Zauberformel Organizing?

Unter der Überschrift »Zauberformel Organizing« publiziert der Freitag einen Artikel aus unserem Büro in seinem aktuellen Wirtschaftsteil. Der Text handelt davon, dass es ein Vierteljahrhundert nach der »Wende« von 1989/90 und der darauf folgenden Deindustrialisierung heute in Teilen von Ostdeutschland wieder einen gewissen Bedeutungszuwachs für Gewerkschaften gibt. Wir haben an verschiedener Stelle schon über dieses Phänomen geschrieben, das eine Reihe von Gründen hat: Bestimmte Sektoren boomen und fragen verstärkt Arbeitskräfte nach, es gibt eine neue Generation von Arbeitern bzw. Beschäftigten, die nicht mehr so stark durch das Trauma der Massenarbeitslosigkeit der 90er geprägt sind – und die Gewerkschaften entfalten mehr Aktivität, um Unorganisierte zu organisieren. Das Entscheidende an all diesen Bemühungen, die mit Begriffen wie »Organizing«, »Erschließung« oder »beteiligungsorientierte Gewerkschaftspolitik« beschrieben werden, fassen wir so zusammen:

»Auch wenn sie mitunter wie modische Marketinginstrumente zur Mitgliederbewerbung benutzt wurden: Unterm Strich haben Hunderte von Beschäftigten in zahlreichen Betrieben angefangen, gemeinsam etwas zur Verbesserung ihrer Arbeits- und Lebenssituation zu tun. (…) Gerade weil Gewerkschaften im Osten lange so schwach aufgestellt waren, mussten sich die wenigen, die in den letzten Jahren oft unter persönlichen Risiken in den Betrieben Aktivengruppen aufbauten, von Anfang an mit strategischen Fragen auseinandersetzen. Genau das dürfte auf mittlere Sicht für die Gewerkschaft selbst ein wohltuend demokratisierendes Element sein.«

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Ausbeutung mit System

Eine Regulierung von Leiharbeit und Werkverträgen hatte die SPD versprochen. Stattdessen wird es bei kleinen Korrekturen bleiben – ein Kniefall vor den Arbeitgebern

Von Jörn Boewe und Johannes Schulten, der Freitag 44/2015

Nach dem Mindestlohn hätte es der zweite große Wurf von Arbeitsministerin Andrea Nahles werden können: „Den Missbrauch von Werkverträgen und Leiharbeit werden wir verhindern“, steht im vor zwei Jahren zwischen Union und SPD geschlossenen Koalitionsvertrag. Einen lange angekündigten Gesetzentwurf dazu will Nahles in diesem Herbst endlich vorlegen. Doch alles spricht dafür, dass der Entwurf sogar noch hinter die ohnehin zaghaften Eckpunkte des Koalitionsvertrages zurückfallen wird.
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Die neue Es-reicht-Haltung

In Deutschland wird wieder mehr, länger und heftiger gestreikt – aber nicht unbedingt erfolgreicher. Befindet sich die Gewerkschaftsbewegung in einer Existenzkrise oder am Beginn eines neuen Aufschwungs?

Jörn Boewe und Johannes Schulten über „Die neue Es-reicht-Haltung“ in der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung der Freitag

https://www.freitag.de/…/der-fre…/die-neue-es-reicht-haltung

Der menschliche Faktor

Deutsche Post Der Streik wird zur Machtprobe zwischen dem Konzern und Verdi: Lässt sich Lohndumping hierzulande überhaupt noch verhindern?

Von Jörn Boewe und Johannes Schulten, der Freitag, 18. Juni 2015

Zumindest seine Ehrlichkeit muss man dem Post-Vorstand Jürgen Gerdes hoch anrechnen: Zwar sei es ungerecht, wenn Unternehmen unterschiedliche Löhne für gleiche Arbeit zahlen, meinte der Manager. „Sie werden aber kein Unternehmen finden, bei dem es anders ist.“ Für alle, die es immer noch nicht verstanden haben: Die Unternehmer haben sich zwar jahrelang Hand in Hand mit dem DGB für ein Tarifeinheitsgesetz stark gemacht. Tatsächlich ist ihnen das Prinzip „Ein Betrieb – ein Tarifvertrag“ aber vollkommen egal.
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Jetzt mal ernst

Schlichtung: Die Bahn hat sich auf die GDL zubewegt. Gewonnen ist damit noch nichts

Von Jörn Boewe und Johannes Schulten, Der Freitag, 28. Mai 2015

GDL

7. November 2014 vor dem Bahn-Tower in Berlin

Länger als jeder andere Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn hätte er werden sollen, aber dann war er nach zwölf Stunden vorbei. In den frühen Morgenstunden des Donnerstags vor Pfingsten einigten sich die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) und der Staatskonzern auf eine dreiwöchige Schlichtung. Weiterlesen

Hegemonie – ein Lehrstück

Seit nunmehr zwei Jahren dauert der Streik bei Amazon an. Unter dem Titel „Hegemonie – ein Lehrstück“ analysieren wir in der Wochenzeitung der Freitag Hintergründe und Perspektiven eines Arbeitskampfes, in dem es um nicht mehr und nicht weniger als die Zukunft der Arbeitsbedingungen im Handel geht. Zukunftsweisend ist der Konflikt auch wegen der von beiden Seiten – Gewerkschaft und Unternehmen – eingesetzten Methoden des „Organizing und Counter-Organizing“. Und nicht zuletzt ist der Amazon-Streik ein Paradebeispiel für die Notwendigkeit, „multinationale Konzerne und globale Wertschöpfungsketten als Ganzes in den Blick zu nehmen“ (IG Metall-Vorsitzender Detlef Wetzel).

Spielen auf Zeit

Warum ziehen sich der Tarifstreit zwischen Lokführern und Bahn so lange hin? Manch DB-Manager hofft wohl, dass die GDL verschwindet – durch das Gesetz zur Tarifeinheit

Von Jörn Boewe, Der Freitag, 19. Feb. 2015

Der Aufschrei ist vorhersehbar. Wenn die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) in den nächsten Tagen erneut den Großteil des Zugverkehrs lahmlegt, werden sich die Medien wieder empören. „Dumm“, „verantwortungslos“, „irre“, „bahnsinnig“ – das waren die Vorwürfe beim letzten Streik im vergangenen November.

1-IMGP3678Aber warum zieht sich der Tarifkonflikt eigentlich so lange hin? Immerhin verhandelt die Bahn mit der GDL und der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) schon seit Juli vergangenen Jahres. Weiterlesen

Vom Straßenköter zum Professor

Spanien Im Herbst wird ein neues Parlament gewählt. Die Podemos-Bewegung hat eine wirtschaftspolitische Agenda vorgelegt und liegt derzeit in allen Umfragen vorn

Von Jörn Boewe und Johannes Schulten, Der Freitag, 05/2015

(Artikel als pdf)

Auf Griechenland folgt Spanien. Das gilt zumindest für die Wahltermine: Im November wählen die Spanier ein neues Parlament. Und wenn es nach den letzten Umfragen geht, dann werden die iberischen Wähler ebenfalls für einen Linksruck sorgen: Die erst vor einem Jahr gegründete Podemos-Bewegung liegt mit etwa 28 Prozent, je nach Umfrage, mindestens drei Prozentpunkte vor Konservativen (PP) und Sozialisten (PSOE). Weiterlesen

Wie Firmen unbequeme Mitarbeiter jagen

Auch in Deutschland hat sich mittlerweile ein weitverzweigtes Netzwerk entwickelt, das daran arbeitet, die kollektive Interessenvertretung abhängig Beschäftigter aus Betrieben zu drängen oder bereits im Keim zu ersticken. Große Anwaltskanzleien wie Helmut Naujoks oder Schreiner und Partner gehören dazu ebenso wie PR-Agenturen, Überwachungsfirmen, Unternehmensstiftungen und arbeitgeberfinanzierte Universitätsinstitute. »Wir Fimen unbequeme Mitarbeiter jagen« – so der Titel unserer aktuellen Besprechung des Buches »Die Fertigmacher« von Elmar Wigand und Werner Rügemer in der Wochenzeitung Der Freitag.

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Kampfstark nur im Kleinen

»Kampfstark nur im Kleinen« ist der Titel eines Beitrags in der Wochenzeitung Der Freitag, mit den wir uns in die Debatte um die Rolle von Berufs- oder Spartengewerkschaften einmischen, die in den letzten Wochen anlässlich des Lokführerstreiks und des geplanten Tarifeinheitsgesetzes hochgekocht ist. Unsere These: Berufsgewerkschaften wie die GDL haben neuen Schwung in die hierzulande wenig entwickelte Streikkultur gebracht und damit auch den Erneuerungsbemühungen innerhalb der DGB-Gewerkschaften Rückenwind geliefert. Doch so kampfstark die neuen Berufsgewerkschaften im Kleinen sind: Auf Fragen, die über die unmittelbaren Interessen der eigenen Klientel hinausgehen, haben sie meist keine Antwort – oder sie stellen die Fragen erst gar nicht. Man kann mit streikenden Lokführern oder Fluglotsen solidarisch sein – auch ohne im Organisationsmodell der Berufsgewerkschaft die Zukunft der Arbeiterbewegung zu sehen.

Hier der komplette Text auf der Freitag-Internetseite.