Wo liegt Amazons Grenze?

… fragen wir in unserem Artikel auf der Seite Drei des neuen Freitag (7/2021):
“In 50 Jahren, so eine These des israelischen Historikers Yuval Noah Harari, werden sich die Menschen an die Covid-19-Pandemie erinnern als den „Moment, an dem die digitale Revolution Wirklichkeit wurde“. Ob die Prognose aufgeht, wer weiß. Doch schon jetzt ist klar: Corona ist ein Transformationsbeschleuniger. Exemplarisch deutlich wird dies an dem Schub, den der Technologiekonzern Amazon durch die Pandemie bekommen hat. Während die Weltwirtschaft im vergangenen Jahr in die tiefste Rezession seit 1929 rutschte, schrieb der Onlinehändler aus Seattle 2020 das erfolgreichste Jahr seiner Geschichte. Amazon steigerte den Umsatz um 38 Prozent auf sagenhafte 386 Milliarden US-Dollar, was in etwa dem Bruttoninlandsprodukt von Israel oder Irland entspricht.”
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In die Offensive

Gewerkschaften: Beschäftigte zeigen Engagement trotz Social Distancing – und feiern Erfolge. Johannes Schulten, Jörn Boewe – der Freitag 19/2020, 6. Mai 2020

Kontaktsperren, Versammlungsverbot, Social Distancing – die Corona-Pandemie hat Gewerkschaften ihrer wichtigsten Druckmittel beraubt. Auch wenn es zur schrittweisen Lockerung der Ausgangsbeschränkungen kommt und die Richter in Karlsruhe das generelle Demonstrationsverbot als Teil der Corona-Kontaktsperre kassiert haben: Auf absehbare Zeit wird es schwierig bleiben, Kundgebungen zu organisieren, Forderungen zu beraten, Tarifkommissionen in Betrieben zu wählen, von Streiks und Großdemonstrationen ganz zu schweigen. Derweil wird der gesellschaftliche Konflikt zur Frage, wer am Ende die Rechnung für all die Corona-bedingten Maßnahmen, Hilfsprogramme und Verluste übernehmen soll, längst ausgefochten.
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Noch mehr schuften

Arbeit: Schlecht bezahlte Dienstleister bekommen jetzt Applaus vom Balkon. Ihre Jobs werden härter. Jörn Boewe, Johannes Schulten, der Freitag 14/2020

Die Spaltung der Arbeitswelt in Arbeiter und Angestellte hat man lange nicht so deutlich gesehen wie in diesen Tagen. Das Coronavirus sortiert die Beschäftigten: Während die einen stundenlang in Videokonferenzen hängen, fahren die anderen Tag für Tag an ihre Arbeitsstätten. Es sind vor allem Angehörige schlecht bezahlter Dienstleistungsberufe, die jetzt die soziale Infrastruktur am Laufen halten und zu Helden verklärt werden, während ihnen die Privilegierteren allabendlich vom Balkon vorm Homeoffice aus kollektiven Applaus spendieren.

Viele unserer neu entdeckten Helden arbeiten zu so niedrigen Löhnen, dass sie sich schlicht kein Auto leisten können. Sie sind auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen – staatliches Abstandsgebot hin oder her. Man darf in Berlin zwar nicht allein mit einem Buch auf der Parkbank sitzen, mit einem Dutzend niesender Mit-Passagiere im U-Bahn-Abteil aber schon. Weiterlesen

Gegen die Matrix

Die beiden abgeschlossenen Tarifrunden des Jahres – Metall und öffentlicher Dienst – “markieren eine noch zaghafte (…) gewerkschaftliche Neuorientierung hin zu einer offensiveren Tarifpolitik”, schreibt Jörn Boewe im Freitag 21/2018. Eine “Ini­tialzündung für eine verteilungspolitische Wende” markierten sie indessen noch nicht. “Zu tief” hätten sich “die strukturellen Veränderungen der Arbeitsbeziehungen nach einem Vierteljahrhundert neoliberaler Politik in die gesellschaftliche Matrix eingebrannt”. Wenngleich also “die entscheidenden Schlachten einerseits hinter, anderseits vor uns – aber jedenfalls
nicht in der Gegenwart” lägen, gebe es dennoch “Elemente, die zeigen, wie sich das Kräfteverhältnis ändern lassen könnte”: lehrreiche und ermutigende Beispiele sieht der Autor im andauernden Konflikt bei Amazon, in der erfolgreichen Integration von Organizing-Ansätzen in die Strategie der IG Metall und in der bundesweiten Bewegung der Krankenhausangestellten für eine bessere Personalbemessung: “Relevante Teile der
neuen Arbeiterinnenklasse organisieren sich, treten in Auseinandersetzungen – und
manchmal gewinnen sie sogar.”

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Mach mal Pause

Beschäftigte des Dachauer Helios-Klinikums wollen in einen “Pausenstreik” treten, meldet die Süddeutsche Zeitung. Ein “Pausenstreik”? Was ist das denn? Machen die keine Pausen mehr? Weit gefehlt. Die Gewerkschaft ver.di hat die Kolleginnen und Kollegen aufgerufen, “am Dienstag, 21. Februar, ihre gesetzlich zustehenden Pausen zu nehmen, um sich von belastender Arbeit zu erholen und gleichzeitig ihr Recht auf Pausen zu unterstreichen”. Früher hätte man das einen geregelten Arbeitsablauf genannt oder eine Selbstverständlichkeit – heute ist es eine Arbeitskampfmaßnahme.

Helios ist übrigens die Nummer Eins unter den privaten Krankenhausbetreibern in Deutschland – nach Umsatz (5,58 Mrd. EUR) und Rendite (EBIT-Marge 11,5 %), wie man auf der Internetseite des  Klinikkonzerns erfahren kann.

Wir haben beim Statitischen Bundesamt die entsprechenden Branchendaten erfragt und ausgerechnet, wie sich Produktiviät (sicher ein problematisches Konzept in Bezug auf Krankenhäuser!) und Reallöhne im Gesundheitswesen  über die letzten zweieinhalb Jahrzehnte verändert haben:

Was tun? Man muss die Arbeitszeit, Arbeitsverdichtung und Personalbemessung verknüpfen und daraus eine Strategie entwickeln. Im Frühjahr 2016 hat ver.di am Berliner Universitätsklinikum Charité den bundesweit ersten Tarifvertrag zur Personalmindestbesetzung im Gesundheitswesen durchsetzen können. Am 21. Februar wollen nicht nur die Helios-Beschäftigten in Dachau die ihnen zustehenden Pausen nehmen, sondern Krankenhausbeschäftigte bundesweit.

Ein Kreuz für den Streik

Die Pflegekräfte am Berliner Uniklinikum Charité entscheiden seit Dienstag per Urabstimmung über einen Arbeitskampf. Ergebnis soll am 5. Juni vorliegen. Es geht um mehr Personal.

Von Jörn Boewe und Johannes Schulten, taz Berlin, 27. Mai 2015

Unbesetzte Stellen, unzählige Überstunden, keine Pausen – die Klagen derjenigen, die ihre Stimme abgegeben haben, ähneln sich: „Ich haben momentan 119 Überstunden und das bei einer zwei-Drittel-Stelle“, sagt eine Krankenschwester, die auf einer Kinderstation arbeitet.

Nach Gewerkschaftsangaben müssen sich 75 Prozent der Verdi-Mitglieder für die Arbeitsniederlegung aussprechen. Niemand hier an der Wahlurne zweifelt an diesem Morgen, dass das Quorum erreicht wird. „Der Leidensdruck auf allen Stationen ist enorm“, sagt ein Pfleger.

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Charité-Beschäftigte wollen Pflegenotstand wegstreiken

“Diagnose: Heilung kaum mehr möglich”, heißt eine Geschichte von Jörn Boewe und Johannes Schulten in der heutigen Berliner taz. An Berlins Uniklinikum, der Charité, gehen die Krankenschwestern und Pfleger auf die Barrikaden. Am Montag und Dienstag soll gestreikt werden. Das Besondere: Es geht nicht um mehr Geld, sondern um mehr Personal.

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Grafitto am Campus Virchow-Klinikum der Charité, Berlin-Wedding, Amrumer Straße

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Mitbestimmung als Glaubensfrage

Das Johannische Sozialwerk will nicht wahrhaben, dass ein Betriebsrat gewählt wurde

Die Betriebsratswahl beim Johannischen Sozialwerk wirft ein Schlaglicht auf ein Grundproblem des deutschen Arbeitsrechts – das Privileg der Kirchen, ihre eigenen Gesetze zu machen.

Von Jörn Boewe, neues deutschland, 27. Feb. 2015

»Guten Tag … ich bin erst wieder ab 9. März im Büro«, teilt die telefonische Abwesenheitsansage der Personalchefin des Johannischen Sozialwerks mit. Für die Wohlfahrtseinrichtung der Johannischen Kirche, einer kleinen evangelischen Freikirche mit bundesweit 3000 Mitgliedern, bedeutet das nichts Gutes. Denn auf dem Tisch liegen Anträge des Betriebsrates, und über die sollte bis zum 6. März entschieden sein. Passiert bis dahin nichts, droht ein Konflikt vor dem Arbeitsgericht. Weiterlesen

Arbeitnehmer zweiter Klasse

Seit Beginn der Eurokrise kommen gut ausgebildete Pflegekräfte aus Südeuropa nach Deutschland. Hier werden einige von ihnen von Medizindienstleistern mit Knebelverträgen und schlechter Bezahlung ausgenutzt. Auch in Berlin.

Von Jörn Boewe und Johannes Schulten, Berliner Zeitung, 17. Juli 2014

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»Ohne Druck wird sich nichts zum Besseren bewegen«,

sagt die Krankenschwester und Personalrätin Dana Lützkendorf in unserer Geschichte über den jüngsten Tarifkonflikt an der Berliner Charité in der aktuellen Ausgabe des Magazins Mitbestimmung. Die Pflegekräfte an Europas größtem Uniklinikum gehen auf die Barrikaden, weil die Personalausstattung dort einen kritischen Punkt erreicht hat, an dem Patienten wie Beschäftigte hochgradig gefährdet sind. An anderen Krankenhäusern in Deutschland ist es nicht besser, doch die Kolleginnen und Kollegen der Charité zeigen, dass man das nicht tatenlos hinnehmen muss.

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