätten. Es sind vor allem Angehörige schlecht bezahlter Dienstleistungsberufe, die jetzt die soziale Infrastruktur am Laufen halten und zu Helden verklärt werden, während ihnen die Privilegierteren allabendlich vom Balkon vorm Homeoffice aus kollektiven Applaus spendieren.

Viele unserer neu entdeckten Helden arbeiten zu so niedrigen Löhnen, dass sie sich schlicht kein Auto leisten können. Sie sind auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen – staatliches Abstandsgebot hin oder her. Man darf in Berlin zwar nicht allein mit einem Buch auf der Parkbank sitzen, mit einem Dutzend niesender Mit-Passagiere im U-Bahn-Abteil aber schon. Weiterlesen

Zuhören, handeln, siegen

“Wann haben wir das letzte Mal eine Frage, die die Leute im Alltag bewegt, mit ihnen diskutiert? Und wie oft haben wir in unseren Terminkalender geguckt und gesagt: Ich habe keine Zeit, vielleicht morgen?” So der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Mannheim, Klaus Stein, in einer Reportage von Jörn Boewe für WEGMARKEN, die Special Edition der German Times zum 70. Jahrestag der DGB-Gründung (S. 13). Stein und seine Kolleginnen und Kollegen haben vor knapp einem Jahr begonnen, ihre Arbeit auf eine neue Weise zu organisieren. “Wir in Mannheim – gemeinsam stark!” ist eine Art Pilotversuch, bei dem Vertrauensleute und betriebliche Aktive das Rückgrat bilden. Gemeinsame monatliche Tagesworkshops, praxisnahe Schulungen, konkrete Aktionsplanungen, gegenseitige kollegiale Beratung – das sind die Elemente. Letztlich geht es darum, “unsere politi-sche Arbeit vom Kopf wieder auf die Füße zu stellen”, bringt es Stein auf den Punkt.

Im selben Blatt schreibt Johannes Schulten über neue Ansätze internationaler gewerkschaftlicher Solidarität (S. 19) und schaut sich dazu die Arbeitskämpfe bei Amazon, Ryanair und im ungarischen Automobilcluster Györ an. Sein Fazit: “Internationale Gewerkschaftszusammenarbeit wird konkreter, operativer und fokussierter.” Der “Internationalismus der Sonntagsreden” war gestern. Die von ihm vorgestellten Beispiele zeigen, “was möglich ist, wenn sich Arbeitende über Grenzen hinweg zusammentun.”

http://www.times-media.de/special_editions.html

Zu nah an der Null

Dumping: Die Lufthansa will ihr Catering verkaufen. Dessen US-Angestellte arbeiten für Hungerlöhne. Von Jörn Boewe, Der Freitag, 43/2019, 23. Okt. 2019

Tausende Lufthansa-Beschäftigten in den USA arbeiten zu Armutslöhnen und unter Bedingungen, die in Europa unvorstellbar wären. Das geht aus einer Mitte Oktober von der Internationalen Transportarbeiterföderation und der US-Gewerkschaft Unite Here veröffentlichen Studie über die Lufthansa-Catering-Tochter LSG Sky Chefs hervor.

>>> weiter >>>

 

Daimler: The Far Right on the Factory Floor

At Daimler’s main factory in Stuttgart-Untertürkheim, the far-right are represented in the works council and are attacking migrant colleagues and the metal-workers union IG Metall

Originally published at der Freitag. Translated and edited by BRAVE NEW EUROPE

Are right-wing extremists on the rise in Germany’s industrial workforce? Just over a year after the works council elections in 2018, the question arises again. In mid-July, there was a loud verbal dispute between supporters of the right-wing radical group “Zentrum Automobil” (ZA) and the traditional German union IG Metall in front of the gate of the Daimler plant in Mettingen near Stuttgart. The occasion was a leaflet campaign with which the “Zentrum Automobil” promoted its 35-minute film “Der Vertrauensmann” (The Shop Steward), which was posted on the Internet at the beginning of July.

The professionally made film tells the story …

>>> read more >>>

Rechts vom Fließband

Sind Rechtsextremisten in der Industrie-Arbeiterschaft auf dem Vormarsch? Gut ein Jahr nach den Betriebsratswahlen 2018 stellt sich die Frage erneut. Mitte Juli kam es vor dem Tor des Daim­ler-Werks in Mettingen bei Stuttgart zu einer lautstarken verbalen Auseinander­setzung zwischen Anhängern der rechts­radikalen Gruppierung „Zentrum Auto­mobil“ (ZA) und IG Metallern. Anlass war eine Flugblatt­aktion, mit der das „Zent­rum Automobil“ für seinen Anfang Juli im Netz veröffentlichten 35-minütigen Film Der Vertrauensmann Reklame machte.

Der Film ist das PR-Vorzeigeprojekt des 2009 gegründeten „Zentrum Automobil“, das sich selbst als „unabhängige Gewerkschaft“ in „Opposition zu den gekauften Einheitsgewerkschaften“ sieht. Eine merkwürdige „Gewerkschaft“, die seit zehn Jahren weder Arbeitskämpfe ge­führt noch Tarifverträge geschlossen hat. Auffällig ist, dass trotz flotter Sprüche gegen „Finanzkapital“, „Globalisierung“ und „Großkonzerne“ der konkrete Hauptfeind immer die IG Metall ist.

>>> weiterlesen in: der Freitag 32/2019, 8. August 2019

»Der Schlüssel ist Beteiligung«

Allen Sonntagsreden zum Trotz ist die deutsche Unternehmenskultur vielfach immer noch bildungsfeindlich, meint IG Metall-Vorsitzender Jörg Hofmann, in einem Interview, das Jörn Boewe kürzlich für das Magazin Mitbestimmung führte. Wie kann man das aufbrechen? »Der Schlüssel ist Beteiligung«, meint Hofmann. »Wir brauchen keine Appelle für lebenslanges Lernen, sondern eine lernorientierte Arbeitswelt, in der Lernen zur Alltagspraxis gehört und Menschen die Möglichkeit haben, zu partizipieren. Das geht aber nicht mit dieser alten, tayloristisch-­hierarchischen Struktur, die zumindest die Fabrikhallen noch prägt. Lernen hat unmittelbar mit Demokratie im Betrieb und Mitbestimmung über die Arbeitsbedingungen zu tun. Sich Gedanken zu machen: Wie will ich meinen Arbeitsplatz gestalten? Wo sind Restriktionen, wo Chancen? Wenn das verwehrt wird und jemand nur nach Arbeitsanweisung seine Tätigkeit durchziehen soll, ist der Mensch nur zur Hälfte gefordert. Eine Führungskultur, die es stört, wenn sich Beschäftigte ihre Gedanken machen, verzichtet nicht nur auf Innovation, sondern verweigert den Beschäftigten Zukunft.«

>>> zum Interview >>>

>>> komplettes Heft als Download >>>

Direkter Draht zum konservativen Gouverneur

VW in den USA behindert seit langem gewerkschaftliche Interessenvertretung – nun kommt es zur Abstimmung

Von Jörn Boewe, neues deutschland, 12. Juni 2019

Im jahrelangen Konflikt um betriebliche und gewerkschaftliche Mitbestimmung im Volkswagen-Werk Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee kommt es nun zu einer Entscheidung. Ab diesen Mittwoch bis einschließlich Freitag können alle 1700 Beschäftigten darüber abstimmen, ob die Automobilarbeitergewerkschaft United Auto Workers (UAW) ihre Interessen vertreten soll, wie die oberste Arbeitsbehörde der USA, das National Labour Relations Board (NLRB), entschieden hat.

Die Auseinandersetzung läuft bereits seit 2015. Damals hatte die UAW eine Gewerkschaftswahl für die rund 160 Facharbeiter der Instandhaltung des VW-Werkes in Chattanooga gewonnen. Doch der Konzern verweigerte der Gewerkschaft danach mit enormem juristischen Aufwand die offizielle Anerkennung als Tarifpartei. Und auch die nun stattfindende Anerkennungswahl, nach US-Arbeitsrecht eine Voraussetzung für Tarifverhandlungen und betriebliche Mitbestimmung, wird überschattet von Versuchen des lokalen VW-Managements, die Belegschaft von einem Votum für die UAW abzuhalten. Weiterlesen