„Elektro-SUVs lösen kein Problem“

“Das Problem ist das Geschäftsmodell der Branche, das dafür ausgelegt ist, jährlich 70 Millionen Autos in den Weltmarkt zu drücken.” Der Mann, der das sagt, ist Betriebsratsvorsitzender des zweitgrößten VW-Werks in Deutschland (Kassel-Baunatal mit 17.000 Beschäftigten), ist IG Metaller und heißt Carsten Bätzold. Wir haben mit ihm für die Wochenzeitung Der Freitag gesprochen. Bätzold spricht unbequeme Wahrheiten aus, die man von den Betriebsratsvorsitzenden der großen Automobilkonzerne so noch nicht gehört hat: “Was wir brauchen, sind weniger Autos, kleinere Autos, ein Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs mit bedarfsgerechten Rufbus- und Carsharing-Angeboten für den ländlichen Raum.” Im aktuellen Freitag (12/2021), ab sofort überall dort, wo es Zeitungen gibt.

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«Wo ist die Ladestation? Beim Aldi!» Verkehrswende und Transformation aus Sicht der Beschäftigten in der Automobilindustrie

Sieben Beobachtungen aus Feldinterviews zum sozial-ökologischen Umbau der Mobilität

Die globale Automobilindustrie steckt in tiefgreifenden Strukturveränderungen. Trends wie der Bedeutungsgewinn des elektrischen Antriebsstrangs, digitale Fahrassistenzsysteme, die Perspektive eines «autonomem Fahrens» markieren eine Zeitenwende. Die Entwicklung wird getrieben von einem komplexen Mix aus sich rasant veränderten globalen Marktbedürfnissen, politischem Druck nach Reduzierung der Feinstaub-, Stickoxid- und CO2-Emissionen sowie einer wachsenden gesellschaftlichen Kritik am automobilzentrierten Verkehrs- und Stadtentwicklungsmodell. Seit Mitte der 2010er Jahre steckt die traditionelle Leitindustrie des 20. Jahrhunderts in einem irreversiblen Prozess, der nicht nur das vorherrschende Verkehrsmodell, sondern auch die Art der industriellen Fertigung, Arbeits- und Fabrikorganisation, internationalen Arbeitsteilung und nicht zuletzt der gewerkschaftlichen Organisation großer Kernbereiche der Industriearbeiterschaft in Europa, Amerika und Asien tiefgreifend verändern wird.

>>> Polylux >>>

Was die Beschäftigten der Automobilindustrie selbst über Klimapolitik, Transformation und Verkehrswende denken, dringt bislang kaum in die öffentlichen Debatte vor. Dieser Artikel will helfen, diese Leerstelle zu füllen. Er basiert auf ersten Ergebnissen einer noch laufenden Studie, für die wir im Auftrag der Rosa-Luxemburg-Stiftung zahlreiche Interviews mit Beschäftigten von großen Automobilproduzenten, Zulieferern und Ausrüstern geführt haben.

https://www.rosalux.de/news/id/42956/wo-ist-die-ladestation-beim-aldi?cHash=81e3e66029c84fdb03293b16221cf9ca